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Gewalt und Rassismus im italienischen Fußball
Sport 2 Min. 27.12.2018

Gewalt und Rassismus im italienischen Fußball

Kalidou Koulibaly (l.) flog in der 81.' nach einer Roten Karte vom Platz. Sein Trainer Carlo Ancelotti nahm den Spieler in Schutz.

Gewalt und Rassismus im italienischen Fußball

Kalidou Koulibaly (l.) flog in der 81.' nach einer Roten Karte vom Platz. Sein Trainer Carlo Ancelotti nahm den Spieler in Schutz.
Foto: AFP
Sport 2 Min. 27.12.2018

Gewalt und Rassismus im italienischen Fußball

Das Spitzenspiel der Serie A wird von einem Toten, Verletzten und einem Rassismus-Skandal überschattet.

(sid) - Der italienische Fußball ist am zweiten Weihnachtsfeiertag von einem Todesfall überschattet worden. Beim Spitzenspiel der Serie A zwischen Inter Mailand und SSC Neapel (1:0) kam ein Anhänger der Gastgeber ums Leben. Darüber hinaus wurden mehrere Tifosi von Napoli verletzt, die Gemüter erhitzte außerdem ein Rassismus-Skandal.

Nach dem Spiel wurde ein 35 Jahre alter Fan von Inter in der Nähe des Giuseppe-Meazza-Stadions von einem Van überfahren. Er erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Am Steuer des Unfallwagens habe ein Anhänger von Napoli gesessen, teilten die Behörden mit. Nach dem Fahrer werde noch gesucht.

Italiens Innenminister Matteo Salvini bezeichnete den Todesfall als nicht hinnehmbar. Er kündigte ein Treffen mit dem Management beider Klubs und den Chefs der Fangemeinschaften an. Der Mailänder Polizeichef Marcello Cardona forderte, dass Inter-Fans in dieser Saison keine Karten mehr für Auswärtsspiele bekommen und zudem die berüchtigte Inter-Fankurve fünf Spieltage geschlossen wird. Bei Zusammenstößen rivalisierender Fans im Anschluss an die Partie wurden zudem vier Neapel-Anhänger durch Messerstiche verletzt. In die Krawalle, die rund um das Stadion in San Siro ausbrachen, waren nach Medienberichten etwa 50 Personen verwickelt. Die Sicherheitskräfte verhinderten Schlimmeres.

Cardona sprach von organisierten Krawallen. "Wir werden sehr hart mit den Tätern umgehen", kündigte er an. Am Donnerstag nahm die Polizei drei Männer fest, die offenbar an den Ausschreitungen beteiligt waren. Im März 2016 hatte der gewaltsame Tod eines Fans von Lazio Rom, der auf dem Weg zum Auswärtsspiel seines Klubs bei Inter Mailand auf einem Autobahnrastplatz von einem Polizisten erschossen worden war, zu schweren Ausschreitungen im ganzen Land geführt. Im Februar 2007 versetzte der gewaltsame Tod des Polizisten Filippo Raciti bei Krawallen am Rande des sizilianischen Derbys zwischen Catania Calcio und US Palermo den italienischen Fußball in einen Schockzustand.

Koulibaly: "Ich bin stolz auf meine Hautfarbe"

Das Duell zwischen Inter und Napoli offenbarte zudem das zweite große Problem im italienischen Fußball. SSC-Profi Kalidou Koulibaly beschwerte sich nach seinem Platzverweis über wiederholte rassistische Beleidigungen. "Ich entschuldige mich für die Niederlage und vor allem dafür, dass ich meine Brüder im Stich gelassen habe. Aber ich bin stolz auf meine Hautfarbe, darauf, dass ich ein Senegalese bin, ein Franzose, Neapolitaner: ein Mann", twitterte der Abwehrspieler.

Neapels Trainer Carlo Ancelotti zeigte sich empört. Die Beleidigungen aus den Reihen der Inter-Fans seien der Grund, weshalb Koulibaly in der 81.' vom Platz gestellt worden sei. Der Abwehrspieler hatte nach einer Gelben Karte dem Schiedsrichter applaudiert.

"Koulibaly war einfach gereizt", sagte Ancelotti. Dreimal habe er den Schiedsrichter aufgefordert, das Match wegen der Beleidigungen zu unterbrechen. "Es gab zwar einige Durchsagen, die offenkundig nicht genügt haben. Beim nächsten Mal werden wir das Spielfeld verlassen, auch wenn wir verlieren", so der frühere Bayern-Trainer.

Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala verurteilte die Beleidigungen und beschrieb sie in einem Facebook-Post als "schandvolle Tat gegenüber einem wahren Athleten, der seine Hautfarbe mit Stolz trägt". Er entschuldigte sich bei Koulibaly, auch im Namen der Bürger Mailands.

Am Donnerstagnachmittag bestrafte die italienische Liga Inter. Der Traditionsclub muss zwei Heimspiele ohne Zuschauer austragen.

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