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Fußballerinnen drängen auf Gleichbehandlung
Deutschland um Svenja Huth (l., im Zweikampf mit Chinas Peng Han), erhält für den WM-Titel 75 000 Euro.

Fußballerinnen drängen auf Gleichbehandlung

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Deutschland um Svenja Huth (l., im Zweikampf mit Chinas Peng Han), erhält für den WM-Titel 75 000 Euro.
Sport 2 Min. 11.06.2019

Fußballerinnen drängen auf Gleichbehandlung

Auch nach dem Start der WM-Endrunde geht die Diskussion um die Gehälter und Prämien im Frauenfußball weiter.

(sid) - Die Vergleiche sind krass. Bei der WM-Endrunde der Männer im vergangenen Jahr schüttete der Fußball-Weltverband FIFA 353,6 Millionen Euro an Prämien aus – bei der derzeit laufenden Frauen-Endrunde sind es 26,5 Millionen. Im Jahr 2017 verdienten die rund 1 700 Spielerinnen aus den besten sieben Frauenligen der Welt zusammen 36,8 Millionen Euro an Gehältern, so viel kassierte Neymar alleine.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – davon ist die Fußballwelt zum Unmut der Frauen noch weit entfernt. Dass sich die Dinge dennoch ändern, liegt vor allem am Druck der Fußballerinnen. Sie drängen auf Gleichbehandlung – und winken auch mit dem juristischen Zaunpfahl. So fordern die Australierinnen eine signifikante Erhöhung des WM-Preisgeldes und wollen deshalb zur Not vor Gericht ziehen.

Das haben die Spielerinnen des Titelverteidigers USA bereits getan. Alex Morgan, Megan Rapinoe und Co. strengten eine Sammelklage gegen den eigenen Verband (USSF) an, weil sie nur 38 Prozent des Männerlohns erhalten. „Wir hatten nicht den Eindruck, dass unser Verband den Forderungen der Gleichstellungsbehörde nachkommt“, sagte Morgan: „Es war an der Zeit, Gerichte damit zu beschäftigen.“

Ada Hegerberg läuft "wegen der geringen Wertschätzung" nicht mehr für ihr Heimatland Norwegen im Nationalteam auf.
Ada Hegerberg läuft "wegen der geringen Wertschätzung" nicht mehr für ihr Heimatland Norwegen im Nationalteam auf.
Foto: AFP

Die Däninnen bestritten sogar einen Weg, der ihnen die WM-Teilnahme gekostet hat. Sie boykottierten das entscheidende Qualifikationsspiel gegen Schweden. Die Partie wurde als Niederlage gewertet. Erst danach einigten sich der Verband (DBU) und die Spielerinnen auf einen neuen Vertrag mit besseren Konditionen. Der skandinavische Nachbar aus Norwegen muss bei der WM ohne seine Starspielerin Ada Hegerberg auskommen, weil sie aufgrund der „geringen Wertschätzung“ nicht mehr im Nationaltrikot aufläuft.

Deutschland: 75 000 Euro für den WM-Titel

Einen großen Unterschied gibt es auch beim Fußballbund (DFB). Hätten die Männer 2018 in Russland den Titel geholt, wären jeweils 350 000 Euro auf die Konten der Millionäre geflossen. Die Frauen müssen sich bei einem Triumph mit 75 000 Euro begnügen. Für DFB-Interimspräsident Rainer Koch ist das allerdings nicht verwerflich. „Man kann nur gleiches gleich behandeln“, sagte Koch in der ARD: „Aktuell ist es so, dass mit der Frauen-Nationalmannschaft bei Weitem nicht die Erlöse erzielt werden können, die im Männerfußball realisiert werden.“ Zudem sei es „die höchste Prämie in der Geschichte des DFB“, die im Fall des dritten Titelgewinns ausgezahlt wird. Kritiker werfen dem Verband allerdings vor, dass er aufgrund der stiefmütterlichen Behandlung über Jahrzehnte hinweg selbst dafür gesorgt hat, dass die Frauen den Männern hinterherhinken.

Einen ähnlichen Standpunkt wie Koch nimmt Gianni Infantino ein. „Natürlich ist es viel weniger Geld als bei den Männern. Aber das hat mit der Kommerzialisierung der Medienrechte zu tun“, sagte der FIFA-Boss: „Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Daran müssen wir arbeiten.“ Das will die FIFA auch tun, 442 Millionen Euro sollen in den kommenden vier Jahren in den Frauenfußball investiert werden. Infantino regte zudem die Schaffung einer „Weltliga“ für Nationalmannschaften und einer Klub-WM an: „Die Dinge ändern sich."


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