Fußball-WM in Katar: Kommentar: "Oh du fröhliche Weltmeisterschaft"
Von Laurent Schüssler. Das Public Viewing zum WM-Finale 2022 findet also auf dem Weihnachtsmarkt statt. Glühwein und Gulaschsuppe statt Bier und Chips - wieso eigentlich nicht? Da man mit allen Mitteln an einer Weltmeisterschaft in Katar festhalten wollte, musste man aufgrund der hohen Temperaturen im Sommer in die kälteren Monate ausweichen. Eine andere Lösung gab es nicht. Der Fußballweltverband Fifa hatte bereits frühzeitig keinen Hehl daraus gemacht, dass an eine Neuvergabe für 2022 nicht zu denken sei. Somit war der Terminvorschlag der eingesetzten Arbeitsgruppe, der am Dienstag bekannt wurde, der einzige logische Ausweg. Eine Überraschung kann er nur für jene darstellen, die sich nicht im Vorfeld genauer mit der Problematik befasst hatten. Michel Platini, der Präsident der europäischen Konföderation, hatte bereits im Sommer 2013 in einem Gespräch mit englischen Journalisten angedeutet, dass es auf eine Winter-WM hinauslaufen würde. Nachdem man sich im Fußball über 100 Jahre nach den Briten gerichtet habe, sollten diese sich ein einziges Mal der restlichen Welt anpassen, so der Uefa-Vorsitzende und wollte mit dieser saloppen Aussage die Argumente der Medienvertreter entkräften, auf der britischen Insel würden doch seit jeher über Weihnachten Meisterschaftsspiele ausgetragen.
Sepp Blatter und die Fifa wollten 2022 nicht in Konkurrenz zu den Olympischen Winterspielen treten, die traditionell im Februar ausgetragen werden. So blieb nur der Spätherbst des gleichen Jahres. Und seien wir einmal ehrlich: Die Argumente einer deutschen Fußball-Liga, eine WM im Winter würde Einnahmeverluste für die nationalen Ligen bedeuten, halten nicht stand. Immerhin werden die Spiele, die in der Saison 2022 verlegt werden müssen, ja nachgeholt. Zu einem Termin mit wesentlich günstigeren, weil milderen Temperaturen. Ist aus dieser Sicht also vielleicht gerade der Fan der Gewinner einer Fußball-WM im Winter?