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Fußball und Kommerz: Und Geld schießt doch Tore
Sport 3 Min. 11.05.2015 Aus unserem online-Archiv

Fußball und Kommerz: Und Geld schießt doch Tore

Cristiano Ronaldo (l.) und Gareth Bale wechselten für knapp 200 Millionen Euro zu Real Madrid.

Fußball und Kommerz: Und Geld schießt doch Tore

Cristiano Ronaldo (l.) und Gareth Bale wechselten für knapp 200 Millionen Euro zu Real Madrid.
Foto: Reuters
Sport 3 Min. 11.05.2015 Aus unserem online-Archiv

Fußball und Kommerz: Und Geld schießt doch Tore

Die Fußballweisheit "Geld schießt keine Tore" wird Jahr für Jahr in der Champions League widerlegt. Trotzdem ist neben finanziellen Mitteln auch eine kluge Strategie gefragt, um Erfolg zu haben.

von Andrea Wimmer

Es war eine der Fußballweisheiten, die Otto Rehhagel so gerne mochte. „Geld schießt keine Tore“, hat der legendäre Trainer einst gesagt. Und er selbst lieferte den Beweis, als er den 1. FC Kaiserslautern 1998 als Aufsteiger zum deutschen und die Underdogs aus Griechenland 2004 sensationell zum EM-Titel führte. So etwas freut Fußballromantiker, ist heute aber schier unmöglich. Die großen Trophäen scheinen für die Reichen reserviert.

Man werfe nur einen Blick auf das aktuelle Halbfinale der Champions League. Bayern München, Real Madrid und der FC Barcelona sind dabei – wie so oft. In den vergangenen vier Spielzeiten der Königsklasse waren die drei Branchenriesen drei Mal gemeinsam in der Runde der letzten Vier vertreten. Zwar schafft es kein Verein, seinen Titel in der Champions League zu verteidigen, doch der Favoritenkreis wird offenbar immer kleiner

Tatsache ist: Wer öfter auf europäischer Bühne relativ weit kommt, wird allein dadurch immer reicher, somit immer attraktiver für die besten Spieler, schließlich durch diese noch erfolgreicher in der Champions League – und die Kluft zwischen den ganz Großen und dem Rest immer größer. Wohin das noch führt, ist derzeit nicht abzusehen. Gerade hat der europäische 
Verband Uefa die Gesamtprämien für die Europapokal-Wettbewerbe mal wieder erhöht. In der Champions League werden von der kommenden Saison an jährlich 1,25 Milliarden statt bislang rund einer Milliarde Euro an die teilnehmenden Clubs ausgeschüttet. Eingenommen hat die Uefa mit der Champions League zuletzt knapp 1,5 Milliarden Euro.

Vereine
 sind mittlerweile Anlageobjekte

Auch die Bundesliga produziert aufsehenerregende Zahlen, beispielsweise einen Rekordumsatz von über zwei Milliarden Euro. Sie gilt als finanzkräftige Serie, an der große Wirtschaftsunternehmen interessiert sind. „Es gibt hierzulande keine bessere PR-Plattform“, sagt Philipp Hasenbein von der Sportrechte-Agentur Sportfive. Sport als Marketinginstrument ist das eine. Mittlerweile geht das Engagement der Wirtschaft aber weit darüber hinaus: Vereine sind offenbar auch Anlageobjekte, wie der Erwerb von Anteilen an Hertha BSC durch einen amerikanischen Finanzinvestor zeigt. Die Beteiligung großer Unternehmen an Fußballclubs führt teilweise zu bemerkenswerten Konstellationen. So ist der Volkswagen-Konzern einschließlich der Tochter Audi an mehreren deutschen Vereinen beteiligt. Audi ist Partner des FC Bayern, der Tabellenzweite VfL Wolfsburg gehört der VW AG. Sollte der FC Ingolstadt demnächst aufsteigen, hätte der Konzern Anteile an drei Bundesligisten gleichzeitig. Die Gefahr der Wettbewerbsverzerrung besteht, auch Spielertransfers könnten auf dem kurzen Dienstweg geregelt werden. Zudem hat VW als wichtiger Sponsor auch bei Schalke, Bremen und Braunschweig Einfluss. Anders als die Uefa verbietet die Bundesliga Mehrfachbeteiligungen nicht.

Etwas heikel ist auch das Thema Red Bull. Der Getränkegigant ist Eigentümer des mehrfachen österreichischen Meisters Salzburg und seit einigen Jahren auch in Leipzig höchst aktiv. Zuletzt sorgte der mittlerweile in die 2. Bundesliga aufgestiegene RB (offiziell: RasenBall) mit der Verpflichtung von Davie Selke für Schlagzeilen. Der Jungstar hatte kurz zuvor bei Werder Bremen bis 2018 verlängert und dies „eine Herzensangelegenheit“ genannt. Allerdings kann es in Deutschland aufgrund der „50+1“-Regel nicht ganz so weit kommen wie in anderen europäischen Ligen, in denen mitunter milliardenschwere Scheichs aus den Emiraten oder russische Oligarchen komplett über das Schicksal eines Clubs entscheiden. Manchester City, deren Hauptanteilseigner zur Herrscherfamilie von Abu Dhabi gehört, Paris SG mit einem Großinvestor aus Katar oder der im Besitz des Milliardärs Roman Abramovich befindliche FC Chelsea sind prominente Beispiele. Seit Jahren geben die Clubs Unsummen für Kohorten von Stars aus. Zumindest für Chelsea ging die Rechnung mit dem Champions-League-Titel 2012 auf.

Marketing hat ebenfalls 
seine Grenzen

„Fußballromantik gibt es nicht mehr“, sagt Harald „Toni“ Schumacher, Ex-Nationaltorwart und Vizepräsident beim 1. FC Köln, über das Geschäft mit dem runden Leder. Geld schießt eben doch Tore, wie beispielsweise der 100-Millionen-Transfer Gareth Bale immer wieder zeigt. Und doch geht es um Menschen. So hat zum Beispiel auch Marketing Grenzen. Wenn Real oder Bayern nach der WM zur Saisonvorbereitung mehrere Kontinente bereisen, um so Werbung für die Sponsoren zu betreiben, sind Verletzungen der Stars programmiert. Langfristig haben wohl nur die Reichen Erfolg.

Doch es liegt nicht am Geld allein. Es gibt zahlreiche Beispiele von Transferflops, die sich milliardenschwere Hauptaktionäre leisten, wenn ohne Fußballverstand eingekauft wird. Auch der Faktor Tradition ist nicht zu unterschätzen. In den USA und in China ist Fußball trotz Marketing-Offensiven beim Publikum nicht etabliert. Und zumindest kurzfristig können auch kleine Vereine mit Mini-Etat und großer Leidenschaft für Furore sorgen – siehe Vestenbergsgreuth oder Unterhaching. Solche Erfolgsgeschichten gibt es immer noch. Frag nach in Paderborn.


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