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Fußball: Umstrittene Netzrebellen
Sport 2 Min. 12.02.2016 Aus unserem online-Archiv

Fußball: Umstrittene Netzrebellen

Die Vertragsdetails von Real Madrids Gareth Bale wurden von "Football Leaks" veröffentlicht.

Fußball: Umstrittene Netzrebellen

Die Vertragsdetails von Real Madrids Gareth Bale wurden von "Football Leaks" veröffentlicht.
Foto: Reuters
Sport 2 Min. 12.02.2016 Aus unserem online-Archiv

Fußball: Umstrittene Netzrebellen

Bob HEMMEN
Bob HEMMEN
"Football Leaks" ist eine geheimnisvolle Internet-Plattform, die derzeit im Profifußball für viel Unruhe sorgt. Doch was sind die Motive der Gründer, und wer steckt dahinter?

(dpa) - Eine geheimnisvolle Internet-Plattform sorgt im Profifußball für Gesprächsstoff. Fast täglich stellt "Football Leaks" eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Details aus Verträgen internationaler Stars ins Netz. Die Branche reagiert gereizt.

Geheimnisvoll, brisant, umstritten – die Meinungen im Profifußball über "Football Leaks" gehen weit auseinander. Das Enthüllungsportal kündigte an, auch in Zukunft Einblicke in die oftmals undurchsichtigen Geschäfte auf dem Transfermarkt zu gewähren. Im Internet veröffentlichte Details aus den Arbeitsverträgen von Profis wie Mesut Özil, Hulk oder Gareth Bale sorgten bereits in den vergangenen Wochen für Aufregung.

Welche Ziele verfolgt "Football Leaks"?

Inspiriert durch politische Whistleblower wie Julian Assange ("WikiLeaks") oder Edward Snowden soll der Fußball durch die Veröffentlichung von bisher vertraulichen Verträgen zu mehr Transparenz gezwungen werden. "Ein solch intransparentes Geschäft wie der Fußball ist ein Paradies für Korruption, Geldwäsche und Steuerbetrug", klagte ein Plattformsprecher in einem per E-Mail geführten Interview mit dem "Spiegel". Ausschlaggebend für erste Veröffentlichungen seien fragwürdige Spielerwechsel in Portugal im vergangenen Sommer gewesen.

Wer steckt hinter der Plattform "Football Leaks"?

Die Betreiber schützen ihre Identität. Nach eigenen Angaben sind sie Fußballfans, arbeiten unabhängig, ohne kommerzielles Interesse und stammen aus Portugal. Ihre Internetseite wird in Russland gehostet. Möglicherweise deshalb, weil russische Behörden aus politischen Gründen nur wenig zu einer Kooperation mit westlicher Administration neigen. Wie die spanische Zeitung "As" im Dezember unter Berufung auf portugiesische Behörden berichtete, sollen einige "Football Leaks"-Mitarbeiter identifiziert worden sein.

Warum schützen die Betreiber ihre Identität?

Aus Angst vor Repressalien und "mächtigen Feinden". "Die Fußball-Lobbyisten haben einen sehr großen Einfluss auf die Ermittlungsbehörden, wir würden deshalb nie einen fairen Prozess bekommen", sagte ein Sprecher der Enthüllungsplattform. Gab es bereits Versuche, gegen "Football Leaks" vorzugehen? Ja. So leiteten Strafverfolgungsbehörden aus Portugal im vergangenen Oktober nach einer Anzeige des Sportrechte-Vermarkters Doyen Ermittlungen gegen das Portal ein. Das Unternehmen warf "Football Leaks" Erpressung vor. Angeblich sollen für die Nichtveröffentlichung brisanter Informationen eine Million Euro verlangt worden sein. Diese Vorwürfe bezeichnete ein Sprecher der Plattform als "lächerlich". Zudem forderten die Berater von Bale eine unabhängige Untersuchung von "Football Leaks", nachdem Vertragsdetails zwischen dem aktuellen Verein des walisischen Stürmers Real Madrid und seinem alten Club Tottenham Hotspur veröffentlicht worden waren.

Hat "Football Leaks" Dokumente illegal erworben?

Darüber kann nur spekuliert werden. Die Enthüllergruppe bestreitet Vorwürfe von Doyen, sich Dokumente mit Hilfe von Hackern beschafft zu haben. Weitere Informanten könnten Spielerberater, Clubvertreter oder Mitarbeiter von Ligaverbänden sein. Nach eigenem Bekunden stammen die Dokumente aus "verschiedenen Quellen". In einem Mitte Januar veröffentlichten Interview der portugiesischen Sportzeitung "Record" räumte ein Sprecher des Netzwerks ein, dass die Plattform möglicherweise "mehrere Gesetze über geistiges Eigentum verletzt" habe. Das sei aber "die einzige Form, der Welt ein bisschen von dem zu zeigen, was den Fußball zur Zeit tötet".

Muss man mit weiteren brisanten Veröffentlichungen rechnen?

Ja. Nach eigenen Angaben verfügt die Plattform über "500 Gigabyte Material" – Tendenz steigend. Auch in Zukunft sollen täglich Dokumente online gestellt werden. Wie brisant die Veröffentlichungen sein können, bekam der niederländische Erstligist Twente Enschede zu spüren. Weil der Club verbotenerweise seine Transferautonomie für einige Profis an die Sportrechte-Agentur Doyen abgetreten hatte, wurde Twente für drei Jahre von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen.


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