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Fußball-Revolution: Bosman 20 Jahre danach mit leerem Konto
Da war die Welt noch in Ordnung: Jean-Marc Bosman (M.) zusammen mit seinen Anwälten im Jahr 1995.

Fußball-Revolution: Bosman 20 Jahre danach mit leerem Konto

Foto: AFP
Da war die Welt noch in Ordnung: Jean-Marc Bosman (M.) zusammen mit seinen Anwälten im Jahr 1995.
Sport 15.12.2015

Fußball-Revolution: Bosman 20 Jahre danach mit leerem Konto

Jean-Marc Bosman hat das Transfersystem vor 20 Jahren auf den Kopf gestellt. Heute lebt der Fußball-Rebell in Armut.

(sid) - 20 Jahre nach dem Bosman-Urteil lebt der damalige Fußball-Rebell Jean-Marc Bosman eigenen Angaben zufolge am Rande des Existenzminimums. Er habe "null Euro" auf dem Konto und verdiene "Null, Nullkommanull", sagte der 51 Jahre alte Belgier in einem Interview mit dem Fachmagazin "kicker": "Ich habe keine Schulden mehr, aber auch kein Geld mehr."

Wie Bosman weiter erklärte, lebe er von Geldgeschenken der internationalen Spieler-Gewerkschaft FifPro. Die Organisation habe erst zuletzt versprochen, 2500 Euro zu überweisen, "ansonsten wäre ich in der Scheiße".

Bosmans Hoffnungen auf eine Anstellung bei der FifPro, "um einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen und nicht mehr jeden Monat schauen zu müssen, wie ich über die Runden komme", scheinen sich allerdings nicht zu erfüllen.

Astronomische Spieler-Gehälter und Ablösezahlungen als Konsequenz

Nach Bosman ist das revolutionäre Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) von 1995 zur Rechtmäßigkeit des damaligen Transfersystems und der Beschränkung von Ausländern in Profi-Teams benannt. Die Luxemburger Richter verboten in ihrer Entscheidung die bis dahin gängigen Ablösesummen für Profis auch nach Ablauf von Verträgen und erklärten die Begrenzung von Plätzen für Berufssportler aus der Europäischen Union in Clubs anderer EU-Länder für rechtswidrig. Auf das Bosman-Urteil sind auch die inzwischen teilweise astronomischen Spieler-Gehälter und Ablösezahlungen für Vereinswechsel während eines laufenden Kontraktes zurückzuführen.

Seinen niedrigen Lebensstandard - zwischenzeitlich lebte Bosman nach dem Urteil in der Garage seines Elternhauses und konnte sich "noch nicht einmal ein Eis leisten" -  führt Bosman auf den nahezu vollständigen Mangel an Solidarität der Fußball-Szene zurück. "Es ist traurig, aber von Anfang an wollte man mich ausradieren. Ich wurde ignoriert. Aber ich habe verstanden, dass man einen Preis zahlt, wenn man einen bestehenden Machtapparat angreift."