Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Fünf Grafiken, die Sie vor der Fußball-WM in Katar kennen sollten

  • Ein kleines, reiches Land
  • Wirtschaft stark von Migranten abhängig
  • Ausländer auf den Baustellen
  • Unverhältnismäßig hohe Umweltbelastung
  • Diplomatie mittels Sport
  • Ein kleines, reiches Land 1/5
  • Wirtschaft stark von Migranten abhängig 2/5
  • Ausländer auf den Baustellen 3/5
  • Unverhältnismäßig hohe Umweltbelastung 4/5
  • Diplomatie mittels Sport 5/5

Fünf Grafiken, die Sie vor der Fußball-WM in Katar kennen sollten

Fünf Grafiken, die Sie vor der Fußball-WM in Katar kennen sollten
Mega-Event am Persischen Golf

Fünf Grafiken, die Sie vor der Fußball-WM in Katar kennen sollten


von Emilie CHESNÉ/ 18.11.2022

Die Kritik des Westens an Katar richtet sich vor allem gegen die Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen.Foto: AFP

Am Sonntag beginnt die erste Fußball-Weltmeisterschaft, die im Nahen Osten ausgetragen wird. Sie ist auch die erste, die vor allem in Europa in ökologischer und sozialer Hinsicht kritisiert wird. Doch jenseits aller Polemiken bleibt Katar weitgehend unbekannt. Ein Überblick über das Land.

In zwei Tagen steht Katar mit dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft voll im Rampenlicht. Doch einige Menschen, vor allem in Europa, ziehen es vor, ihre Augen von diesem Turnier abzuwenden. Sie weigern sich, Spiele in klimatisierten Stadien mitten im Winter anzuschauen. Sie empören sich darüber, dass Migranten bei über 40 Grad Celsius arbeiten, um die Infrastruktur für die WM zu bauen. 

Ob Sie die WM verfolgen oder nicht, hier präsentieren wir Ihnen einige Hintergrundinformationen über das Emirat am Persischen Golf.

1

Ein kleines, reiches Land
Link kopieren

Wirtschaftlich gesehen ist Katar mit Luxemburg vergleichbar. Das Land ist mit 11.571 Quadratmetern relativ klein, aber immerhin viermal so groß wie das Großherzogtum. In Sachen Reichtum spielen beide Länder in der obersten Liga. Im Jahr 2021 betrug das Bruttoinlandsprodukt des Emirats laut Zahlen der Weltbank 179,6 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zu seiner Einwohnerzahl und seiner Kaufkraft gehört Katar damit zu den fünf reichsten Ländern.


2

Wirtschaft stark von Migranten abhängig
Link kopieren

Neben dem Finanzsektor ist die prinzipielle Ressource des Großherzogtums die Einwanderung. Von den 645.000 Einwohnern sind 47 Prozent keine Luxemburger. In Katar ist das Phänomen noch auffälliger. Von den fast drei Millionen Einwohnern sind 89 Prozent Ausländer. 

Insgesamt hat sich die Bevölkerung des Emirats durch den Zustrom von Ausländern in den vergangenen 20 Jahren verfünffacht. Sie kommen hauptsächlich aus Indien, Pakistan, Nepal, den Philippinen, Bangladesch und afrikanischen Ländern. (Meist schlecht bezahlte) Jobs gibt es für sie alle: Die Arbeitslosenquote in Katar liegt bei nur 0,3 Prozent.

3

Ausländer auf den Baustellen
Link kopieren

Die meisten Einwanderer aus Asien und Subsahara-Afrika gelten als unqualifiziert und werden bei ihrer Ankunft in Katar als Bauarbeiter eingesetzt. Von den 2,6 Millionen Ausländern arbeiten mehr als ein Drittel in diesem Bereich. Bei den Einheimischen sind es weniger als zwei Prozent.

Eine Realität, die aufgrund der „Kafala“ in der katarischen Kultur verankert ist. Dabei handelt es sich um ein System, bei dem ein Katarer die Patenschaft für Einwanderer übernimmt. Die Ausländer erhalten ein Dach über dem Kopf und einen Arbeitsplatz, müssen sich aber den Entscheidungen ihres Bürgen unterordnen. Es ist unmöglich, ohne Genehmigung die Arbeitsstelle oder den Wohnort zu wechseln oder gar in ihr Herkunftsland zurückzukehren.

Ein Bericht des Menschenrechtsrats aus dem Jahr 2020 äußerte sich besorgt über dieses „de facto Kastensystem, das auf der nationalen Herkunft beruht und zu einer strukturellen Diskriminierung von Nichtstaatsbürgern führt“. Erst durch die mediale Aufmerksamkeit im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft wurden diese Praktiken einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Katar, das dafür sehr kritisiert wurde, beschloss 2020, die „Kafala“ abzuschaffen. Dies ist eine Premiere in der Region: In Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist dieses ausbeuterische System noch verbreitet. Die Abschaffung wird jedoch noch nicht gut befolgt.

4

Unverhältnismäßig hohe Umweltbelastung
Link kopieren

Die Organisation einer Weltmeisterschaft in der Wüste wurde vielfach kritisiert. Tatsächlich ist die geschätzte Bilanz von 3.631.034 Tonnen CO₂ die höchste, die je gemessen wurde. Dies entspricht in etwa der Menge, die Island (300.000 Einwohner) im gesamten Jahr 2021 emittiert hat.

Abgesehen von der WM ist Katar selbst ein großer Umweltverschmutzer. Fast 96 Millionen Tonnen CO₂ wurden im Jahr 2021 emittiert. Damit stößt das Emirat genauso viel aus wie Belgien, ein Land mit rund 11.600.000 Einwohnern, also fast viermal so viel.

Diese schlechte Bilanz ist auf die Dominanz des Ölsektors, aber auch auf den Flugverkehr zurückzuführen. Die Eisenbahninfrastruktur zu den Nachbarländern ist noch nicht optimal ausgebaut.

5

Diplomatie mittels Sport
Link kopieren

Ende Oktober protestierte der Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani gegen eine „Kampagne“ zur Verunglimpfung seines Landes. Seiner Meinung nach könne es der Westen nicht ertragen, dass ein Staat im Nahen Osten die Weltmeisterschaft organisiert. Man muss dazu sagen, dass diese Länder lange Zeit von Sportveranstaltungen dieser Größenordnung ausgeschlossen waren.

Für sie haben diese Veranstaltungen eine große Bedeutung. Sie sind das Mittel, um sich auf der internationalen Bühne über ihre Ölmacht hinaus zu profilieren. In diesem Bereich erscheint Katar als führend in der Region. So war es beispielsweise Gastgeber der Asienspiele 2006, des Asien-Pokals der Nationen 2011 und der Radsportweltmeisterschaft 2016. Aber das Land hat auch häufig im Ausland investiert. Vor kurzem beteiligte sich das Emirat für 18,5 Millionen Euro an der portugiesischen Fußballmannschaft SC Braga.

Saudi-Arabien erhielt seinerseits den Zuschlag für die Ausrichtung der Asiatischen Winterspiele 2029. Die Vereinigten Arabischen Emirate wiederum kauften den englischen Club Manchester City. In der Region ist diese Strategie der Einflussnahme durch den Sport somit zu einem echten Wettbewerb geworden. Deswegen ist es für Katar so wichtig, dass die Weltmeisterschaft zu einem Erfolg wird.  

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die WM in Katar findet nach dem Urteil von Menschenrechtsorganisationen auf dem „Rücken Zehntausender ausgebeuteter Arbeitsmigranten“ statt.
DOHA, QATAR - DECEMBER 30:  Construction workers on Khalifa International Stadium ahead of the 2022 FIFA World Cup Qatar on December 30, 2015 in Doha, Qatar.  (Photo by Warren Little/Getty Images)
Man stelle sich vor, es ist Fußball-WM und keiner geht hin oder schaut zu. Im Vorfeld des Turniers werden die Proteste in den sozialen Netzwerken immer lauter und wütender. Topstars sagen unter dem Vorwand von Verletzungen ab.