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Frauenfußball: Der Favoritenschreck will endlich Titel
Sport 4 Min. 09.03.2021 Aus unserem online-Archiv

Frauenfußball: Der Favoritenschreck will endlich Titel

Für Sara Borges (r., hier gegen Mamers Anne-Lyse Dick), ist die Entente Itzig/Cebra eine Herzensangelegenheit.

Frauenfußball: Der Favoritenschreck will endlich Titel

Für Sara Borges (r., hier gegen Mamers Anne-Lyse Dick), ist die Entente Itzig/Cebra eine Herzensangelegenheit.
Foto: Stéphane Guillaume
Sport 4 Min. 09.03.2021 Aus unserem online-Archiv

Frauenfußball: Der Favoritenschreck will endlich Titel

Andrea WIMMER
Andrea WIMMER
Die Fußballfrauen der Entente Itzig/Cebra gelten als unangenehme Gegnerinnen, doch die Pokale holen andere Teams. Das soll sich ändern.

Sara Borges und ihre langjährigen Mitspielerinnen engagieren sich nicht nur auf dem Platz. Für die Kapitänin der Entente Itzig/Cebra und viele ihrer Kolleginnen ist die Fußballmannschaft eine Herzensangelegenheit. Da gehört es dazu, auch selbst um neue Spielerinnen zu werben und sich um den Fortbestand des Teams zu kümmern. Das ist nicht immer leicht. „Denn wir haben nicht die Möglichkeit, wie andere Clubs in viele Spielerinnen aus dem Ausland zu investieren“, erklärt Borges.


Soria Sassel et Jill de Bruyn, SC El / Foto: Stéphane Guillaume
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Die Mittelfeldspielerin ist ein bisschen stolz darauf, wie weit es ihre Mannschaft trotz der bescheidenen finanziellen Mittel gebracht hat. „Wir haben schon oft gute Tabellenplatzierungen geschafft, weil wir Spielerinnen haben, die dem Verein seit Jahren treu sind und ihn einfach gern haben“, so die 32-Jährige. Ein anderer Grund ist der, dass es sich eigentlich um zwei Vereine handelt. Der Zusammenschluss zur Spielgemeinschaft hat den Fußballerinnen viel geholfen.

Die Entente zwischen Itzig und Cebra existiert seit der Saison 2016/17, anfangs war noch Canach mit dabei. Borges kommt mit einigen anderen vom FC Cebra. Auf Itziger Seite gibt es ebenfalls eine Reihe von Routiniers wie Lisa Noesen, die genauso engagiert schon lange im Einsatz sind. Mittlerweile fühlt es sich für die Frauen wie ein Club an. Der Teamgeist ist groß, so die Kapitänin.

Böse Überraschung

Gemeinsam haben sie sich in der Verfolgergruppe etabliert. In der Vorsaison war die Mannschaft Vierter in der Endabrechnung, im vorderen Mittelfeld war sie schon öfter. Die Entente Itzig/Cebra gilt als unangenehmer Gegner. Gegen Borges und Co. erlebte schon so manches Topteam eine böse Überraschung.

„Ich habe eine tolle Mannschaft mit vielen Qualitäten“, lobt auch Trainer Laurent Erlinger. Und doch könnte der aktuelle Tabellenfünfte seiner Ansicht nach mehr schaffen. Denn einen Titel hat die Mannschaft noch nie gewonnen. „Mit noch mehr Ehrgeiz könnte das Team um die ersten Plätze mitspielen“, findet der Coach, der zuweilen den letzten Biss vermisst: „Wir sind manchmal zu nett.“

Die Entente hat sich mehrmals nachdrücklich für die Rolle des Favoritenschrecks empfohlen, zum Beispiel, als sie dem damals unbestritten besten Team Bettemburg 2018/19 die einzige Niederlage der Hinrunde zufügte und das auch noch auf dem Platz des Gegners.

In der aktuellen Spielzeit erwischte es Junglinster, das gegen die Spielgemeinschaft nicht über ein 1:1 hinauskam. Und am vergangenen Wochenende Mamer, das bislang eine starke Saison spielte und nach einer 1:0-Führung mit dem 1:3 gegen Itzig/Cebra die erste Niederlage einstecken musste.

Die beste Leistung dieser Spielzeit habe seine Mannschaft gegen Mamer gezeigt, so Erlinger. Das war für ihn besonders wichtig, weil seine Spielerinnen ihn gerade eine Woche zuvor bei der 1:2-Niederlage gegen Wintger besonders enttäuscht hatten.

Mit noch mehr Ehrgeiz könnte das Team um die ersten Plätze mitspielen.

Trainer Laurent Erlinger

„Wir haben oft mehr Schwierigkeiten gegen Mannschaften, die vielleicht technisch nicht so stark sind, aber gut verteidigen. Wir haben auch Probleme damit, aggressiver zu spielen und auf die Zähne zu beißen“, meint Borges und gibt dem Trainer recht: „Wir wissen das und probieren es auch im Training. Aber es ist nicht so einfach.“

Erlinger, der die Entente seit der vergangenen Saison betreut, sieht durchaus Fortschritte. Er hat Respekt vor dem Trainingsfleiß und dem Engagement seiner Spielerinnen. Er sieht die großen finanziellen Investitionen bei Clubs wie Racing, während die Akteurinnen bei der Entente komplett ohne Prämien oder sonstige Vergütungen auskommen müssen.

Doch der Franzose wünscht sich eine Siegermentalität, wie sie Mannschaften oft haben, die schon Titel gewonnen haben. „Im Wettkampf muss man immer das Maximum geben“, so Erlinger. In jedem Training müsse man versuchen, besser zu werden.

Die Mannschaft von Coach Laurent Erlinger hat oftmals Schwierigkeiten gegen aggressiv verteidigende Gegnerinnen.
Die Mannschaft von Coach Laurent Erlinger hat oftmals Schwierigkeiten gegen aggressiv verteidigende Gegnerinnen.
Foto: Stéphane Guillaume

Potenzial hat die Entente allemal. Neben den engagierten Routiniers ragen beispielsweise zwei junge Nationalspielerinnen heraus. Die erst 17-jährige Torhüterin Lucie Schlimé, die bereits in die A-Auswahl berufen wurde, sowie die ein Jahr jüngere Amal Cherkane, Torschützin gegen Mamer. Neuzugang Sania Amalou verstärkt die Offensive in dieser Saison. Die Französin wechselte aus Niederkorn zur Spielgemeinschaft, gegen Mamer drehte sie das Spiel mit zwei Treffern.

Ein großes Plus der Mannschaft ist die Fitness. Coach Erlinger ist auch Spezialist für Athletiktraining. Unter seiner Anleitung kamen die Fußballerinnen in physisch guter Form durch die coronabedingten Pausen. Er lobt die Disziplin der Akteurinnen. Die Mannschaft sieht die Vorteile selbst. „Wenn man nicht fit ist, kann man technisch so gut sein, wie man will. Es reicht dann einfach nicht“, so Borges.

Günstiger Kalender

Ob es irgendwann einmal für einen Titel reicht, steht in den Sternen. Am Anfang der aktuellen Saison stand die Entente eine Weile ganz oben in der Tabelle, aber das war auch dem günstigen Kalender geschuldet. Bessere Chancen als in der Liga sehen die Spielerinnen normalerweise im Pokalwettbewerb. Der FC Cebra war beispielsweise 2006 und 2007 ins Finale der Coupe des Dames eingezogen, Itzig (damals als Entente mit Racing) war 2008 im Endspiel.


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Geholt hat die Trophäe jeweils Gegner Mamer. „Wir waren auch oft im Viertel- oder Halbfinale und haben daher im Pokal immer größere Hoffnungen als in der Meisterschaft“, sagt Borges. Wegen Corona finden in dieser Saison keine Pokalspiele mehr statt. Die Mannschaft will trotzdem weiter gute Leistungen zeigen, vielleicht mit noch mehr Biss.

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