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Europaspiele 2019 in Minsk: Hoffmann: "Weißrussland ist nicht Nordkorea"
Sport 2 Min. 21.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Europaspiele 2019 in Minsk: Hoffmann: "Weißrussland ist nicht Nordkorea"

André Hoffmann stimmte nicht gegen Weißrussland.

Europaspiele 2019 in Minsk: Hoffmann: "Weißrussland ist nicht Nordkorea"

André Hoffmann stimmte nicht gegen Weißrussland.
Foto: Guy Jallay/LW-Archiv
Sport 2 Min. 21.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Europaspiele 2019 in Minsk: Hoffmann: "Weißrussland ist nicht Nordkorea"

Bob HEMMEN
Bob HEMMEN
Die Europaspiele 2019 finden in Minsk statt. Anders als viele andere Nationalen Komitees hat der COSL kein Problem mit der Vergabe. Präsident André Hoffmann äußert klare Worte.

(bob/dpa) - Nach Baku nun Minsk: Die Europaspiele finden auch in zweiter Auflage in einem Land statt, in dem Menschenrechte wenig wert sind. Vier Jahre nach der Premiere in Aserbaidschan macht das umstrittene kontinentale Sportfest 2019 in der Hauptstadt Weißrusslands Station – der Staat des De-facto-Diktators Alexander Lukashenko ist der einzige in Europa, der die Todesstrafe noch vollstreckt. „Das ist eine historische Entscheidung. Weißrussland ist keine Supermacht, aber wir kümmern uns sehr um den Sport“, sagte Lukashenko gestern auf der 45. Generalversammlung der europäischen Olympischen Komitees EOC in Minsk, nachdem die Entscheidung für Belarus, so der offizielle Name, gefallen war. Nicht einstimmig, so berichtete das Branchenportal „insidethegames“. Dänemark und Norwegen hätten gegen Minsk gestimmt, fünf weitere Länder sich enthalten, 43 Länder dafür votiert.

Das Nationale Olympische Komitee (COSL) um Präsident André Hoffmann, stimmte dagegen für die Vergabe: „Weißrussland ist nicht Nordkorea. Viele Länder, die sich enthalten haben, taten dies, weil noch kein genauer Zeitraum feststeht, bzw. es noch viele organisatorische Probleme zu lösen gilt.“ „Ich bin überzeugt, dass Weißrussland exzellente Europaspiele veranstalten wird“, sagte der kommissarische EOC-Präsident Janez Kocijancic. Der Slowene vertritt derzeit den Iren Patrick Hickey, der wegen Handels mit Olympia-Tickets während der Sommerspiele in Rio de Janeiro verhaftet worden war. Lukashenko, seit 1994 Staatspräsident Weißrusslands und im Ausland oftmals als „Europas letzter Diktator“ bezeichnet, kam in seiner Rede nicht ohne zweifelhaftes Vokabular aus. „Ich möchte, dass unsere europäische Organisation so gut wie jene auf anderen Kontinenten ist, einschließlich des Internationalen Olympischen Komitees. In dieser Hinsicht bin ich ein Nationalist und ein Patriot, und deshalb können Sie auf Weißrussland zählen“, sagte der 62-Jährige, der gleichzeitig Präsident des weißrussischen Olympischen Komitees NOCRB ist.

Unterstützung von Lukashenko

COSL-Präsident Hoffmann hält es für enorm wichtig, dass der Staat die Europaspiele unterstützt. „Bei der Vergabe der Olympischen Spiele hat man bereits gesehen, dass viele Städte nicht den Rückhalt der Bevölkerung haben. Aufgrund der enormen Kosten ist es wichtig, dass der Staat den Organisatoren hilft.“

Unterstützung hatte Lukashenko auch dem nicht minder umstrittenen Hickey angeboten. Der 71-Jährige soll Olympia-Eintrittskarten aus dem Kontingent des irischen NOK zu überteuerten Preisen an die Ticket- und Hospitality-Firma THG weitergegeben und sich damit bereichert haben, er muss sich in Brasilien vor Gericht verantworten. „Die Vorwürfe sind frei erfunden“, sagte Lukashenko.

Menschenrechtler weisen indes darauf hin, dass Weißrussland viel drängendere Probleme habe. Neben der Verhängung und Vollstreckung der Todesstrafe ist es auch mit der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit im Land nicht weit her, laut Amnesty International werden politische Gegner wie Aktivisten vieler Couleurs oder auch Homosexuelle verfolgt. Kein guter Boden, um die schon bei der Erstauflage kritisierten Europaspiele salonfähig zu machen. Hoffmann kontert dieser Kritik: „Wenn die Fußball-Nationalmannschaft in Weißrussland antritt, beschwert sich auch niemand. Dort wird es einfach akzeptiert.“

Russland lange Favorit

Ursprünglich hätten die zweiten European Games in den Niederlanden stattfinden sollen, welche die Ausrichterrolle aber kurz nach dem Zuschlag zurückgaben. Als Favorit galt danach lange Russland mit den Städten Kasan und Sotschi. Nach den Enthüllungen über staatlich gesteuertes Doping hatte das IOC erklärt, die Wettbewerbe von Europaspielen in Russland nicht zu unterstützen. Allerdings ist breit gefächertes Doping in Weißrussland auch keine Unbekannte.


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