Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Italien triumphiert im Elfmeterschießen
Sport 4 Min. 12.07.2021
EM-Finale

Italien triumphiert im Elfmeterschießen

Gianluigi Donnarumma wird zum italienischen Helden im Elfmeterschießen.
EM-Finale

Italien triumphiert im Elfmeterschießen

Gianluigi Donnarumma wird zum italienischen Helden im Elfmeterschießen.
Foto: AFP
Sport 4 Min. 12.07.2021
EM-Finale

Italien triumphiert im Elfmeterschießen

Das EM-Finale war an Spannung kaum zu überbieten. Italien hatte im Elfmeterschießen gegen England die besseren Nerven.

(dpa) - Italien hat sein mitreißendes Turnier mit dem zweiten EM-Triumph nach 1968 gekrönt und die Hoffnungen von Gastgeber England auf den ersten Titel seit 55 Jahren zerstört. Vor der spektakulären Wembley-Atmosphäre von 67 173 Zuschauern setzte sich die Mannschaft von Trainer Roberto Mancini am Sonntag in einem intensiven und hochspannenden Endspiel mit 3:2 im Elfmeterschießen durch. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden.

Die Azzurri steckten den Schock des frühen Rückstandes durch Luke Shaw (2.' ) weg und glichen zunächst durch Leonardo Bonucci aus (67.'). Im Elfmeterschießen vergaben dann die Engländer Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka.

Italien blieb damit auch im 34. Spiel in Serie ungeschlagen und belohnte sich drei Jahre nach der verpassten WM 2018 für ein starkes Turnier. Die Three Lions dagegen müssen weiter auf ihren ersten Titel seit dem WM-Erfolg 1966 warten.

Nächster persönlicher Rückschlag für Southgate

Auch die frühe Führung und eine starke Leistung reichten dem Team von Trainer Gareth Southgate nicht zur Erlösung. Für den Coach war es nach der erfolglosen Heim-EM 1996 zugleich der nächste persönliche Wembley-Rückschlag: Vor 25 Jahren hatte Southgate im alten Londoner Stadion im EM-Halbfinale als Einziger seinen Elfmeter gegen Deutschland verschossen und den Titeltraum der Engländer beendet.

Wie emotional aufgeladen die Stimmung war, demonstrierten schon die Szenen Stunden vor dem ersten Pfiff des niederländischen Schiedsrichters Björn Kuipers. Die meisten Fans feierten friedlich, aber nicht wenige benahmen sich auch daneben und versuchten, ohne Tickets in das Stadion zu gelangen. In der Innenstadt herrschte teilweise Ausnahmezustand, es kam auch zu Schlägereien und Gewalt. Die Lage im Stadion schien aber weitgehend unter Kontrolle, pünktlich um 21 Uhr begann der finale Akt der EM. Dass kurz vor Ende der regulären Spielzeit ein Flitzer auf den Platz gelangte, geht nur als Fußnote in die Geschichte dieses denkwürdigen Fußball-Abends ein.

Luke Shaw hatte England in Führung gebracht.
Luke Shaw hatte England in Führung gebracht.
Foto: AFP

Southgate begann etwas überraschend mit einer Dreierkette - wie bis dato nur beim 2:0-Erfolg im Achtelfinale gegen Deutschland. Und seine Elf begann furios. Keine zwei Minuten waren gespielt, ein kleiner nervöser Wackler von Harry Maguire vergessen, als Shaw den bislang besten Konter der Three Lions im ganzen Turnier veredelte. Über Kapitän Harry Kane landete der Ball beim einen Außenverteidiger Kieran Trippier, dessen Flanke der andere Außenverteidiger Shaw per sehenswertem Dropkick verwertete.

Italien scheint beeindruckt von der Kulisse

Southgate ballte kurz die Finger zur Faust und klatschte anerkennend, vergrub dann aber wieder sofort beide Hände mit stoischem Gesichtsausdruck in den Hosentaschen. Sein Kollege Mancini, der der gleichen Startelf wie beim 4:2-Sieg im Elfmeterschießen im Halbfinale gegen Spanien vertraute, versuchte mit Lorenzo Insigne zu diskutieren. Doch der Angreifer signalisierte, dass er gar nichts hören könne. Überhaupt schienen die Italiener anfangs beeindruckt und eingeschüchtert von der imposanten Kulisse im Fußball-Tempel.

„Macht sie blau“, hatte die „Gazzetta dello Sport“ gefordert. Der verletzte Leonardo Spinazzola war auf Krücken nach London gereist und hatte einen von „La Stampa“ veröffentlichten emotionalen Brief an seine Teamkollegen geschrieben. Doch diese taten sich schwer und fanden kaum ein Mittel gegen die ganz in weiß gekleideten Engländer.

Vor allem Southgates Systemumstellung erwies sich zunächst als genialer Kniff. Die Vorstöße von Shaw und Trippier über außen bekamen die Azzurri nicht unterbunden, weil deren Offensivkräfte Insigne und Federico Chiesa meistens vorne blieben. Allzu viel gelang ihnen dort nicht - bis zur 35.'. Chiesa probierte es aus der Distanz, sein Schuss auf dem regennassen Rasen ging aber knapp am Pfosten vorbei.

Italienische Reaktion

An Ciro Immobile hingegen lief das Geschehen bis zu seiner Auswechslung in der 55. Minute weitgehend vorbei. Marco Verrattis Schuss in der Nachspielzeit der ersten Hälfte stellte Englands Torwart Jordan Pickford vor keinerlei Probleme.


Etliche Fans feiern in London ohne Abstand und Masken
Stunden vor dem Finale der Fußball-Europameisterschaft zwischen England und Italien haben Hunderte Fans vor dem Wembley-Stadion gefeiert.

„Sie sind bereit. Wir freuen uns auf die Herausforderung“, hatte Southgate vor der Partie der BBC gesagt. Und bereit waren seine Spieler auch sofort nach Wiederanpfiff. „God save the Queen“ sangen die völlig euphorisierten Fans. Raheem Sterling suchte einen Elfmeter, der ihm aber - im Gegensatz zum heftig diskutierten Strafstoß im Halbfinale gegen Dänemark - korrekterweise verwehrt blieb (48.'). Die Stimmung auf den Rängen konnte diese Szene nicht trüben. Voller Pathos und Leidenschaft trieben die Fans ihre Elf an, die sich auch über Unterstützung aus Königshaus und Politik freute.

Zwei bärenstarke Innenverteidiger: Giorgio Chiellini (l.) und Leonardo Bonucci werden mit der EM-Trophäe belohnt.
Zwei bärenstarke Innenverteidiger: Giorgio Chiellini (l.) und Leonardo Bonucci werden mit der EM-Trophäe belohnt.
Foto: dpa

Mit jeder Minute dieses stimmungsvollen Abends rückte die Heldentat näher, ehe sich die Italiener ihr entgegenstemmten. Nach dem Wiederanpfiff stellte Mancini die Offensive um und wurde dafür belohnt. Die Partie blieb temporeich, rasant und voller packender Szenen. Insignes Freistoß ging drüber (51.), Chiesa scheiterte an Pickford (62.). Dann aber schlug der große Moment von Abwehr-Routinier Bonucci. Verrattis Kopfball parierte Pickford noch reaktionsschnell, ehe der 34-Jährige zum verdienten 1:1 abstaubte.

Er ist damit der älteste Spieler, der je in einem EM-Finale getroffen hat. Auch im Elfmeterschießen traf er und Italien siegte schließlich.


Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Wer wird Europameister?
Italien und England spielen an diesem Sonntag vor 60.000 Zuschauern um den Titel. Die Sympathien im Wembley-Stadion sind klar verteilt - die Italiener dürfte das aber kaum stören.
Englische Fahnen schmücken das Gelände und die Gebäude von Towfield Court vor dem Finale.
In einem kampfbetonten WM-Viertelfinale setzt sich England gegen das Überraschungsteam aus Schweden durch. Die Mannschaft von der Insel trifft zwei Mal per Kopf.
England's defender Harry Maguire (R) celebrates with England's defender John Stones after scoring the opener during the Russia 2018 World Cup quarter-final football match between Sweden and England at the Samara Arena in Samara on July 7, 2018. / AFP PHOTO / Fabrice COFFRINI / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - NO MOBILE PUSH ALERTS/DOWNLOADS
Zahlen, Zahlen, Zahlen: Wir haben Fakten zur WM gesammelt, mit denen man beim gemeinsamen Fußballschauen glänzen kann. Dazu ein Rückblick auf alle Weltmeisterteams seit 1930.
Eines der wichtigeren Tore bei einer WM-Endrunde: Mario Götze trifft gegen Argentinien zum Finalgewinn 2014. Insgesamt fielen bisher 2379 WM-Tore.