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Ein allgemein positives Fazit
Sport 5 Min. 16.08.2016 Aus unserem online-Archiv
Olympia-Bilanz des COSL

Ein allgemein positives Fazit

Heinz Thews: "Wir haben gute Leistungen unserer Athleten gesehen."
Olympia-Bilanz des COSL

Ein allgemein positives Fazit

Heinz Thews: "Wir haben gute Leistungen unserer Athleten gesehen."
Foto: Chris Karaba
Sport 5 Min. 16.08.2016 Aus unserem online-Archiv
Olympia-Bilanz des COSL

Ein allgemein positives Fazit

Bob HEMMEN
Bob HEMMEN
Nachdem fast alle Luxemburger Sportler in Rio bereits im Einsatz waren, zog das Nationale Olympische Komitee am Dienstag ein Fazit. Neben viel Lob für die Athleten blickten die Verantwortlichen auch in die Zukunft.

Von Kevin Zender (Rio)

Am Dienstagabend hatte das Nationale Olympische Komitee COSL zu einer Pressekonferenz in das "Luxembourg Hospitality House" in Rio geladen. Der Präsident des NOKs, André Hoffmann und Missionschef Heinz Thews zogen eine erste Bilanz der Olympischen Spiele.

Hoffmann lobte die zehn Sportler, weil sie einen großen Zusammenhalt bewiesen hätten und sich auch außerhalb der Sportstätten fabelhaft verhalten hätten. Das Mieten des "Luxembourg Hospitality House", was ein Novum für Luxemburg bei Olympischen Spielen darstellte, sah Hoffmann als "gelungenen Test". Im Haus waren Partner, Sponsoren und wichtige Helfer untergebracht. "Wir hatten uns vor den Spielen die Preise der Hotelzimmer angesehen und da war das Mieten des Hauses eine gute Lösung", erklärt Hoffmann, der dem Außenministerium auch dankt, dass es sich sowohl an der Miete als auch an den Kosten des Empfangs am vergangenen Donnerstag beteiligte.

Erfreut war Hoffmann, dass die Luxemburger Sportler während der Wettkämpfe so gut unterstützt wurden. "Der Großherzog war mit Leib und Seele dabei. Ich denke, dass es dem Luxemburger Sport sehr viel bringt, dass das Staatsoberhaupt den Sport so unterstützt. Als IOC-Mitglied öffnet uns der Großherzog auch viele Türen, die einer kleinen Nation wie Luxemburg sonst nicht offen stehen würden."

Hoffmann: " Das zeigt uns, dass sich unsere Arbeit lohnt"

Hoffmanns Bilanz fiel äußerst positiv aus: "Die Spiele sind aus Luxemburger Sicht sehr gut verlaufen. Zwar blieben die Topresultate aus, doch vor einigen Jahren hätten wir beispielsweise nicht einmal daran gedacht in verschiedenen Sportarten so lange mitzumischen. Das zeigt uns, dass sich unsere Arbeit lohnt. Wir haben gezeigt, dass mit unseren Mitteln einiges möglich ist."

Der Vorsitzende des NOK geht davon aus, dass sich die letzte Luxemburgerin im Einsatz, Charline Mathias, am Mittwoch teuer verkaufen wird. "Auch wenn wir nach ihrer langen Verletzungspause keine Wunder erwarten dürfen." Zudem fiebert Hoffmann mit Yonas Kinde, der in Luxemburg lebt und am Sonntag für das Flüchtlingsteam am Marathonrennen teilnimmt: "Er kann es in das erste Drittel des Klassements schaffen."

Missionschef Thews ging zunächst auf die Organisation der Spiele ein: "Die Durchführung der Spiele hat sich im Laufe der Zeit nicht verbessert. Es waren die schwierigsten Spiele, die ich miterlebt habe. Dass bei uns alles glatt gelaufen ist, sehe ich als Gesamterfolg für unsere Organisation. Bei anderen Nationen sind Athleten ohne Wettkampfgeräte am Start erschienen oder waren nicht rechtzeitig da. Wir hatten sehr viel Glück mit den Assistenten, die uns zur Verfügung standen und sehr viel geholfen haben.Wir haben uns zudem früh von den Fahrern des Organisationskomitees getrennt und eigene Fahrer, die Englisch sprechen und die Straßen kennen, verpflichtet."

Wir hatten mehrere Optionen, doch jetzt können wir wohl sagen, dass wir die richtige Wahl getroffen haben."

Im Anschluss ging Thews auf die einzelnen Leistungen der Luxemburger Sportler ein. Was die Nominierung Fränk Schlecks für das Straßenrennen angeht, meinte Thews: "Wir hatten mehrere Optionen, doch jetzt können wir wohl sagen, dass wir die richtige Wahl getroffen haben. In einem sehr schwierigen Rennen hat Fränk einen absolut ehrenwerten Platz erreicht. Er hat sich sehr gut verkauft und wir können sehr  zufrieden mit dem 20. Rang sein."

Rückblickend auf das Rennen der Frauen meinte Thews: "Wir hatten damit geliebäugelt, dass Christine ganz vorne mitfahren könnte. Ihr ist es allerdings nicht gelungen, den Sprung in die richtige Gruppe zu erwischen. Aber sie hat um jeden Platz gekämpft und deshalb muss man mit ihrer Leistung zufrieden sein. Chantal Hoffmann hat versucht, zu helfen, wo sie konnte, doch wir wussten alle, dass es für sie schwierig werden würde, das Ziel zu erreichen. Was das Zeitfahren betrifft, so hat sich Christine selbst am meisten darüber geärgert, dass sie nicht weiter vorne gelandet ist."

Thews: "Den Abstand wettmachen"

Anschließend ging Thews auf die fünf Starts im Schwimmen ein: "Nesthäkchen Julie Meynen hat gezeigt, dass sie an die Tür zur erweiterten Weltspitze klopft. Wir haben jedoch gesehen, dass selbst Landesrekorde keine Garantie dafür sind, oben mitzumischen. Raphaël Stacchiotti ist eine hervorragende Zeit über 200 m Lagen geschwommen und Laurent Carnol wäre gerne etwas schneller gewesen, doch bei ihm hat man gesehen, dass der Trainingsverlust von sechs Wochen wegen des Bänderrisses nicht einfach so weggesteckt werden konnte. Als Fazit kann man sagen, dass sich unsere Schwimmer genau wie die Konkurrenz weiterentwickeln. Wir müssen jetzt analysieren, was unseren Schwimmern fehlt, um den Abstand wettzumachen."

Zu den Auftritten von Tischtennisspielerin Ni Xia Lian und Tennisspieler Gilles Muller sagte Thews: "Die Art und Weise wie sie aufgetreten sind, hat uns gefallen. Auch in den Matches, die sie verloren haben, haben sie sich achtbar aus der Affäre gezogen. Bei Gilles war es nicht vermessen, an Metall zu denken. Vor allem, wenn man sieht, wie sich das Turnier entwickelt hat. Er hat hier – im Gegensatz zu London 2012 - komplettes Tennis gezeigt. Hätte er gegen Roberto Bautista Agut gewonnen, hätte man an alles denken können. Ni hat sich gegen die Weltranglistenvierte aus Singapur gut verkauft. Sie war mit sich im Reinen und hat gezeigt, dass es noch reicht, um gegen viele Konkurrentinnen zu gewinnen."

Grethen möglicherweise mit der falschen Taktik

Der Missionschef hätte sich von 800-m-Läufer Charel Grethen vielleicht eine andere Taktik erwartet: "Er hätte sich mit seiner Bestzeit für die nächste Runde qualifiziert. Man muss darüber diskutieren, ob die Taktik optimal war. Da werden wir noch mit Trainer Camille Schmit sprechen."

Thews allgemeines Fazit lautete: "Wir haben gute Leistungen unserer Athleten gesehen und keine Katastrophe in einer Sportart erlebt. Es hätte vielleicht in verschiedenen Sportarten noch besser laufen können. Sich bei Olympia zu verbessern, ist die große Kunst und das ist einigen Athleten gelungen. Die Sportler gehen sehr kritisch mit sich selbst um und stellen sich die Frage, wie sie sich verbessern können. Das bewerten wir als COSL sehr positiv."


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Charel Grethen belegte Platz 38 von 54.