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Duale Karriere: Im Sport und im Beruf gut beraten
Sport 2 Min. 13.02.2017

Duale Karriere: Im Sport und im Beruf gut beraten

Laurent Carnol hat neben seiner Karriere als Leistungssportler auch studiert.

Duale Karriere: Im Sport und im Beruf gut beraten

Laurent Carnol hat neben seiner Karriere als Leistungssportler auch studiert.
Archivfoto: Frank Weyrich
Sport 2 Min. 13.02.2017

Duale Karriere: Im Sport und im Beruf gut beraten

Wenn die Karriere einmal zu Ende ist, stehen viele Leistungssportler ohne Abschluss da. Damit es in Zukunft nicht so weit kommt, gibt es in Luxemburg eine neue Beratungsstelle für duale Karrieren. Bei einer Expertenrunde wurde über diese Thematik informiert und diskutiert.

(pg) - Unter welchen Voraussetzungen sind duale Karrieren, bei denen es darum geht, einerseits den Anforderungen des Leistungssports gerecht zu werden und zum anderen den Studiengang bzw. die Berufsausbildung nicht zu vernachlässigen, möglich? Eine Expertenrunde diskutierte diese Problematik gestern Nachmittag im Amphitheater der Coque.

Die Thematik ist nicht neu und wurde hier zu Lande bereits Ende November 2015 anlässlich eines Symposiums, zu dem das Sportministerium im Rahmen der
Luxemburger EU-Ratspräsidentschaft eingeladen hatte, ausgiebig diskutiert. Seitdem ist im Anschluss an eine Befragung betroffener Sportler eine Studie erstellt worden, zudem wurden erste konkrete Maßnahmen eingeleitet. Das Gesicht der Beratungsstelle in Sachen dualer Karriere ist Laurent Carnol, dreifacher Olympiateilnehmer im Schwimmen und Hochschulabsolvent in Loughborough (GB).

Bei der besagten Tagung war die „dual career“, wie das Konzept im englischen Sprachgebrauch heißt, noch eine Wunschvorstellung. Mittlerweile ist daraus eine Notwendigkeit entstanden, angesichts der verschiedenen Kompetenzen, die auf unterschiedlichen Ebenen erworben werden können, sowie der Vielzahl von beruflichen Karrieren nach dem Leistungssport, die dem materiellen Aufbau einer Existenz dienen.

Fast die Hälfte ohne Abschluss

In Österreich betreut die Initiative „KADA Sport mit Perspektive“ (KADA ist das Kürzel für Karriere danach) seit 2006 Spitzensportler in Sachen Berufsberatung, Wahl einer Universität und Eingliederung in den Beruf. Wolfgang Stockinger, Direktor für die Entwicklung von dualen Karrieren bei KADA, untermauerte mit zwei Zahlen die Notwendigkeit, rechtzeitig die Zeit nach der sportlichen Karriere vorzubereiten. Nur zwei Prozent der Leistungssportler in seinem Land, so Stockinger, seien nach ihrer Laufbahn finanziell versorgt, sei es durch ihre Prämien und ihre Verdienstmöglichkeiten und/oder durch abgeschlossene Sponsorenverträge. 49 Prozent der Befragten hätten zum Zeitpunkt des Karriereendes kein beendetes Studium oder einen Berufsabschluss.

Eine duale Karriere muss professionell geplant sein. Wird der Athlet nicht begleitet, ist er überfordert.

KADA beschäftigt mittlerweile 18 sogenannte Laufbahnberater, im Jahr 2016 nutzten 690 Interessenten die verschiedenen Angebote. Stockinger plädierte eindringlich dafür, die betroffenen Sportler institutionell zu beraten: „Eine duale Karriere muss professionell geplant sein. Wird der Athlet nicht begleitet, ist er überfordert.“

Wolfgang Stockinger ist Direktor für die Entwicklung von dualen Karrieren in Österreich. Er informierte über die Thematik in Luxemburg.
Wolfgang Stockinger ist Direktor für die Entwicklung von dualen Karrieren in Österreich. Er informierte über die Thematik in Luxemburg.
Foto: Guy Jallay

In Luxemburg hat Lis Schirtz im Auftrag des Sportministeriums Interviews mit aktuellen Spitzensportlern und früheren Olympiateilnehmern geführt: „Ziel war es zu eruieren, welches die spezifischen Bedürfnisse der Hochleistungssportler in Luxemburg sind.“ Die Studie belegt, dass viele Betroffene sich der Problematik nicht bewusst sind und dass beispielsweise Entscheidungen, wie die Wahl einer Universität, kurzfristig und ohne professionelle Beratung getroffen werden.

Ein-Mann-Betrieb mit vielen Aufgaben

Mit der Beratungsstelle, die mit Carnol in einer ersten Phase ein Ein-Mann-Betrieb ist, geht man in Luxemburg in die konkrete Phase über, wobei die Anforderungen an diesen unabhängigen Laufbahnberater so vielfältig wie anspruchsvoll sind. Er soll den nach Rat 
Suchenden fachkundig betreuen, bestens vernetzt sein, auf administrative Unterstützung zurückgreifen können, sich in der Psychologie auskennen sowie auf Kontinuität und Langfristigkeit setzen können. Eine Jobbeschreibung, die es wahrlich in sich hat.


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