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Diego Maradona: Trauer um eine Legende
Sport 6 5 Min. 25.11.2020

Diego Maradona: Trauer um eine Legende

Diego Maradona ging als echter Ballkünstler in die Geschichte ein.

Diego Maradona: Trauer um eine Legende

Diego Maradona ging als echter Ballkünstler in die Geschichte ein.
Foto: AFP
Sport 6 5 Min. 25.11.2020

Diego Maradona: Trauer um eine Legende

Auf dem Rasen spielte Diego Maradona seine Gegner schwindelig, neben dem Platz stürzte er sich gerne auch mal ins Delirium. Nun ist die Fußballlegende gestorben.

(dpa) - Die Fußballwelt trauert um Diego Armando Maradona. Der argentinische Nationalheld, dieser geniale Künstler am Ball, dessen Leben so viele, tragische Wendungen nahm, ist am Mittwoch im Alter von nur 60 Jahren gestorben. Weltmeister, Serienmeister, UEFA-Cup-Sieger, Dopingsünder, gescheiterter TV-Moderator und Kokainjunkie in Personalunion - eigentlich viel zu viel für ein einziges Leben. Erst kürzlich hatte der „Goldjunge“ einen Krankenhaus-Aufenthalt überstanden. Argentinien weint.


(FILES) In this file photo taken on March 07, 2020 Argentine former football star Diego Maradona acknowledges spectators during an homage before the start of the Argentina First Division 2020 Superliga Tournament football match Boca Juniors vs Gimnasia La Plata, at La Bombonera stadium, in Buenos Aires. - Argentine football great Diego Maradona was admitted to hospital on November 2, 2020 for medical checks, his personal doctor announced. (Photo by ALEJANDRO PAGNI / AFP)
Diego Maradona ist tot
Die Fußballwelt muss von einer Legende Abschied nehmen: Diego Maradona ist im Alter von 60 Jahren gestorben.

Es gibt unzählige Anekdoten über Maradona: Wie er seine Gegenspieler reihenweise narrte, wie er sogar den Tod gerade noch umdribbelte, wie er mit einem Luftgewehr auf Journalisten schoss oder sogar eine Kirche nach ihm benannt wurde. Als Fußballer war Maradona so unbeschreiblich gut wie vielleicht niemand davor oder danach. Als Mensch war er viele Jahre später mal so dick, dass er kaum sprechen konnte. Diego Armando Maradona: Dieser Name steht für ein Leben zwischen den Extremen, zwischen Himmel und Hölle, zwischen Genie und Wahnsinn.

Ich bin Maradona, kein neuer Irgendwas. Ich will einfach nur Maradona sein.

Diego Maradona

Maradona war am 11. November, gut eine Woche nach der Operation wegen einer Hirnblutung, aus einem Krankenhaus in einem Vorort von Buenos Aires entlassen worden. Beim einstigen Star war zunächst von emotionalem Stress, Blutarmut und Dehydrierung die Rede. Bei den Tests wurde dann eine Blutung zwischen harter Hirnhaut und Gehirn festgestellt.

Am 11. November wurde Diego Maradona nach einer Gehirn-OP aus dem Krankenhaus entlassen.
Am 11. November wurde Diego Maradona nach einer Gehirn-OP aus dem Krankenhaus entlassen.
Foto: AFP

Mit Hund und Taktiktafel

Maradona habe den möglicherweise schwierigsten Moment seines Lebens überstanden, sagte sein Anwalt Matias Morla da. Der frühere „Pibe de Oro“ (Goldjunge) sei gewillt, sich wegen persönlicher Probleme zu rehabilitieren: „Es wird Maradona noch eine Weile geben.“

Im September 2019 übernahm Maradona den Trainerposten beim Erstligisten Gimnasia y Esgrima La Plata. Auf Instagram zeigte er sich mit einem kleinen Hund auf dem Arm, mit einer Taktiktafel im Garten oder mit einer einem Astronautenhelm ähnelnden Spezialmaske zum Schutz vor dem Corona-Virus auf dem Kopf. 

Auf den Fotos sieht Maradona meist schlank und gesund aus, einmal trug er sogar eine modische Brille. Die Botschaft war: Es geht ihm gut.

Maradona ist für so viele Menschen ein Mythos geblieben. Die Legende beginnt in der Siedlung Villa Fiorito am Rande von Buenos Aires, wo er früh vom Erstligisten Argentinos Juniors entdeckt wird. Als zwölf Jahre alter Balljunge soll er den Zuschauern mit seinen Kabinettstückchen während der Halbzeitpausen schon mehr Unterhaltung als die erste Mannschaft geboten haben. Im Alter von 15 Jahren gibt er sein Debüt in der ersten Liga, mit 16 ist er Nationalspieler, mit 17 Torschützenkönig und als 19-Jähriger erstmals Südamerikas Fußballer des Jahres.

Verwandlung in Neapel

Ob er der neue Pelé ist, wollen argentinische Reporter damals von ihm wissen. „Ich bin Maradona, kein neuer Irgendwas. Ich will einfach nur Maradona sein“, antwortet der junge Diegito. Und das ist ihm ohne Zweifel gelungen: Denn sein Lebensweg ist unvergleichlich. 

Am Anfang geht noch vieles gut. 1982 wechselt Maradona für eine Rekordablösesumme zum FC Barcelona, zum Halbgott steigt er aber erst zwei Jahre später auf. Für eine weitere Rekordablöse geht es weiter zum SSC Neapel, also nicht zu den großen Clubs im Norden Italiens, sondern zum verspotteten Fast-Absteiger in den verachteten Süden. „Kloake Italiens“, tönen Juve- oder Milan-Fans beim direkten Duell.  

Eine Line - und ich fühlte mich wie Superman.

Diego Maradona

Hier beginnt die Verwandlung. Maradona steigt höher und höher, 1987 und 1990 führt er Neapel zu den bis heute einzigen Meisterschaften der Vereinsgeschichte. Schon bei seiner Begrüßung hatten mehr als 70.000 Fans ihn im Stadio San Paolo empfangen, später lungern die Menschen immer wieder vor seiner Haustür herum. 

Einmal soll eine Krankenschwester eine Blutprobe von ihm gestohlen und in die Kirche gebracht haben. Die Neapolitaner verehren ihn wie einen Heiligen. Maradona kommt mit dem Hype klar, solange er Fußball spielt, auf dem Rasen wird er besser und besser.

Diego Maradona (oben) wird im WM-Finale 1986 vom Deutschen Lothar Matthäus getackelt.
Diego Maradona (oben) wird im WM-Finale 1986 vom Deutschen Lothar Matthäus getackelt.
Foto: AFP

Unkontrollierbar

„Auf dem Platz wird das Leben unwichtig. Die Probleme, all das wird unwichtig“, sagt er in der Amazon-Dokumentation „Diego Maradona“. Mit Argentinien wird er 1986 Weltmeister, 1989 gewinnt er mit Neapel auch noch den UEFA-Pokal. Abseits des Platzes wird er genauso unkontrollierbar wie für seine Gegenspieler. 

Er verfällt dem Kokain („Eine Line - und ich fühlte mich wie Superman“), zieht zum Teil von Sonntagabend bis Mittwoch um die Häuser, um danach bis zum nächsten Spiel am Wochenende wieder alles auszuschwitzen. Seine Nationalmannschaftskarriere endet bei der WM 1994 wegen einer zweiten, monatelangen Dopingsperre durch die FIFA.

Er lebt jeden Moment, als wäre es sein letzter.

Fitnesstrainer Fernando Signorini über Diego Maradona

Das extreme Pendeln zwischen himmelhoch jauchzendem Übermut und verzweifelter Niedergeschlagenheit ist auch vielen seiner Landsleute nicht fremd. Der Rummel um Maradona nahm bisweilen groteske Ausmaße an. So gab es ein Maradona-Museum, ein Maradona-Musical und sogar eine Maradona-Kirche, in der das „Diego Unser“ gebetet wurde. 

Nach seiner Fußballkarriere suchte Maradona auch immer wieder die Nähe zu den linken Caudillos Lateinamerikas. Gerne zeigte er sich an der Seite von Fidel Castro, Hugo Chavez oder Nicolas Maduro.

Diego Maradona (l.) traf sich öfter mit umstrittenen Persönlichkeiten, wie 2011 mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez (r.) und dem kubanischen Staatschef Fidel Castro.
Diego Maradona (l.) traf sich öfter mit umstrittenen Persönlichkeiten, wie 2011 mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez (r.) und dem kubanischen Staatschef Fidel Castro.
Foto: dpa

Mehrmals gescheitert

„Diego hatte ein Leben wie ein Traum. Und wie ein Alptraum“, sagte sein langjähriger Fitnesstrainer Fernando Signorini. Unvergessen sind die Hand Gottes, mit der er bei der WM 1986 gegen England getroffen hatte, oder sein Jahrhunderttor nach einem unfassbaren Dribbling im selben Spiel. Unvergessen sind aber auch die Jahre später erschienenen Bilder vom kugelrunden Maradona mit schrillblonden Haaren. 


(FILES) In this file picture taken on December 6, 2008 Argentina's national team coach and former football star Diego Armando Maradona gestures as he attends a felicitation programme at Salt Lake Stadium in Kolkata, India. - Argentine football legend Diego Maradona turns 60 on October 30, 2020. (Photo by Deshakalyan CHOWDHURY / AFP)
Diego Maradona: Die "Hand Gottes" wird 60
Nicht nur die Argentinier himmeln Diego Maradona als Fußballgott an. Obwohl er auch die Schattenseiten des Lebens förmlich suchte. Am Freitag wird er 60 Jahre alt.

Er scheiterte als TV-Moderator und argentinischer Nationalcoach, verbrachte Wochen in Krankenhäusern, ließ sich den Magen verkleinern und schrammte mehrmals knapp am Tod vorbei.

„Ich glaube, er hält sich für einen Gott, und das könnte einer der Gründe für seine Probleme sein“, sagte vor vielen Jahren mal der Leiter der Klinik Güemes in Buenos Aires, Hector Pezzella, wo Maradona 2007 in Behandlung war.

Der Ausnahmespieler hat sich nie geschont, weder auf noch neben dem Platz. „Er lebt jeden Moment, als wäre es sein letzter“, sagte sein Fitnesstrainer Signorini einmal. „Wenn Diego einmal nicht mehr da ist, wird er noch mehr geliebt werden.“         

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