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CAS spricht Ullrich wegen Dopings schuldig
Sport 3 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

CAS spricht Ullrich wegen Dopings schuldig

Jan Ullrich hat stets bestritten, gedopt zu haben.

CAS spricht Ullrich wegen Dopings schuldig

Jan Ullrich hat stets bestritten, gedopt zu haben.
Foto: dpa
Sport 3 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

CAS spricht Ullrich wegen Dopings schuldig

Der CAS hat Jan Ullrich wegen Dopings schuldig gesprochen. Seinen dritten Platz bei der Tour 2005 ist der Deutsche damit los. Viel spannender als das CAS-Urteil ist aber die von allen erwartete Erklärung Ullrichs nach der Zweijahressperre.

(dpa) - Fünf Jahre nach seinem Rücktritt ist Jan Ullrichs Akte als Profiradsportler mit einer Doping-Verurteilung und einer geringen Geldstrafe geschlossen worden. Der Internationale Sportgerichtshof CAS demonstrierte Kompromisslosigkeit und sperrte den einzigen deutschen Tour-de-France-Gewinner am Donnerstag rückwirkend vom 22. August 2011 an für zwei Jahre für alle Aktivitäten im Profiradsport. Zudem annullierte das Gericht alle Ergebnisse Ullrichs seit dem 1. Mai 2005 - darunter Rang drei bei der Tour de France 2005, Rang zwei im selben Jahr bei der Deutschland-Tour und den Gesamtsieg bei der Tour de Suisse 2006.

Außerdem muss Ullrich an den Gewinner des Verfahrens, den Weltverband UCI, 10 000 Schweizer Franken an Prozesskosten bezahlen. Das kann er wahrscheinlich mit einem Griff in die Portokasse erledigen - nach Schätzungen verdiente der Deutsche während seiner schillernden Karriere mindestens 50 Millionen Euro. Ullrichs seit Monaten angekündigte Erklärung in eigener Sache ist überfällig.

„Es ist bedauerlich, dass Jan Ullrich nicht vorher die Chance ergriffen hat, von sich aus Klarheit zu schaffen“, erklärte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, und forderte wie viele andere ein Geständnis: „Wir hoffen auch in seinem eigenen Interesse, dass er zumindest jetzt einsichtig ist und sich entsprechend erklärt.“

Der CAS begründete das Urteil mit den erwiesenen Verstrickungen Ullrichs in die Affäre um den mutmaßlichen spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes - die schon die Staatsanwaltschaft Bonn 2007 offengelegt hatte. Nach Ansicht der Kammer war Ullrich, der Doping bislang stets bestritten hat, spätestens vom 1. Mai 2005 an Kunde von Fuentes. Er habe sich des Blutdopings schuldig gemacht. Dies hätten Dokumente belegt.

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80 000 Euro an Fuentes überwiesen

Unter anderem habe Ullrich mehr als 80 000 Euro an den Mediziner bezahlt, mit dem er nach UCI-Ansicht wahrscheinlich schon vor 2004 zusammengearbeitet hätte, wie es in der 24-seitigen Begründung des Urteils hieß. Sein ehemaliger, langjähriger Begleiter Rudy Pevenage, der die Verbindungen zu Fuentes hergestellt haben soll, wollte sich dazu auf dpa-Anfrage nicht äußern.

Der Weltverband UCI hatte in der CAS-Anhörung zum Fall am 22. August 2011 eine lebenslange Sperre gefordert. Weil Ullrich aber nicht als Wiederholungstäter anzusehen ist - sein Ecstasy-Befund von 2002 ist in diesem Zusammenhang nicht relevant - beschränkte sich das Gericht auf eine Zweijahressperre. Der CAS zeigte sich überrascht, dass sich Ullrich in der Sache nicht gegen die Vorwürfe und Beweise wehrte. Die Dauer des Verfahrens habe auch damit zusammengehangen.

Anders als Alberto Contador, der Anfang der Woche ebenfalls für zwei Jahre gesperrt wurde, fühlt sich Ullrich durch das Urteil vermutlich nicht ins Unglück gestürzt. Im Gegenteil: Der 38-Jährige wertete die Entscheidung im Vorfeld als überfällige Gelegenheit, einen Schlussstrich unter seine wechselvolle Profikarriere zu ziehen. Spätestens bis Freitag wollte sich Ullrich zum CAS-Verdikt äußern. „Die Anwälte prüfen das Urteil“, sagte sein Manager Falk Nier.

Nun ist "Ulle" gefordert

An seiner persönlichen Vergangenheitsbewältigung konnte Ullrich mit Hilfe seiner Berater lange feilen - das Urteil war ähnlich wie im Fall Contador immer wieder verschoben worden. Der altgediente Radprofi Jens Voigt vermutete, „die Sperre wird ihn nicht sehr bedrücken.“ Es sei„ gut, dass jetzt ein Schlussstrich gezogen wurde. Es liegt jetzt an ihm, sich zu äußern und das zu sagen, worauf die Fans warten“, meinte der 40-Jährige.

Jetzt ist Ullrich gefordert. Nachdem er 2010 an einem Burnout-Leiden erkrankt war, hatte sich der Olympiasieger von Sydney im Vorjahr vorsichtig zurück in die Öffentlichkeit getastet. Zuletzt wagte sich der frühere „Sportler des Jahres“ beim Ball des Sports in Wiesbaden auch wieder auf das große Parkett. Einen Tag vor dem Urteil wirkte der dreifache Familienvater auf einem PR-Termin in Bielefeld bei seinem neuen Werbepartner Alpecin („Doping für die Haare“) so gelöst und locker, wie man ihn aus aktiven Zeiten nicht kannte. Eine Beichte wäre der einzige Schritt zur kompletten Rehabilitierung