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Belgien sagt Länderspiel gegen Spanien ab
Sport 3 Min. 17.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Terrorstufe angehoben

Belgien sagt Länderspiel gegen Spanien ab

Bereits die Trainingseinheiten standen unter Polizeischutz - jetzt wurde das Länderspiel abgesagt.
Terrorstufe angehoben

Belgien sagt Länderspiel gegen Spanien ab

Bereits die Trainingseinheiten standen unter Polizeischutz - jetzt wurde das Länderspiel abgesagt.
Foto: AFP
Sport 3 Min. 17.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Terrorstufe angehoben

Belgien sagt Länderspiel gegen Spanien ab

Die belgische Regierung hat in der Nacht zum Dienstag zur Absage des Testspiels am Dienstagabend geraten. Grund ist die Anhebung der Terrorwarnstufe. 50.000 Fans waren erwartet worden. Die anderen Testspiele finden wie geplant statt.

(dpa) - Nach einer Anhebung der Terrorwarnstufe in Belgien hat der Fußballverband des Landes ein für Dienstagabend geplantes Testspiel gegen Spanien abgesagt.

Wie die belgische Nachrichtenagentur Belga in der Nacht zum Dienstag unter Berufung auf den Fußballverband weiter berichtete, habe die Regierung geraten, das Spiel ausfallen zu lassen. Im ausverkauften Stadion Roi Baudouin in Brüssel waren etwa 50 000 Fan erwartet worden.

"Wir bedauern zutiefst, dass ein solches Freundschaftsspiel zwischen zwei motivierten Teams so spät abgesagt wird, und wir verstehen die Enttäuschung vieler Fans. Unter Berücksichtigung der außergewöhnlichen Umstände können wir jedoch keinerlei Sicherheitsrisiko für unsere Spieler und Fans eingehen", schrieb der königlich-belgische Fußball-Verband auf seiner Homepage.

Die belgische Regierung hatte die Terrorwarnstufe auf drei heraufgesetzt. Auf der vierstufigen Skala bedeute dies, dass eine Bedrohung als "möglich und wahrscheinlich" angesehen wird.

Del Bosque: "Wir hatten keine Angst"

Spaniens Nationaltrainer Vicente del Bosque bedauert die Absage des Länderspiels: „Wir hätten gerne gespielt“, sagte der Coach am Dienstag auf der Rückreise nach Madrid. „Das Spiel wäre uns sehr gelegen gekommen, denn es hätte unser letzter Test in diesem Jahr sein sollen.“

Del Bosque bestritt, dass seine Spieler Angst vor einem möglichen Terroranschlag gehabt hätten. „Wir haben keine Angst gehabt, absolut nicht“, betonte Del Bosque. „Unsere Spieler haben (in Brüssel) normal trainiert wie vor jedem anderen Spiel.“ Einige spanische Spieler hatten allerdings vor der Partie erklärt, wegen der Terrorgefahr ein unangenehmes Gefühl gehabt zu haben.

Der Trainer äußerte allerdings auch Verständnis für die Entscheidung der Belgier: „Die Bedenken müssen sehr groß gewesen sein. Weil man die Sicherheit nicht garantieren konnte, hat man die Partie abgesagt.“ Del Bosque plädierte dafür, dass die Europameisterschaft im Sommer 2016 wie geplant in Frankreich ausgetragen werde. Daran dürften keine Zweifel herrschen, sagte der Coach.

Auch Italien verschärft Sicherheitsmaßnahmen

Die anderen Testspiele finden wie geplant statt. Das italienische Innenministerium hat die Sicherheitsvorkehrungen für das Spiel zwischen Italien und Rumänien am Dienstagabend in Bologna verschärft. Hunderte Polizisten sollen für die Sicherheit im und rund um das Stadion sorgen. Die Spieler werden vor der Begegnung eine Schweigeminute zu Ehren der Opfer in Paris und eines Brandes in einer Diskothek in Bukarest einhalten, bei dem 50 Menschen ums Leben gekommen waren.

Auch in Österreich sind für das Spiel gegen die Schweiz am Dienstag  die Sicherheitsmaßnahmen verschärft worden. Die Zutrittskontrollen werden verstärkt, der Sicherheitsdienst selber eine Zuverlässigkeitskontrolle unterworfen. Es werden zusätzliche Patrouillen unterwegs sein. Die erwarteten 30 000 Fans müssen sich auf längere Wartezeiten vor dem Stadion-Zutritt einstellen. Die Spieler werden mit Trauerflor auflaufen und der Terror-Opfer von Paris mit einer Schweigeminute gedenken. Der bei Länderspielen übliche Radetzkymarsch entfällt.

In Hannover trifft Deutschland auf die Niederlande. Spekulationen um eine Spielabsage war der Deutsche Fußballbund DFB bereits am Sonntag entgegengetreten und hatte den Spieltermin bestätigt. Diese Entscheidung begrüßt nicht nur der niederländische Nationaltrainer Danny Blind: „Sport hat eine verbindende Kraft, die müssen wir gebrauchen“, kommentierte der Bondscoach. Es gehe darum, gemeinsam ein Zeichen gegen den Terror und für „Freiheit, Demokratie und Solidarität“ zu setzen. „Der Sieg ist nicht wichtig, das Spiel steht allein im Zeichen der Einigkeit, nicht vor dem Terror zu weichen“, sagte Blind. „Es ist ein Freundschaftsspiel, im wahrsten Sinne des Wortes.“

Die meisten Emotionen dürften zweifellos bei der Partie England gegen Frankreich im Wembley-Stadion im Spiel sein: hier haben die englischen Fans bereits angekündigt, als Zeichen der Solidarität die Marseillaise zu singen. Der Text der französischen Nationalhymne soll auf den Leinwänden im Stadion für alle zum Mitsingen eingeblendet werden. Die Spieler der englischen Mannschaft planen zudem eine gemeinsame Aktion für ihre Kollegen aus Frankreich.

Lediglich rund 100 Fans haben einem britischen Medienbericht zufolge ihre Tickets für das Testländerspiel in London zurückgeben wollen. Auch das trug offensichtlich dazu bei, die Begegnung im Wembleystadion wie geplant am Dienstag auszutragen.

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