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Aus dem Archiv: Großzügige Geste zweier Legenden
Sport 23 2 Min. 06.12.2012

Aus dem Archiv: Großzügige Geste zweier Legenden

Zwei Legenden des Luxemburger Radsports, Bim Diederich und Jempy Schmitz, standen neulich im Nationalen Sportinstitut auf Fetschenhof im Mittelpunkt einer sympathischen Feierstunde. Es ging allerdings nicht darum, die beiden vormaligen Cracks zu ehren, sondern darum, reichhaltiges Material aus deren Sammlung in Zusammenhang mit ihrer Karriere auf dem Rennrad entgegenzunehmen.

(pg) - Zwei Legenden des Luxemburger Radsports, Bim Diederich und Jempy Schmitz, standen neulich im Nationalen Sportinstitut auf Fetschenhof im Mittelpunkt einer sympathischen Feierstunde. Es ging allerdings nicht darum, die beiden vormaligen Cracks zu ehren, sondern vielmehr darum reichhaltiges Material aus deren Sammlung in Zusammenhang mit ihrer Karriere auf dem Rennrad entgegenzunehmen.

Zahlreiche Fotos, Dokumente, Pokale, Medaillen, Trikots und andere Objekte wechselten den Besitzer, sie werden nunmehr innerhalb des „Service sauvegarde du patrimoine sportif“ der Ministerialabteilung des Sports aufbewahrt. Symbolisch nahm Minister Romain Schneider die Erinnerungsobjekte in Empfang.

Die Sammlung von Bim Diederich ist extrem reichhaltig. So konnte das Ministerium nicht weniger als 255 Dossiers mit Dokumenten und Bildern, 100 Hefte mit Zeitungsausschnitten, acht Alben mit Postkarten und Fotos, 150 Bücher zum Thema Radsport sowie Trophäen, Trikots und auch Rennräder entgegennehmen.

Schmitz seinerseits schenkte dem Ministerium u. a. Pokale, Becher und Medaillen, darunter die Silbermedaille, die er bei den Straßen-Weltmeisterschaften 1955 in Frascati (I) gewann.

Minister Schneider bezeichnete die Geste der beiden Cracks als „vorbildlich“ und empfahl sie zur Nachahmung: „Beim ,Service sauvegarde du patrimoine sportif‘ werden die Objekte in Ehren gehalten, hier sind sie in guten Händen.“ Zugleich habe man die Möglichkeit, künftig bei Ausstellungen zum Radsport bzw. zur Luxemburger Sportgeschichte in einem reichhaltigen Fundus schöpfen zu können.

Ein „Duc de Grammont“ und ein Vizeweltmeister

Der Nimbus von Diederich, der übrigens am 20. Februar 90 Jahre alt geworden ist, ist untrennbar mit seiner Leistung bei der zweiten Etappe der Tour de France 1951 von Reims nach Gand verbunden. Diederich attackierte am „Mur de Grammont“, weil er unbedingt die Prämie von 30 000 Franken gewinnen wollte: „Als ich oben war, stellte ich fest, dass niemand mir gefolgt war. Also habe ich bis nach Gand durchgezogen und die Etappe gewonnen. Dann hat man mir gesagt, dass ich auch noch der neue Träger des Maillot Jaune sei“, so der „Duc de Grammont.“

Schmitz kann für sich in Anspruch nehmen, Vizeweltmeister auf der Straße bei den Profis gewesen zu sein. Diese Ehre teilt er sich mit Nicolas Frantz (1929), Weltmeister ist bisher bei den Profis noch kein Luxemburger geworden, bei den Frauen wohl (Elsy Jacobs 1958): „Ich war in einer siebenköpfigen Angreifergruppe, in den letzten Runden ist Stan Ockers zu uns gestoßen. Die Belgier, die dann zu dritt waren, haben wechselweise angegriffen. Bei der großen Hitze wollte ich nicht stets ins Hinterrad springen, so ist es Ockers in der letzten Runde gelungen, sich allein abzusetzen.“

Der „Service sauvegarde du patrimoine sportif“ in Pulvermühle wurde ab 1985 von Henri Bressler, dem damaligen Verantwortlichen im Ministerium, aufgebaut. Den entscheidenden Anstoß gab Sportminister Marc Fischbach. Als Bressler im Auftrag von „Les Rapides Limpertsberg“ zum 50. Vereinsjubiläum mit eigenen Objekten und Dokumenten eine Ausstellung organisierte, war Fischbach so begeistert, dass er die Idee, eine bleibende Stätte der Erinnerung des Luxemburger Sports zu schaffen, lancierte. Momentan ist diese Abteilung in Pulvermühle untergebracht, in viel zu kleinen Räumlichkeiten, ... in Erwartung eines Luxemburger Sportmuseums. In finanziell weniger günstigen Zeiten ist ein solch permanenter Erinnerungsort freilich wohl Zukunftsmusik.

Ton-Dokumente: (c) RTL Radio Lëtzebuerg / Weitere Fotos: (c) Département ministériel des sports, archive privé Henri Bressler