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Amateure und Profis
Leitartikel Sport 2 Min. 12.02.2015

Amateure und Profis

Leitartikel Sport 2 Min. 12.02.2015

Amateure und Profis

Laurent SCHÜSSLER
Laurent SCHÜSSLER
Die Entscheidung des Luxemburger Triathlonverbandes, seinen Topathleten Dirk Bockel aus dem Leistungskader zu streichen, hat in den vergangenen Tagen nicht nur im Mikrokosmos der Triathleten für viele Diskussionen gesorgt.

Die Entscheidung des Luxemburger Triathlonverbandes, seinen Topathleten Dirk Bockel aus dem Leistungskader zu streichen, hat in den vergangenen Tagen nicht nur im Mikrokosmos der Triathleten für viele Diskussionen gesorgt. Ohne auf Recht oder Unrecht in dieser Angelegenheit einzugehen, steht zweifelsfrei fest, dass es zwischen Verband und Sportler ein Kommunikationsproblem gab – und wohl immer noch gibt.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich hierzulande Athleten, die auf europäischem oder Weltniveau unterwegs sind, vom Fachverband missverstanden und daher nur ungenügend unterstützt fühlen. Ein Beispiel: Im Vorfeld der Olympischen Spiele von 1988 hatte es arg zwischen dem Luxemburger Schwimmverband und seinem damals besten Mann, Yves Clausse, gekracht. Auslöser war eine Trainerfrage: Clausse wollte mit seinem Heimtrainer Olympia vorbereiten, der Verband pochte aber auf einen anderen. Im Endeffekt – und nach Eingreifen des COSL – gab der Verband nach. Der Schwimmer konnte in Seoul von seinem Heimtrainer betreut werden.

Der Triathlonverband scheint im Vergleich dazu eine härtere Linie durchziehen zu wollen. Es ist nicht das erste Mal, dass die FLTri einen ihrer besten Athleten vom Wettkampf ausschließen will. Vor zweieinhalb Jahren war Bob Haller, aktuell der beste luxemburgische Triathlet, wegen eines Clinchs zwischen dem Vorstand und einer Person aus seinem direkten Umfeld, der Leidtragende. Heute ist man stolz auf seine Leistungen. Haller hat mit viel privater Unterstützung die Qualifikation für die Europaspiele in Baku geschafft.

In diesem Zusammenhang kommt einem eine Aussage verschiedener Luxemburger Judokas, die vor rund zwei Jahren wegen eines Wechsels auf der Position des Judo-Nationaltrainers und damit verbundener nicht eingehaltener Versprechen zurückgetreten waren, in den Sinn. Sie ließen verstehen, dass es für Funktionäre, die nie auf höchstem internationalen Niveau aktiv waren, kaum nachvollziehbar sei, was für einen Spitzensportler wirklich das Beste sei. Eine möglicherweise zu radikale Aussage, die aber nicht ohne ein Quäntchen Wahrheit ist.

Nicht umsonst war eine der Bedingungen von Judoka Marie Muller bei ihrem Verbandswechsel vor sieben Jahren, auch zukünftig mit ihrem eigenen Coach trainieren zu können. Festgehalten wurde auch, dass nicht der Nationaltrainer, sondern Ralf Heiler die ehemalige Sportlerin des Jahres bei einer Olympiateilnahme betreuen würde. Der Erfolg von London – die Bronzemedaille wurde hauchdünn verpasst – gab ihr recht. Mittlerweile ist der Privat- auch der Nationaltrainer.

Fehlt es Luxemburg an einer Kultur des Hochleistungssports? Möglich. Fest steht auf jeden Fall, dass es auch zukünftig immer Probleme geben wird, wenn zwei unterschiedliche Welten aufeinander treffen. Wie Amateure und Profis. Wie der Triathlonverband und Bockel eben.

Solche Dispute kommen nicht völlig überraschend. Beide Seiten verfolgen unterschiedliche Ziele. In Luxemburg, wo Spitzensportler wahrlich nicht auf den Bäumen wachsen, fördern Verbände primär den Breiten- und Wettkampfsport. Wegen des größeren Potenzials. Nachvollziehbar. Weniger verständlich aber, dass eine Kohabitation mit dem Elitesport oft unbewusst unterbunden wird.


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Editorial: Ein weiteres Puzzleteil
Die Schwierigkeit, eine Karriere als Hochleistungssportler parallel zu einem Hochschulstudium zu führen, wurde bereits im zweiten Halbjahr 2015 thematisiert, als Luxemburg die EU-Ratspräsidentschaft innehatte.
Hohe Ansprüche
Das kleine Luxemburg kann sich glücklich schätzen, auf einige Athleten zählen zu können, die die einheimischen Farben in der Weltspitze ihrer jeweiligen Sportart vertreten.
Editorial: Was macht den Erfolg aus?
Der Sport ist per Definition objektiv. Zeiten, Weiten, Tore und Treffer bestimmen nach genau fest gelegten Regeln den oder die Beste(n). Sie geben hingegen keinen Aufschluss auf den Grad der Genugtuung eines jeden.