Alles zum Überflieger in einem Artikel

Muller stürmt auf Platz 36

Die ersten Wochen der Saison 2015 verliefen vielversprechend

Gilles Muller of Luxemburg plays a stroke during his men's singles match against Juan Martin del Potro of Argentina at the Australian Open tennis tournament in Melbourne on January 23, 2009.    Del Potro won 6-7. 7-5. 6-3. 7-5. . AFP PHOTO/Paul CROCK

(kev) - Viertelfinale in ChennaiHalbfinale in Sydney und Achtelfinale bei den Australian Open, dem ersten Grand Slam des Jahres. So lauten die diesjährigen Resultate, die Gilles Muller, dazu verhalfen, um in der Weltrangliste auf Platz 36, und somit so weit nach oben wie noch nie zu kommen.

Wir blicken auf die bisherige Karriere des Ausnahmespielers aus Luxemburg zurück.

Am 9. Mai 1983 erblickte Gilles Muller das Licht der Welt. Er wuchs anschließend bei seinen Eltern Marcel und Miriam auf und entdeckte im zarten Alter von fünf Jahren sein Interesse am Tennis. Da sein Talent bereits in jungen Jahren zu erkennen war, zog es den Linkshänder früh nach Reims, wo er in sogenannten „sports-études“ eingeschrieben war.

Da ihm das Tennistraining dort jedoch nicht intensiv genug war, beschloss Muller, sich der Tennisakademie von Weltklassetrainer Bob Brett in Montreuil, das sich im Osten von Paris befindet, anzuschließen. Damals war er erst 17 Jahre alt.

Platz eins bei den Junioren

Auf der Juniorentour wusste Muller dann mit Klasseleistungen und bemerkenswerten Resultaten zu begeistern. Im Jahre 2001 stand er bei den Australian Open im Halbfinale, erreichte in Wimbledon das Endspiel und trug sich in die Siegerliste bei den US Open ein. Die Saison beendete er auf Platz eins der Junioren-Weltrangliste.

Im darauf folgenden Jahr bestritt der 1,93 m große Linkshänder etliche Futureturniere, von denen er gleich drei zu seinen Gunsten entscheiden konnte.

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Zu Beginn des Jahres 2003 kehrte „Mulles“ Paris dann den Rücken, um seine Zelte in Barcelona aufzuschlagen. In der Akademie von Emilio Sanchez und Sergio Casal wollte Muller den nächsten Schritt nach vorne machen. In Valladolid folgte im gleichen Jahr sein erster Triumph bei einem Challengerturnier.

2004 wurde Muller erstmals unter den Top 100 der Weltrangliste geführt. Bis auf Platz 68 konnte sich der aufschlagstarke Akteur vorkämpfen. Gleich zu Saisonbeginn hatte er mit Nicolas Lapentti (ECU) den 55. des ATP-Rankings bezwungen. Sein größter Coup gelang ihm jedoch in Washington, als er den US-Amerikaner Andre Agassi, damals Weltranglistensechster, im Halbfinale ausschaltete. Lediglich die Krönung blieb aus, denn im Endspiel unterlag „Mulles“ dem Australier Lleyton Hewitt.

Ein Jahr später folgte bereits der nächste Finaleinzug. Bei der Veranstaltung in Los Angeles wusste Agassi, zu dem Moment Weltranglistensechster, jedoch Revanche für die Niederlage aus der vorigen Saison zu nehmen. Zum nächsten Coup holte Muller bei den US Open aus. Gleich in Runde eins besiegte er den US-Amerikaner Andy Roddick an dessen Geburtstag. „Ich sagte mir, sei bloß nicht nervös, denn es ist eine große Chance, hier zu spielen. Die ganze Welt schaut zu und ich genoss jede Sekunde des Spiels. Es machte mir riesigen Spaß“, erklärte der überglückliche Sieger. Drei Mal behielt der Luxemburger gegen den Weltranglistendritten im Tiebreak die Oberhand.

Für solche Augenblicke trainiert man, nicht um vor einer Handvoll an Leuten auf Platz 20 aufzuschlagen.

Bei den „All England Championships“ in Wimbledon hatte er zuvor bereits Rafael Nadal (E), damals ebenfalls auf Platz drei geführt, aus dem Turnier geworfen. "Die Stimmung war ausgezeichnet. Für solche Augenblicke trainiert man, nicht um vor einer Handvoll an Leuten auf Platz 20 aufzuschlagen."

Anschließend war Muller des Alleinseins recht müde. Er wollte nicht mehr in Barcelona bleiben und beschloss, nach Luxemburg zurückzukehren. Eine Entscheidung, die ihm reichlich Kritik einbrachte. Die Topresultate blieben nämlich in der Folgezeit aus und auch in der Weltrangliste rutschte der Luxemburger ab und war nicht mehr unter den Top 100 zu finden.

US-Open-Viertelfinale gegen Federer

Mitten in der Saison 2007, die wenig spektakulär verlief, entschied sich Muller dann für die USA. Zunächst war Rodrigo Nascimento sein Trainer, ehe er sich der Akademie „TennisWorld“ in Boca Raton anschloss. Die Resultate wurden 2008 prompt besser. In Humacao (PUR) gewann der Lenny-Kravitz-Fan das Challengerturnier, ehe er sich auch beim Challenger in Izmir (TUR) in die Siegerliste eintragen konnte.

Bei den US Open 2008 bezwang Muller den Weltranglistenfünften Nikolay Davydenko aus Russland.
Bei den US Open 2008 bezwang Muller den Weltranglistenfünften Nikolay Davydenko aus Russland.
REUTERS

Der Saisonhöhepunkt folgte bei den US Open, bei denen Muller nacheinander Tommy Haas (D/39), Nicolas Almagro (E/18) und Nikolay Davydenko (RUS/5) ausschalten konnte. Plötzlich stand der Qualifikant im Viertelfinale – seinem bisher besten Ergebnis bei einem Grand Slam. In der Runde der letzten Acht musste er sich dem Weltranglistenzweiten Roger Federer (CH) dann knapp in drei Sätzen geschlagen geben.

An 2009 denkt der heute 31-Jährige sicherlich nicht gerne zurück. Nach einem verheißungsvollen Saisonauftakt erkrankte er an einem Virus, wurde von einer Fußverletzung geplagt und schließlich von Entzündungen an beiden Knien außer Gefecht gesetzt. Lediglich während sechs Monaten konnte Muller – unter Schmerzen – an Turnieren teilnehmen. Ein großer Rückschlag für den Hartplatz- und Rasenspezialisten.

Langfristig habe ich mir die Top 30 als Ziel gesteckt.

Im Jahr 2010 feierte er ein starkes Comeback. Bei einem Future-Turnier sowie drei Veranstaltungen auf der Challengertour erreichte der Schifflinger das Endspiel. Gewinnen konnte er allerdings keines. Nach der Saison erklärte Muller, er würde wieder vermehrt in Luxemburg trainieren. Erinnerungen an seine Rückkehr aus Barcelona wurden wach. Doch „Mulles“ meinte: „Ich weiß, dass ich bereits einmal aus einem Trainingscamp im Ausland nach Luxemburg zurückgekehrt bin und dies damals die falsche Entscheidung war, doch beide Situationen sind nicht miteinander zu vergleichen.“

Die Saison 2011 sollte ihm rechtgeben. Zwar verlor er zunächst noch drei Endspiele bei Challengerturnieren, doch in Nottingham sollte er seine Negativserie von sieben Finalniederlagen in Folge beenden. Aufgrund dieses Turniersiegs erhielt er eine Wildcard für das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon, bei dem er erst in der dritten Runde von Nadal gestoppt wurde. Der Halbfinaleinzug in Atlanta, das Erreichen des Achtelfinals bei den US Open sowie des Halbfinals beim ATP-Turnier in Metz rundeten seine bis dato beste Saison ab. Als Belohnung erreichte er mit Platz 42 seine beste Weltranglistenposition.

„Ich weiß, dass die Erwartungen nun allerseits größer geworden sind. In zwölf Monaten einen Rang unter den 50 besten der Welt zu belegen, würde mich jedoch zufrieden stimmen. Langfristig habe ich mir die Top 30 als Ziel gesteckt.“

Das Jahr 2012 verlief zufriedenstellend. Erstmals in seiner Karriere schaffte Muller bei den French Open den Sprung in die zweite Runde. Zudem durfte er erstmals bei den Olympischen Spielen aufschlagen. Beim Event in Atlanta musste er sich im Finale lediglich dem US-Amerikaner Roddick in drei Sätzen geschlagen geben. Am Saisonende dann der Schock: Ein Ermüdungsbruch im linken Ellbogen wurde diagnostiziert.

Der Ellbogen sollte dem besten Luxemburger Tennisspieler aller Zeiten auch in den folgenden Monaten Probleme bereiten. Zwar nahm „Mulles“ 2013 an einigen Turnieren teil, musste seine Saison jedoch bereits im Mai für beendet erklären. Ein Knochenödem im Ellbogen setzte ihn außer Gefecht. Anschließend musste er eine siebenmonatige Verletzungspause einlegen, die er dazu nutzte, um erste Schritte als Unternehmer zu machen. Er war nämlich einer der Gründer der Gesellschaft „LetzServ“, deren Ziel es ist, Sportler in allen Bereichen zu betreuen und für deren Weiterentwicklung zu sorgen.

Fünf Siege bei Challengerturnieren sowie das Erreichen der zweiten Runde in Wimbledon, in der er auf dem Centre Court auf Federer traf, waren die Höhepunkte einer hervorragenden Saison 2014, nach der er von der ATP in der Auswahl jener Spieler aufgelistet wurde, die für das „Comeback des Jahres“ infrage kamen. Von Platz 368 stürmte der Spieler von Tennis Spora in der Weltrangliste auf Rang 47. Zudem wurde der Schützling von Lisiecki und Jamie Delgado als erster Tennisspieler überhaupt zum Luxemburger Sportler des Jahres gewählt.

Der Beginn dieser Saison verspricht ebenfalls einiges. Sollte Muller dieses Niveau in den kommenden Wochen und Monaten aufrechterhalten, sind die Top 30 sicherlich in Reichweite. Die Olympiaqualifikation für Rio 2016 scheint ebenfalls mehr denn je ein realistisches Ziel.

Muller ist auch ein ausgezeichneter Teamplayer. Im Davis-Cup sorgte er bereits oft für Furore und verhalf Luxemburg zu wichtigen Siegen. Von 68 Davis-Cup-Spielen (Einzel und Doppel) verlor er lediglich 17.

Auch abseits des Tennisfelds hat Muller sein Glück gefunden. Der bekennende Fan von Borussia Dortmund ist seit Juli 2010 mit Alessia Fauzzi, seiner langjährigen Partnerin, verheiratet und Vater zweier Söhne. Lenny ist vier Jahre alt und Nils ist 2. Die glückliche Familie wohnt in Leudelingen.

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