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Zwischen Biopsien, Abstrichen und Zytologie
Das Staatslabor hat in den vergangenen Jahren hart daran gearbeitet, internationalen Standards zu genügen.

Zwischen Biopsien, Abstrichen und Zytologie

Foto: Chris Karaba
Das Staatslabor hat in den vergangenen Jahren hart daran gearbeitet, internationalen Standards zu genügen.
Politik 3 Min. 10.08.2018

Zwischen Biopsien, Abstrichen und Zytologie

Annette WELSCH
Annette WELSCH
42 neue Mitarbeiter, darunter ganz renommierte Wissenschaftler, rekrutierte das Staatslabor 2017.

Viel Lob von Gesundheitsministerin Lydia Mutsch konnten die Mitarbeiter des LNS am Freitag verbuchen, als Verwaltungsratspräsidentin Prof. Dr. Simone Niclou und Direktor Prof. Dr. Friedrich Mühlschlegel erstmals ihren Jahresbericht öffentlich vorstellten: "Ich schaue voller Vertrauen in die Zukunft und auf die nächsten Etappen. Sie haben 2017 ausgezeichnet gearbeitet - machen Sie weiter so." Das war nicht immer so. Das LNS machte in der Vergangenheit eher Negativ-Schlagzeilen wegen der langen Diagnosezeiten.

Seit 2015 haben diese sich halbiert. Allein zwischen November 2016 und Februar 2018 sank die durchschnittliche Zeitspanne, bis ein Befund verschickt wurde, von 7,9 Tagen auf 6,7. Das ist bemerkenswert, weil im selben Zeitraum die Zahl der bearbeiteten Proben explosionsartig gestiegen war: Es müssen nicht mehr 46,5 Prozent der Untersuchungen zu Sub-Unternehmen ins Ausland verschickt werden, sondern nur noch 5,9 Prozent. Die Zahl der Pathologen stieg in der Zeit von 10,3 auf 13,3. Das LNS ist attraktiv geworden für hochkarätige Mitarbeiter.  

Öffnung nach außen: Man sucht den Dialog mit Medizinern und Patienten

Das ist auch das Verdienst von Prof. Michel Mittelbronn, der seit März 2017 der Pathologie vorsteht. Der international renommierte Forscher und Spezialist für Erkrankungen des Nervensystems gründete am LNS Anfang 2017 auch die erste neuropathologische Abteilung in Luxemburg. Er setzt sich vehement für eine Politik der Öffnung ein und strebt konsequent den Dialog mit Patienten und Medizinern an. Dazu gehört auch die Einführung der Telepathologie, bei der das LNS Fernbefunde für mittlerweile alle Krankenhäuser macht - quasi während der Patient noch auf dem OP-Tisch liegt.

Die Bilanz der Abteilung ist denn auch beeindruckend: 97.001 Biopsien, Abstriche und OP-Gewebeteile und 117.926 Analysen gynäkologischer Abstriche sowie die ISO-Akkreditierung für die gynäkologische Zytologie.

Es wird dem Staatslabor aber beileibe nicht gerecht, nur auf die Pathologie zu schauen. "Wir spielen eine wichtige Rolle in der Gesellschaft, auch wenn wir nicht stark in der Öffentlichkeit stehen", sagte denn auch Niclou und zählte die Diagnosen von Krebs, genetischen oder seltenen Krankheiten auf, die Zusammenarbeit mit der Polizei durch Autopsien oder DNA-Tests in der Rechtsmedizin, aber auch den Beitrag zur öffentlichen Gesundheit durch die Detektion von giftigen Stoffen oder gentechnisch veränderten Organismen in Umwelt und Lebensmitteln auf.

Immer mehr Abteilungen ISO-akkreditiert

Mühlschlegel, der im Februar 2017 seine Arbeit als Direktor des LNS aufnahm, strich hervor, dass auch die Abteilung für medizinische Biologie mittlerweile ISO-akkreditiert ist. Sie spielt eine starke Rolle bei den pränatalen Screenings von Föten und den Tests bei Neugeborenen, zu denen seit Januar 2018 auch die Mukoviszidose gehört. Und auch von der Rechtsmedizin, die im vergangenen Jahr nach Düdelingen umzog und 102 gerichtlich angeordnete Autopsien durchführte, gibt es Neues: Sie kann nun auch postmortale Computertomografien durchführen und bereitete die umedo - die Opferambulanz zur Sicherung von Beweisen bei physischer Gewalt - vor, die vor kurzem die Arbeit aufnahm. 

"Wir sind sehr schnell gewachsen, haben 42 neue Mitarbeiter rekrutiert", sagte Mühlschlegel und betonte, dass vor allem die Suche nach Abteilungsleitern ernst genommen wird. "Wir sind hier kompromisslos in unserem Qualitätsanspruch." Zu den Highlights 2017 gehört, dass die gemeinsame Plattform für genetische Breitband-Sequenzierung eingerichtet wurde, die sowohl für klinisch-diagnostische Zwecke im LNS als auch für die Forschung am Luxembourg Institute of Health (LIH) zur Verfügung steht. 

"Diese Genetik-Sequenzierung der nächsten Generation, die es erlaubt, Krankheiten und Risiken ganz frühzeitig zu erkennen und zu behandeln steht nicht nur einigen wenigen Glücklichen, die es sich leisten können zur Verfügung, sondern es kann jeder davon profitieren", betonte Mutsch. Das Budget 2019 für das LNS beträgt 53 Millionen Euro.




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