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"Zweischneidiges Schwert"
Politik 2 Min. 27.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Paris zwischen Klimawandel und Terrorangst

"Zweischneidiges Schwert"

Vom 30. November bis zum 11. Dezember wird ein neuer Anlauf genommen, das Klima zu retten.
Paris zwischen Klimawandel und Terrorangst

"Zweischneidiges Schwert"

Vom 30. November bis zum 11. Dezember wird ein neuer Anlauf genommen, das Klima zu retten.
Foto: AFP
Politik 2 Min. 27.11.2015 Aus unserem online-Archiv
Paris zwischen Klimawandel und Terrorangst

"Zweischneidiges Schwert"

Noch liegt der Fokus in Paris auf der Aufarbeitung der brutalen Anschläge von vor zwei Wochen. Spätestens ab Montag sollen die Scheinwerfer dann aber vom Bataclan zum Bourget-Gelände schwenken, wo die COP21 stattfindet.

(mas) - Dass Paris zum Jahresende die Lufthoheit über die politische Nachrichtenlage hat, ist schon sehr lange bekannt gewesen. Am 13. November erlitt die Themensetzung allerdings eine dramatische Wendung: Bataclan statt Bourget lautet seitdem die Schlagzeile. Krieg gegen den Islamischen Staat statt Kampf gegen den Klimawandel.

Zwar wurde am Termin der Klimakonferenz im Nordosten der französischen Hauptstadt festgehalten, auch wenn die Gewährleistung der Sicherheit nun zur Mega-Herausforderung wird: Rund 150 Staats- und Regierungschefs haben ihren Besuch zum Auftakt am 30. November  zugesichert und täglich werden Zehntausende Besucher erwartet.

Unabhängig davon läuft das weltweite Klimaproblem zum wiederholten Mal Gefahr, kurzfristig von einem anderen, bedeutsamen Thema von Platz eins der internationalen „To-Do“-Liste verdrängt zu werden. Oder doch nicht?

Umweltministerin Carole Dieschbourg bleibt optimistisch. "Sowohl die Tatsache, dass die Konferenz stattfindet als auch der Umstand, dass viele Staats- und Regierungschefs zum Auftakt nach Paris kommen, belegen, dass die Klimathematik ernst genommen wird." Nach ihrem Dafürhalten spielt dabei auch eine Rolle, dass der Klimawandel und seine Konsequenzen mittlerweile als eine Ursache für Armut, Hunger, Flucht und Instabilität wahrgenommen werden. "Aus dieser Warte betrachtet, bietet Paris die Chance zu zeigen, dass wir handlungsbereit und handlungsfähig sind", betont die Ministerin im Gespräch mit dem "Luxemburger Wort".

"Emotionale Wirkung"

Bedauern tut Carole Dieschbourg, dass im Zuge der Anschläge eine Reihe größerer  Kundgebungen abgesagt worden seien. "Damit verliert die Konferenz an emotionaler Wirkung", so die Ministerin, die an das starke Signal Tausender Bürger erinnert, die im vergangenen Jahr in New York und Lima für eine gerechte Klimapolitik auf die Straße gingen.

Parteikollege Henri Kox stimmt mit seiner Ministerin überein, dass, wenn es um Ursachenforschung für die großen Krisen dieser Welt geht, auch der Klimawandel samt seiner Konsequenzen eine nicht zu unterschätzende Rolle spiele. Für die COP21 hofft Kox, der vergangene Woche den Klima- und Energiebericht der Abgeordnetenkammer am Krautmarkt vorstellte, auf ein besonnenes Vorgehen, "ohne Kriegsrhetorik" und ohne, dass sich die Teilnehmer zu sehr von den Attentaten und deren Auswirkungen beeinträchtigen lassen. 

Martin Kaiser, Greenpeace-Verhandlungsführer in Paris, spricht seinerseits von einem zweischneidigen Schwert. "Einerseits bietet sich den Staaten nun die Chance, anhand eines konkreten Themas, das viele Ungerechtigkeiten in der Welt mit verantwortet, entschlossenes und solidarisches Handeln zu bekunden." Andererseits könne die Aufmerksamkeit für die Klimaproblematik aber auch unter dem Eindruck der Ereignisse des 13. November leiden, gibt Kaiser zu bedenken.


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