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Zwei (fast) vergessene Krisen
Politik 2 Min. 20.05.2020

Zwei (fast) vergessene Krisen

Die Folgen der Coriona-Krise sind sichtbar; Klimawandel und Artensterben sind indes weit weg.

Zwei (fast) vergessene Krisen

Die Folgen der Coriona-Krise sind sichtbar; Klimawandel und Artensterben sind indes weit weg.
Foto: dpa
Politik 2 Min. 20.05.2020

Zwei (fast) vergessene Krisen

Marc SCHLAMMES
Marc SCHLAMMES
Die Corona-Pandemie ist allgegenwärtig. Soll der Neustart aus der Krise nun gelingen, erwartet sich der Mouvement écologique, dass Blau-Rot-Grün auch zwei fast vergessene Herausforderungen angeht.

Tische in sicherer Distanz zueinander, Mund- und Nasenschutz: Die Corona-Krise ist allgegenwärtig; auch beim Pressetermin des Mouvement écologique. Blanche Weber und ihre Mitstreiter wollen die Biodiversitäts- und Klimakrise thematisieren – und die Méco-Chefin muss den Wettbewerbsvorteil der Pandemie zur Kenntnis nehmen: Während das Virus die Agenda dominiert, erscheinen Klima und Artenvielfalt sehr weit weg. „Die Corona-Toten gibt es in Europa, die Opfer des Klimawandels haben entfernte Länder wie Bangladesch zu beklagen.“ 

Und doch erwarten sich die Méco-Verantwortlichen, dass Politik, Wirtschaft und Gesellschaft den Neustart nutzen, um sich auch diesen beiden bedeutenden ökologischen Herausforderungen zu widmen. Es dürfe nicht, wie vor zwölf Jahren nach der Finanzkrise geschehen, die Chance auf einen echten Strukturwandel verpasst werden, fordert Blanche Weber. Umso mehr, als bei der Artenvielfalt und beim Klima ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse zum Handeln vorliegen würden. 


Klimawandel macht dem Wald zu schaffen
Der Biologe Pierre Ibisch beschäftigt sich mit Überlebensstrategien für die Forstbestände. Im Rahmen einer Konferenz in Luxemburg warnte der Experte aber auch vor Aktionismus.

 Handlungsbedarf sieht die Umweltgewerkschaft bei der Globalisierung: Ein gerechter Welthandel weg von immer neuen Freihandelsabkommen à la CETA müsse angestrebt werden, den Ländern aus dem Süden sollten die Schulden erlassen und in Luxemburg sollte systematisch die Regionalisierung der Wirtschaftskreisläufe gefördert werden. 

Ein bisschen Zynismus

Daran gekoppelt ist die Forderung, sich vom Zwang nach immer mehr Wachstum zu befreien. Für Luxemburg gelte dies insbesondere bei der Sicherung seines Sozialnetzes, das wachstumsunabhängig ausgerichtet werden müsse. Denn es sei letztlich ein fast schon zynische Tatsache, so Blanche Weber, dass „das Streben nach Wachstum dazu geführt hat, dass das Wachstum jetzt noch mehr einbricht.“ 

In der Steuer- und Finanzpolitik erwartet sich der Mouvement écologique von Blau-Rot-Grün eine sozial gerechte und ökologische Ausrichtung und bekräftigt seine langjährige Forderung nach einer höheren Besteuerung von Kapital und Ressourcen bei gleichzeitiger Entlastung des Faktors Arbeit. Hat die Regierung noch vor der Corona-Krise eine CO2-Steuer von 20 Euro ab 2021 in Aussicht gestellt, so plädiert der Méco für eine Abgabe von 40 Euro je Tonne Kohlendioxid. 

Verdoppelung der CO2-Steuer

Erheblichen Spielraum sehen die Umweltschützer auch in der Subventionspolitik. Dabei bedauert Die Méco-Vorsitzende, dass die entsprechende Studie noch immer auf sich warten lasse. Doch auch ohne Studie wollen sie wissen, wo die Hebel angesetzt werden können: Bei der Agrarpolitik, wo allein in der Zeitspanne 2014/2020 rund 700 Millionen Euro an Zuschüssen fließen würden, und beim Phänomen (Diesel)-Dienstauto, das sich hierzulande immer noch großer Beliebtheit erfreue. 


50 Jahre Méco, ein Rückblick in 50 Stichworten. ITV Blanche Weber.Foto: Gerry Huberty
Mutige Politiker gesucht
Beim Méco ist man sich sicher: Nach der Krise muss die Gesellschaft nachhaltiger werden. Dass dies gelingen kann, machen die Umweltschützer an einer Tugend fest, die die Politik dieser Tage offenbart.

Generell sei die Automobilbranche ebenso wie die Luftfahrt einer der Wirtschaftszweige, bei denen eine Debatte angebracht sei; in ihrer jetzigen Form passten beide nicht mehr in das Bild einer nachhaltigen Gesellschaft.

Sanfte Mobilität fördern

Im Bereich der Mobilität will der Mouvement écologique den Strukturwandel auch durch die Förderung der sanften Mobilität einleiten. Als prioritär erachtet man zudem den Wohnungsbau – dort bestehe in Luxemburg mit das größte Potenzial, den Neustart nachhaltig zu gestalten.

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