Zu hoher Verwaltungsaufwand: Neuer Impuls für den Referenzarzt
(jag) - Die Zahlen sprechen für sich: 21.370 Patienten und rund 50 Prozent der Allgemeinmediziner sind im Modell des Referenzarztes eingeschrieben. Drei Jahre nach seiner Einführung ist das Interesse eher gering. Das musste auch Sozialminister Romain Schneider in seiner Antwort auf eine parlamentarische Frage eingestehen.
Der Referenzarzt sollte vor allem chronisch Kranke und Patienten über 70 begleiten, dies mit Hilfe des sogenannten "résumé patient". Dadurch sollte ein Überblick über die verschiedenen Krankheiten und Behandlungsarten gewährleistet sein - mit Blick auf die Kostenkontrolle und das Einführen der digitalen Patientenakte.
Dr. Claude Schummer, Generalsekretär der Ärztevereinigung AMMD, will auf jeden Fall an diesem Modell festhalten. Die aktuellen Schwierigkeiten führt der Arzt auf zwei Ursachen zurück:
"Einerseits wollten wir die Zahl der potenziellen Patienten bewusst niedrig halten, um nicht mit Anfragen überschwemmt zu werden. Deshalb wurde auch keine großangelegte Informationskampagne gestartet. Auf der anderen Seite war die Begeisterung der Mediziner zu Beginn zwar sehr groß, wegen des enormen Verwaltungsaufwandes ließ diese aber dann sehr schnell nach."
Den Verwaltunsgaufwand sieht Claude Schummer sowohl bei den Ärzten als auch bei den Krankenkassen. Erst wenn diese Frage gelöst sei, werde der Referenzarzt eine Zukunft haben.
"Die Fragen werden in der Quadripartite nächste Woche erörtert. Der Referenzarzt wurde per Gesetz geschaffen und er wird auch nicht wieder verschwinden. Wir werden im Rahmen der Quadripartite aber zwei Punkte klären: Das Modell Referenzarzt muss punktuell verbessert werden, dies im Sinne einer Vereinfachung. Zudem brauchen wir einen neuen Impuls in puncto "dossier de soins partagés". Die Infrastruktur für den elektronischen Datenaustausch steht und auch die Datenschutzfragen sind weitestgehend geklärt."