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Zentrum: Grüne steigen auf
Politik 5 Min. 15.10.2018

Zentrum: Grüne steigen auf

Zentrum: Grüne steigen auf

Foto: Guy Jallay
Politik 5 Min. 15.10.2018

Zentrum: Grüne steigen auf

Nadine SCHARTZ
Nadine SCHARTZ
Von den bisherigen Koalitionspartnern geht im Bezirk Zentrum nur ein Sieger hervor. Déi Gréng gewinnen insgesamt zwei Sitze hinzu, während LSAP und DP jeweils einen Sitz abgeben müssen. Die CSV erreicht zwar insgesamt eine Mehrheit, verliert aber dennoch deutlich an Stimmen.

Eins vorweg: im direkten Duell zwischen Staatsminister Xavier Bettel (DP) und dessen Herausforderer Claude Wiseler (CSV) hat der liberale Premier mit 30.774 gegenüber den 27.388 Stimmen seines christlich-sozialen Kontrahenten die Nase im Bezirk Zentrum vorn. Blickt man im Detail auf die Gesamtresultate der Wahlen, sieht das Bild jedoch anders aus.

Auch wenn die CSV mit wenigen Ausnahmen teilweise deutliche Verluste in den Gemeinden einstecken muss, schafft sie es mit 29,14 Prozent an die Tabellenspitze. Im Vergleich zu den Landeswahlen in 2013 ist dies ein Rückgang von 6,17 Punkten. Am meisten Stimmen erhalten die Christlich-Sozialen, etwa in Contern (36,78 Prozent), einen leichten Zugewinn erzielten sie in Weiler-la-Tour (von 31,09 auf 32,34 Punkte). Einen deutlichen Verlust muss die CSV unterdessen in Lintgen einstecken. Hier wählten nur noch 23,76 Prozent der Bürger die Christlich-Sozialen; damit verlieren sie dort ganze 10,96 Prozent.

Gleichzeitig scheinen die Einwohner die Arbeit der christlich-sozialen Bürgermeister und Schöffen zu würdigen. So erzielen beispielsweise das Gemeindeoberhaupt aus Fels, Nathalie Silva, und der Schöffe aus Weiler-la-Tour, Vincent Reding, in ihren Gemeinden mehr Stimmen als Claude Wiseler. In Contern belegt Bürgermeisterin Marion Zovilé-Braquet den zweiten Platz hinter dem Spitzenkandidaten. Durch den Rückgang büßt die CSV einen Sitz ein und verfügt damit in Zukunft über sieben Mandate im Zentrum.

Die meisten Stimmen erhalten, neben Claude Wiseler, der hauptstädtische Schöffe Serge Wilmes (20.809), Diane Adehm (18.010), die langjährige Europaabgeordnete Viviane Reding (17.922) – die allerdings in den vergangenen Wochen neben anderen Kandidaten kaum zum Vorschein kam –, Marc Lies (17.573), Laurent Mosar (17.210) und Paul Galles (16.942).

Grüner Höhenflug

Als deutlicher Gewinner im Bezirk Zentrum gehen Déi Gréng hervor. In allen Gemeinden hat die Partei konstant an Stimmen zugelegt. Insgesamt liegen die Grünen um die beiden Spitzenkandidaten François Bausch und Sam Tanson bei 16,2 Prozent. In Schüttringen schaffen die Grünen es sogar auf 19,41 Punkte. In Niederanven steigert Déi Gréng ihr Resultat von 8,12 auf 15,19 Prozent, in der Hauptstadt von 10,09 auf 16,78 Prozent.

Als einzige Partei gewinnen die Grünen denn auch zwei Sitze hinzu und kommen damit auf vier Mandate. Am beliebtesten im Wahlbezirk sind François Bausch (19.889 Stimmen), Sam Tanson (17.290), François Benoy (9.830) und Neukandidat Charles Margue (9.515). Letzterer war während langen Jahren Studiendirektor im Meinungsforschungsinstitut TNS Ilres. Zum 1. Mai dieses Jahres war er von seiner Arbeit freigestellt worden, um sich auf seine politische Karriere konzentrieren zu können.

Einbußen für DP

Ein Staatsminister, der sich in den vergangenen Wochen nur wenig in der Öffentlichkeit zeigte und mehrere viel kritisierte Reformen könnten zu jenen Gründen gehören, weshalb die DP nur noch 24,17 Prozent der Stimmen und damit einen Rückgang von 0,85 Prozent erzielt. Dementsprechend müssen auch die Liberalen einen Sitz abgeben und schicken fünf Personen ins Parlament.

Überraschungen gibt es unter anderem in Walferdingen. In der einst blau geführten Gemeinde verzeichnen die Christlich-Sozialen trotz kleiner Einbußen zum zweiten Mal in Folge die Mehrheit (33,06 Prozent). Die DP hingegen muss weitere Stimmen abgeben und erreicht nur noch 23,12 Prozent. Während der aktuelle Bürgermeister François Sauber (CSV) es mit 1.281 Stimmen auf den zweiten Rang hinter Claude Wiseler schafft, muss sich dessen Vorgängerin Joëlle Elvinger (DP) mit 781 Stimmen gerade mal mit dem fünften Platz zufriedengeben.

Zu den wenigen Gemeinden, in denen die Liberalen noch Punkte für sich gewinnen konnten, zählt Bartringen (von 28,7 Prozent auf 30,78 Prozent). Ein Erfolg, den die DP vor allem Bürgermeister Frank Colabianchi verdanken dürfte. Dieser schafft es denn auch in seiner Gemeinde auf den zweiten Rang, gleich hinter Xavier Bettel.

Ein erstaunliches Resultat kommt in der rot-schwarz geführten Gemeinde Strassen zustande. Während die Sozialisten – denen auch Bürgermeister Gaston Greiveldinger angehört – im freien Fall sind und nur 11,03 Prozent der Stimmen erreichen, bleibt die DP fast konstant bei 29,42 Prozent und erzielt damit einen knappen Vorsprung vor der CSV (28,79 Prozent). Neben Xavier Bettel, der übrigens 1.290 Wählerstimmen weniger als noch im Jahr 2013 erhalten hat, führen Ministerin Corinne Cahen (19.471 Stimmen), Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer (18.934), Hauptstadtschöffin Simone Beissel (14.630) und Staatssekretär Guy Arendt (13.931) die Liste an. Nicht wiedergewählt wurden die Abgeordneten Frank Colabianchi, Joëlle Elvinger und Claude Lamberty.

Im freien Fall

Koalitionspartner LSAP befindet sich unterdessen weiter im Fall. Nachdem die Sozialisten bei den Landeswahlen 2013 bereits ein Minus von 3,17 Prozent einstecken mussten, fallen sie nun von 14,65 auf 11,73 Prozent. Damit werden sie denn auch deutlich vom bisherigen Partner Déi Gréng überholt. Etwa in Weiler-la-Tour zeigt sich ein Trend, der in der Mehrzahl der Gemeinden zu erkennen ist. Dort hat die LSAP etwa mit einem Minus von 6,17 Prozent in der Wählergunst verloren.

Nichtsdestotrotz liegt Bürgermeisterin Cécile Hemmen mit 284 Stimmen auf dem zweiten Platz hinter Minister Etienne Schneider. In Bartringen kommen die Sozialisten nicht über 9,49 Prozent hinaus. Mit einem Verlust von einem Sitz beschränkt die Zahl der verfügbaren Mandate sich auf zwei. Dementsprechend schaffen Etienne Schneider (16.872 Stimmen) und Marc Angel (10.260) den Sprung ins Parlament. Nicht mehr mit dabei sind sowohl Staatssekretärin Francine Closener als auch die beiden Abgeordneten Cécile Hemmen und Franz Fayot.

Pluspunkte für Piraten

Zu den Gewinnern zählen zweifelsohne aber auch die Piraten, die im Zentrum – wie dies auch in anderen Bezirken der Fall ist – massiv zugelegt haben. Besonders auffallend ist etwa das Resultat in der Gemeinde Fels, wo sie das Ergebnis von 4,01 in 2013 auf nunmehr 11,42 Prozent steigern können. Nachdem die Piraten bei den letzten Landeswahlen leer ausgegangen waren, kommen sie nun mit insgesamt 5,14 Prozent erstmals auf einen Sitz am Krautmarkt. Ein Amt, das Sven Clement bekleiden wird. 8.007 Wähler haben dem Politiker ihr Vertrauen ausgesprochen. Nachdem die ADR 2013 noch ein Minus von 1,30 Prozent verzeichnete, erzielt sie nun mit 6,83 Prozent ein Plus von 1,82 Prozent. Das einzige verfügbare Mandat übernimmt Roy Reding. Keine Änderung in puncto Sitze gibt es ebenfalls bei Déi Lénk. 5,72 Prozent (ein Plus von 0,97 Prozent) reichen weiterhin für einen Sitz und damit für den Verbleib von David Wagner in der Abgeordnetenkammer.


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Wahlen 2018 - Headquarter DP - Xavier Bettel - Corinne Cahen -    - Photo : Pierre Matgé
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