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Zentrum für Schulentwicklung: Keine eigenen Süppchen mehr
Das Zentrum für Schulentwicklung wird in dem Maison des Sciences Humaines auf dem Campus Belval angesiedelt sein.

Zentrum für Schulentwicklung: Keine eigenen Süppchen mehr

Foto: Chris Karaba
Das Zentrum für Schulentwicklung wird in dem Maison des Sciences Humaines auf dem Campus Belval angesiedelt sein.
Politik 2 Min. 10.09.2015

Zentrum für Schulentwicklung: Keine eigenen Süppchen mehr

Bildungsminister Claude Meisch ist es Leid, dass im Bildungsbereich viele verschiedene Süppchen gekocht werden, sei es in Bezug auf die Aus- und Weiterbildung, die Schulprogramme oder die Schulbücher. Er will für mehr Kohärenz sorgen, mit einem Zentrum für Schulentwicklung.

(mig) - Bildungsminister Claude Meisch steht in Verhandlungen mit der Universität Luxemburg über ein Zentrum für Schulentwicklung. Das meldete am Mittwoch RTL. Ziel ist es, alle Bereiche und Akteure, von der Lehreraus- und weiterbildung über die Schulprogramme, die Entwicklung der Lehrmaterialien und das Bildungsmonitoring miteinander zu vernetzen und so für mehr Kohärenz zu sorgen. Das Zentrum soll seine Arbeit noch in diesem Schuljahr aufnehmen, sagte Claude Meisch auf LW-Nachfrage.

„Es stört mich, wenn jeder für sich arbeitet, wenn die Dinge losgelöst voneinander geschehen“, sagte Claude Meisch am Mittwoch auf LW-Nachfrage. Die Rede ist von der Aus- und Weiterbildung der Lehrer, der Ausarbeitung von Schulprogrammen, von Lehrmaterialien und vom Bildungsmonitoring, wofür das „Luxembourg Centre for Educational Testing“ (Lucet) der Uni zuständig ist.

Jeder kocht sein eigenes Süppchen

Fondamental und Secondaire haben seit jeher ihre eigene Funktionsweise. Das ist historisch bedingt. Im Secondaire werden die Schulprogramme von Lehrern in Programmkommissionen ausgearbeitet, im Fondamental ist das Ministerium dafür zuständig. Programmkommissionen gibt es keine. Sie sind aber in Planung. Geplant ist auch die Schaffung eines nationalen Rates der Programmkommissionen. Ein erster Schritt in Richtung Kohärenz.

Auch bei den Schulbüchern sieht Meisch Handlungsbedarf. Im Fondamental ist das Ministerium für die Ausarbeitung der Schulbücher zuständig. Im Secondaire wird meist auf Lehrmittel aus dem Ausland zurückgegriffen. Damit soll jetzt Schluss sein. „Wir brauchen Lehrmittel, die auf die spezifische Situation Luxemburgs zugeschnitten sind und dazu müssen wir Kompetenzen hier im Land aufbauen“, so Meisch. Sogar ein eigener Lehrmittelverlag ist geplant.

Eine einheitliche Stage-Struktur

Ein weiterer Schritt in Richtung mehr Kohärenz wurde mit dem „Institut de formation de l'éducation nationale“ (Ifen) geschaffen, das die Ausbildung der Stagiaires für den Sekundarschulunterricht von der Uni übernommen hat. Ab 2016 stoßen die Referendare aus dem Fondamental, aus dem sozio-edukativen und dem psychosozialen Bereich hinzu. Für alle gilt eine einheitliche Stage-Struktur.

Zusammen mit der Uni will der Minister die Vernetzung aller Bereiche und Akteure herstellen. Die Verhandlungen sind bereits weit fortgeschritten. Sobald die Finanzierungsfrage geklärt ist, kann die Konvention unterzeichnet werden. Meisch geht davon aus, dass die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen können.

Master of Secondary Education

Geplant ist auch die Schaffung eines neuen Masterstudiengangs, der sich an Studenten richtet, die eine Lehrerkarriere im Secondaire anstreben. Mit dem „Master of Secondary Education“ wird ein zweiter Bildungsweg geschaffen, der den Zugang zum Lehrerberuf ermöglicht, neben dem herkömmlichen Weg. Der Studiengang soll ab der Rentrée 2016/17 angeboten werden. Ziel des zweijährigen Studiengangs ist es, die Studenten auf die pädagogische Arbeit vorzubereiten.

Konvention zwischen Ifen und Uni

Das Ifen (mit Sitz in Walferdingen) bildet jedes Jahr voraussichtlich rund 1 500 Referendare aus, und greift dabei auch auf erfahrene Ausbilder der Uni zurück. Eine neue Konvention wird die Zusammenarbeit zwischen dem Ifen und der Uni regeln. Ifen und Uni planen darüber hinaus ein gemeinsames Weiterbildungsangebot für Praxisbegleiter (Tutoren) im Fondamental, also für Lehrer, die Stagiaires in ihrer Klasse aufnehmen.


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