Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Zahl der Flüchtlinge leicht rückläufig
Politik 4 Min. 10.02.2020

Zahl der Flüchtlinge leicht rückläufig

Außen- und Immigrationsminister Jean Asselborn präsentierte die neusten Asyl- und Immigrationszahlen.

Zahl der Flüchtlinge leicht rückläufig

Außen- und Immigrationsminister Jean Asselborn präsentierte die neusten Asyl- und Immigrationszahlen.
Foto: Guy Jallay
Politik 4 Min. 10.02.2020

Zahl der Flüchtlinge leicht rückläufig

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Die Zahl der Asylbewerber ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. 2.047 Flüchtlinge stellten 2019 einen Asylantrag. Außen- und Immigrationsminister Jean Asselborn setzt weiter auf eine "humanistische und humanitäre" Asylpolitik.

Wenn Luxemburg sowohl "sozial als auch ökonomisch in der Topliga" mitspielt, dann verdankt das Land dies auch seinen vielen Einwanderern, so Außen- und Immigrationsminister Jean Asselborn (LSAP) am Montag bei seiner jährlichen Pressekonferenz zur Migration. Asselborn will daher auch in Zukunft, an dem "humanistischen und humanitären" Ansatz der nationalen Asyl- und Immigrationspolitik festhalten.

Dabei weiß er sich übrigens in guter Gesellschaft: Kardinal Jean-Claude Hollerich habe sich in den vergangenen Monaten immer wieder für die Flüchtlinge stark gemacht, meinte Asselborn. Mit seinem Engagement habe er klargestellt, "dass in der Flüchtlingsfrage Christentum und Islam nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen, so wies dies in immer mehr europäischen Ländern leider der Fall ist".


Kardinal Hollerich im Interview: "Die Kirche kann da nicht schweigen"
Kardinal Jean-Claude Hollerich hat sich für einen stärkeren Einsatz zum Schutz des Regenwalds und der indigenen Bevölkerung am Amazonas ausgesprochen.

Was nun die aktuellen Zahlen anbelangt, stellt Asselborn im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang bei den Asylanträgen fest: Nach 2.206 im Jahr 2018 registrierte die Immigrationsbehörde im vergangenen Jahr nur noch 2.047 Flüchtlinge. Das sind zwar immer noch fast doppelt so viele wie vor der Flüchtlingskrise, doch seit 2015 zeigt die Tendenz klar nach unten. Vor fünf Jahren lag der Zahl der Asylanträge bei 2.447. 

Die meisten Antragsteller kamen aus Eritrea (510 / 24,9  Prozent), an zweiter Stelle rangieren die Syrer (287 / 14  Prozent), gefolgt von den Afghanen (162 / 7,9 Prozent) und den Irakern (100 / 5,4 Prozent).

2019 konnte man zwei Trends beobachten. Die Zahl der Flüchtlinge aus Venezuela nahm deutlich zu. 64 Personen aus dem krisengeschüttelten Land stellten im vergangenen Jahr in Luxemburg einen Antrag auf Asyl. Es fällt auch auf, dass kaum noch Personen aus den Balkanländern bei der Immigrationsbehörde vorstellig werden. Einzige Ausnahme ist Albanien, mit 56 Anträgen.

Und weil die Zahl der Flüchtlinge langsam aber sicher sinkt und das Personal der zuständigen Behörde zuletzt aufgestockt worden war, dauert es nicht mehr so lange, bis die Anträge bearbeitet werden. Wie Minister Asselborn betonte, dauerte es im vergangenen Jahr durchschnittlich 4,8 Monate, bis eine Entscheidung vorlag. 


2019 hat die Direction de l'immigration  insgesamt 2.154 Entscheidungen getroffen. Knapp ein Drittel der Antragsteller wurde laut der Genfer Konvention als Flüchtlinge anerkannt (653 / 30,3 Prozent). Weitere 40 Personen erhielten das subsidiäre Flüchtlingsstatut (1,9 Prozent). 397 Anträge wurden abgelehnt, davon 190 über den Weg der Schnellprozedur.

In der normalen Prozedur wurden vor allem viele Iraker (49) abgelehnt. In dieser Statistik rangierten Personen aus Guinea-Conakry an zweiter Stelle (25), gefolgt von  Ukrainern (15), Sudanesen (13) und Türken (12).

In der sogenannten procédure accélérée, die immer dann angewandt wird, wenn bereits zu Beginn des Verfahrens Zweifel bestehen, ob es sich wirklich um einen Flüchtling laut der Genfer Konvention handelt, werden besonders viele Asylbewerber aus den Maghreb-Staaten und aus den Balkanländern ablehnt: Die meisten kamen aus Algerien (24), Tunesien (18), Marokko (15), Albanien (12), Serbien (7).

625 Anträge wurden abgelehnt, weil die Antragsteller zuvor bereits in einem anderen Land um Asyl gebeten hatten. Im Vergleich zu 2018 gibt es einen deutlichen Rückgang. 2018 waren noch 797 sogenannte Dubliner registriert worden. Vor der Flüchtlingskrise lag die Zahl mit 235 (2014) allerdings deutlich niedriger.

330 Dubliner wurden zurückgeschickt

330 Dubliner wurden im vergangenen Jahr in die EU-Länder zurückgeschickt, in denen sie ihren ersten Asylantrag gestellt hatten, die meisten davon nach Deutschland (84). In den vergangenen zwölf Monaten haben die anderen EU-Länder aber auch 90 Personen nach Luxemburg zurückgebracht, weil sie dort bereits registriert worden waren.


(FILES) This file photo taken on September 2, 2015 shows a Turkish police officer carrying a migrant child's dead body (Aylan Shenu) off the shores in Bodrum, southern Turkey, after a boat carrying refugees sank while reaching the Greek island of Kos.
A year ago, the tragic death of a three-year-old Syrian boy shocked Europe as an unprecedented crisis saw hundreds of thousands of migrants and refugees arrive on the continent. The photo of three-year-old Aylan Kurdi's tiny body washed up on a Turkish beach goes viral on September 2, 2015, as Europe faces its worst migrant crisis since World War II. Aylan is one of some 3,700 people who die trying to reach Europe in 2015, including his mother and his brother, according to the International Organization for Migration (IOM)
 / AFP PHOTO / DOGAN NEWS AGENCY / Nilufer Demir
Flüchtlingspolitik der 2010er-Jahre: Nicht im selben Boot
Weltweit hat es in den vergangenen zehn Jahren einen deutlichen Anstieg der Flüchtlingszahlen gegeben. In der EU waren vor allem Staaten wie Italien und Griechenland betroffen. Zwischen den Jahrzehnten: Ein bilanzierender Blick zurück.

2019 wurden insgesamt 330 abgelehnte Asylbewerber in ihre Heimatländer zurückgeschickt. 199 haben Luxemburg freiwillig verlassen, in 131 Fällen handelte es sich um einen "retour forcé". 

In dem Zusammenhang erklärte Minister Asselborn, dass abgelehnte Asylbewerber nicht grundsätzlich in ihre Heimatländer überführt werden. In Einzelfällen ist ein Aufschub möglich. 96 Personen, denen das Flüchtlingsstatut nicht zuerkannt wurde, konnten 2019 zumindest vorübergehend in Luxemburg bleiben.

Hilfe in der Not

Luxemburg beteiligt sich weiterhin an der Umverteilung der Flüchtlinge. Im vergangenen Jahr  wurden im Rahmen eines Relocation-Programms 19 Asylbewerber aus Malta und 23 aus Italien aufgenommen. Dazu hat sich die Regierung verpflichtet, 48 Flüchtlinge aus dem Niger aufzunehmen. Die meisten kommen aus den berüchtigten libyschen Flüchtlingslagern und waren von der UN in einem ersten Schritt in den Niger gebracht worden. Die ersten 35 Personen waren im Dezember in Luxemburg aufgenommen worden. 

Dazu erklärt sich Luxemburg immer wieder bereit, Flüchtlinge aufzunehmen, die von den Hilfsorganisationen aus dem Mittelmeer gerettet wurden. Minister Jean Asselborn bedauert, dass solche Aktionen weiterhin nur auf freiwilliger Basis möglich sind. Außer Luxemburg zeigen sich meist nur noch Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal solidarisch.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Vom Sudan nach Petingen, eine Odyssee
Während seiner Reise nach Europa wurde Omer Ibrahim (28) in Libyen festgehalten und wäre um ein Haar im Mittelmeer ertrunken. Er erzählt, wie er zu "Mama Julie" in Petingen fand.
Flüchtling Ibrahim Omer der seit zwei Monaten bei Petinger Einwohner wohnt - Pétange -  - 28/10/2019 - photo: claude piscitelli
Flüchtlingspolitik: Bereits 522 Asylbewerber in 2017
Im vergangenen Jahr haben mehr als 2.000 Menschen in Luxemburg einen Asylantrag gestellt. Auch in den ersten Wochen des Jahres 2017 reißt die Anzahl von Asylbewerbern nicht ab. Die Regierung will ihre Strategie anpassen.
Im vergangenen Jahr erhielten mehr als 750 Asylbewerber das Flüchtlingsstatut.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.