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Xavier Bettel: "Nur noch das Haus verlassen, wenn es dringend nötig ist"
Politik 1 4 Min. 15.03.2020

Xavier Bettel: "Nur noch das Haus verlassen, wenn es dringend nötig ist"

Mit der Schließung ihrer Lokale kommen auf Gaststättenbetreiber harte Zeiten zu. Viele rüsten auf Lieferservice und Drive-in-Service um.

Xavier Bettel: "Nur noch das Haus verlassen, wenn es dringend nötig ist"

Mit der Schließung ihrer Lokale kommen auf Gaststättenbetreiber harte Zeiten zu. Viele rüsten auf Lieferservice und Drive-in-Service um.
Foto: Guy Wolff
Politik 1 4 Min. 15.03.2020

Xavier Bettel: "Nur noch das Haus verlassen, wenn es dringend nötig ist"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Ab dem 16. März kommt das öffentliche Leben in Luxemburg in großen Teilen zum Erliegen. Alle nicht lebenswichtigen Geschäfte und Einrichtungen sind für Besucher geschlossen. Hier der Überblick.

„Die Lage ist ernst. Wir müssen als Gesellschaft solidarisch sein, um diese Situation so gut es geht, zu kontrollieren“, sagte Premierminister Xavier Bettel (DP) am Sonntag im Anschluss an die dreistündige Sondersitzung der Regierung. 

Sie hat die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus ein weiteres Mal verschärft. Die Vorsichts- und Präventionsmaßnahmen seien notwendig, um die Neuinfektionsrate so niedrig wie möglich zu halten, sagte Bettel. 


Liveticker: Päischtcroisière abgesagt
Nun ist es offiziell: Im Jahr 2020 wird keine Päischtcroisière stattfinden. Alle aktuellen Infos zur Krise im Ticker.

Im Fokus stehen nach wie vor besonders gefährdete Personen: Menschen über 65 Jahre, Personen mit einer Immunschwäche, Atemwegserkrankungen, kardio-vaskulären Problemen, Diabetiker und Krebspatienten. An sie richtet sich der dringende Appell, ab sofort zu Hause zu bleiben und „nur noch das Haus zu verlassen, wenn es dringend notwendig ist“

Die Regierung appelliert an die Solidarität der gesamten Bevölkerung. „Es geht jeden etwas an“, sagte Bettel. Er begrüßte die zahlreichen Initiativen von Menschen, die sich bereiterklären, anderen zu helfen. „Das ist genau das, was wir zu diesem Moment brauchen.“ 

Für die gesamte Bevölkerung gilt ab sofort eine prinzipielle Bewegungseinschränkung. Erlaubt sind Fahrten zur Arbeit, zu medizinischen Strukturen (Arzt, Maison médicale, Notaufnahme), Besuche von lebenswichtigen Einrichtungen wie Lebensmittelläden, Drogerien, Apotheken, Banken, Notariate. 

Auch Außenaktivitäten wie Joggen, Radfahren, Spazierengehen sind erlaubt. Dabei bitte auf einen Abstand von zwei Metern zu anderen Personen achten. Generell sind alle dringend notwendigen Aktivitäten erlaubt. 

Restaurantschließungen 

In Luxemburg sind ab sofort sämtliche Restaurants, Gaststätten, Bars, Diskotheken, Kinos, Schwimmbäder, Bibliotheken, Museen, Sportzentren, Stadien, Fitnesszentren, Schlittschuhpisten usw. geschlossen. 

Die Schließung betrifft auch Showrooms von Autohäusern, Sanitärbetrieben oder Elektrobetrieben, nicht aber den Reparaturdienst.

Restaurants uns Bars müssen ab sofort geschlossen bleiben.
Restaurants uns Bars müssen ab sofort geschlossen bleiben.
Foto: Guy Wolff

Keine Lebensmittelengpässe 

Um die Lebensmittelversorgung muss sich niemand Sorgen machen. Zum einen wird in den kommenden Tagen ein vereinfachtes Bestell- und Liefersystem auf die Beine gestellt. Es richtet sich vor allem an die gefährdeten Personen. 

Zum anderen war es die wichtige Aussage, dass die Lebensmittelläden genau wie andere lebensnotwendige Einrichtungen (siehe Kasten unten) nicht geschlossen werden. Auch wichtig: Es gibt keine Lieferengpässe, was Lebensmittel betrifft. Von Hamsterkäufen wird dringend abgeraten

Betriebe und öffentlicher Dienst 

Die Produktionsprozesse gehen unverändert weiter, sagte Bettel. Unternehmen sollen aber auf Heimarbeit umstellen, sofern das möglich ist. Für Unternehmen gut zu wissen: Steuervorauszahlungen und Sozialbeiträge werden ausgesetzt. Die zuständigen Minister Pierre Gramegna (DP) und Romain Schneider (LSAP) werden die Details zeitnah kommunizieren. Der Stichtag zur Abgabe der Steuererklärung wurde auf den 15. Mai verschoben

Auch im öffentlichen Dienst wird vermehrt auf Heimarbeit umgestellt. Einige Dienstleistungen werden reduziert und nur noch begrenzt für Besucher zugänglich sein. Die Beamten werden in Teilen anderen Aufgabebereichen zugeteilt. 

Die Fußgängerzone in Luxemburg-Stadt blieb am Sonntagabend ungewohnt leer.
Die Fußgängerzone in Luxemburg-Stadt blieb am Sonntagabend ungewohnt leer.
Foto: Guy Wolff

Keine Grenzschließungen 

Frankreich und Belgien erwägen derzeit keine Grenzschließungen im Schengenraum. Deutschland kündigte allerdings verschärfte Grenzkontrollen zu Frankreich, Österreich und der Schweiz an. Für Pendler bleibt die Grenze nach Luxemburg geöffnet. 


French Prime Minister Edouard Philippe delivers a speech to announce new measures to limit the spread of COVID-19, the new coronavirus, on March 14, 2020, in Paris. - The French prime minister announced the closure of all "places receiving public that are not essential to the life of the country", calling on the French to "more discipline" in the face of the coronavirus pandemic. Restaurants, bars, discotheques and cinemas are called on to close their doors. Businesses are also affected, with the exception of food stores, pharmacies, banks, tobacconists and petrol stations. (Photo by Thomas SAMSON / AFP)
Frankreich schließt wegen Corona-Virus Restaurants und Läden
Das Nachbarland leitet Phase 3 im Kampf gegen den Corona-Virus ein und sperrt sämtliche "nicht unabdingbare" öffentliche Räume.

Ziel der Maßnahmen ist das Aufrechterhalten des Gesundheitssystems. Wie bereits angekündigt, werden in den kommenden Tagen drei Maisons médicales (Norden, Süden, Zentrum) speziell auf die Behandlung von Corona-Fällen ausgerichtet. Sobald sie in Betrieb sind, wird die Öffentlichkeit informiert. Gearbeitet wird auch an einer Lösung für den Osten.   

77 Personen wurden positiv auf das Virus getestet. Stand Sonntagabend. Die Regierung wird die Öffentlichkeit am Montag erneut über den aktuellen Stand informieren. 


Zertifikat für Pendler: Hiers geht's zum Download



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