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Xavier Bettel in der „Luxemburger Synagoge“ in New York
Politik 3 4 Min. 27.09.2022
USA-Reise des Premiers

Xavier Bettel in der „Luxemburger Synagoge“ in New York

Xavier Bettel verwies auf Luxemburgs Initiative zur Aussöhnung und Erinnerung.
USA-Reise des Premiers

Xavier Bettel in der „Luxemburger Synagoge“ in New York

Xavier Bettel verwies auf Luxemburgs Initiative zur Aussöhnung und Erinnerung.
Foto: Twitter Xavier Bettel
Politik 3 4 Min. 27.09.2022
USA-Reise des Premiers

Xavier Bettel in der „Luxemburger Synagoge“ in New York

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Am Rande seiner Reise zur UN-Vollversammlung hat der Premierminister die Ramath Orah Synagoge besucht, die eng mit Luxemburg verbunden ist.

Premierminister Xavier Bettel hat in der vergangenen Woche vier Tage auf Arbeitsbesuch in New York verbracht. Hauptprogrammpunkt war dabei seine Rede vor der UN-Vollversammlung am 23. September. Am Tag zuvor war Bettel zu Gast in der Synagoge der jüdischen Gemeinde Ramath Orah auf der Upper West Side, wo er ein neu renoviertes sogenanntes Okulus-Fenster einweihte. 

Dass die Gemeinde den Premierminister von Luxemburg zu dieser Feier einlud, hat natürlich eine historische Bewandtnis: Die Gründung der Kongregation Ramath Orah geht auf den 1941 vor den Nazis aus Luxemburg geflohenen Rabbi Robert Serebrenik zurück. 


Vor 80 Jahren ging Janusz Korczak mit 200 Kindern in den Tod
Im August 1942 trieben die Nazis 200 jüdische Waisenkinder in Warschau in einen Zug. Der polnische Pädagoge Janusz Korczak stieg mit in den Todestransport.

Serebrenik, geboren 1902 in Wien, war seit 1929 Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde in Luxemburg. Er verhalf seit Beginn der deutschen Besatzung im Mai 1940 einer großen Zahl der Luxemburger Juden zur Flucht - zunächst nach Frankreich und Portugal, von dort aus in vielen Fällen weiter in die USA. Rund 2.000 Menschen soll er über die Grenze gebracht haben - entweder heimlich oder mit offiziellen Papieren, die er als Ansprechpartner der Nazi-Besatzer aushandelte. Knapp 1.000 blieben zurück. Im März 1941 kam es sogar in Berlin zu einem Aufeinandertreffen Serebreniks mit Adolf Eichmann, dem Drahtzieher hinter dem Holocaust, der die Deportationstransporte in die Vernichtungslager organisierte. 

Mit einem der letzten Konvois aus Luxemburg floh Serebrenik selbst mit seiner Frau Julia. Im Juni 1941 erreichten sie mit 61 anderen jüdischen Flüchtlingen aus Luxemburg via Lissabon New York, im Frühjahr 1942 gründete der Rabbi die Gemeinde Ramath Orah. Im Prozess gegen Eichmann in Israel sagte Serebrenik 1961 als Zeuge aus, 1965 starb er in New York. 

Ein Davidstern in rot-weiß-hellblau

Die Luxemburger Regierung beteiligte sich nach einem Bericht der „New York Times“ mit 60.000 Dollar an der Renovierung der Synagoge. Die Gemeinde nutzte die Spende aus Luxemburg für den Einbau eines runden, kunsthandwerklich verzierten Fensters. Das sogenannte Oculus (lat. Auge), in der Architekturfachsprache auch „Ochsenauge“ genannt, wurde von der Glaskünstlerin Suzie Klein entworfen. 

Das Dekor enthält einen Davidstern in den drei Farben der Luxemburger Fahne. In der Mitte steht Vers 40,8 aus dem Buch Jesaja: „Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; aber das Wort unsres Gottes bleibt ewiglich.“ Eine bewusste Wahl: In der alten Luxemburger Synagoge stand dieser Vers über dem Thoraschrein. Die Nazis hatten das Gebäude 1943 zerstört. 


Inauguration Monument a la mémoire des victimes de la Shoah, avec Xavier Bettel, LL.AA.RR. le Grand-Duc et la Grande-Duchesse, Lydie Polfer, le 17 Juin 2018. Photo: Chris Karaba
Denkmal für die Opfer der Schoah eingeweiht
Am Sonntag wurde am Boulevard Roosevelt das Denkmal für die Opfer der Schoah eingeweiht. Das Mahnmal soll die Erinnerung an die Gräuel der Nazis gegenüber der jüdischen Gemeinde in Luxemburg wach halten. "Nie wieder", so der Tenor der Redner.

Xavier Bettel begann seine Ansprache mit einer Bitte um Entschuldigung: „Lassen Sie mich zunächst sagen, was ich schon einmal gesagt habe: Es tut mir leid. Ich könnte einerseits stolz sein, der erste Luxemburger Premier zu sein, der nach dem Zweiten Weltkrieg die jüdische Gemeinde um Entschuldigung gebeten hat. Aber wir müssen uns vielmehr auch dafür entschuldigen, dass die Bitte so spät kam, 2015, mehr als 70 Jahre nach Kriegsende.“ 

Seine damalige Feststellung vor der Chamber, dass nicht alle Luxemburger damals Helden gewesen seien, habe einige geschockt, fuhr Bettel fort. „Danach haben wir angefangen, daran zu arbeiten - an der Frage, wie wir um Entschuldigung bitten, aber auch, wie wir erinnern können.“ 


Politik, Interview François Moyse, Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
François Moyse: Die Anerkennung einer Ungerechtigkeit
Der Staat und die jüdische Gemeinschaft haben ein Abkommen unterschrieben, das die noch offenen Fragen bei der Zwangsenteignung der Juden im Krieg regelt. Der Vorsitzende der Shoah-Stiftung, François Moyse, spricht von einer historischen Vereinbarung.

Er sei nicht auf alle Entscheidungen, stolz, die er als Politiker getroffen habe - auf diese aber umso mehr. Es sei allerdings noch immer eine große Herausforderung für Politiker wie Privatpersonen, an die historischen Gräueltaten zu erinnern und Diskriminierung in jeder Form entgegenzutreten. Bettel appellierte an die Anwesenden: „Einer Sache gegenüber müssen wir intolerant sein, und das ist Intoleranz!“ 

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