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Wohnungsnot lässt Armutsrisiko steigen
Politik 2 Min. 27.08.2019 Aus unserem online-Archiv

Wohnungsnot lässt Armutsrisiko steigen

Die Preissteigerung auf dem Wohnungsmarkt verschärft die sozialen Ungleichheiten in Luxemburg.

Wohnungsnot lässt Armutsrisiko steigen

Die Preissteigerung auf dem Wohnungsmarkt verschärft die sozialen Ungleichheiten in Luxemburg.
Foto: Guy Jallay
Politik 2 Min. 27.08.2019 Aus unserem online-Archiv

Wohnungsnot lässt Armutsrisiko steigen

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Wohnen in Luxemburg wird von Jahr zu Jahr teurer. Inzwischen leiden auch Bevölkerungsgruppen unter der finanziellen Last, die bislang verschont geblieben waren. Laut dem Statec lassen die Wohnkosten das Armutsrisiko steigen. 2017 war jede vierte Person armutsgefährdet.

Die Zahlen, die der Statec am Dienstag veröffentlicht hat, verheißen nichts Gutes. Immer mehr Menschen drohen durch die steigenden Immobilienpreise in die Armutsfalle zu geraten. Das Statistikamt hat eine Studie erstellt, die zeigt, dass das Armutsrisiko durch die Wohnkosten steigt. 2017 waren 15,8 Prozent der Menschen in Luxemburg armutsgefährdet (vor Abzug der Wohnkosten). Nach Abzug der Wohnkosten liegt das  tatsächliche Armutsrisiko jedoch bei 24 Prozent. Anders ausgedrückt: Die Wohnkosten fressen einen derart großen Teil des Einkommens auf, dass jeder vierte Einwohner von Armut bedroht ist. Wichtig zu erwähnen ist: Dieser Prozentsatz beinhaltet nicht jene, die in einer Sozialwohnung leben oder kostenlos wohnen.



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Am härtesten trifft die Preissteigerung die Bevölkerungsschichten mit geringem Einkommen. Da ihre Löhne und Gehälter nicht in dem Maße steigen wie die Wohnkosten, wird es für sie immer schwieriger, die finanzielle Last zu tragen. 

Wohnkosten steigen stärker als Einkommen

Laut dem Statec ist die finanzielle Last der Wohnkosten zwischen 2012 und 2017 für die Schwächsten der Gesellschaft (unterste Einkommensgruppe) um 20 Prozent gestiegen, bei der zweitschwächsten Einkommensgruppe sogar um 24 Prozent. Für die zweithöchste Einkommensgruppe ist die finanzielle Last im gleichen Zeitraum lediglich um sieben Prozent gestiegen (siehe Grafik* unten).

2017 gaben die 20 ärmsten Prozent der Gesellschaft 42 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen aus. Inzwischen fressen die Wohnkosten bei den Geringverdienern mehr als die Hälfte des verfügbaren Einkommens auf. Bei den 20 reichsten Prozent der Gesellschaft machten die Wohnkosten 2017 lediglich 14,5 Prozent des verfügbaren Einkommens aus. Die Studie zeigt: Bei den Geringverdienern steigen die Wohnkosten stärker als ihr Einkommen, in den hohen Einkommensschichten ist es genau umgekehrt. Die Preissteigerung auf dem Immobilienmarkt trifft demnach vor allem die Schwächsten der Gesellschaft. 

Wer ist von Armut betroffen?

Der Statec hat überdies analysiert, bei welchen Bevölkerungsgruppen sich das Armutsrisiko verschärft hat. Betroffen sind alle Gruppen, außer Eigentümer, die keinen Bankkredit mehr zurückzahlen, und Rentner. 

Luxemburger und Familien ohne Kinder sind am geringsten von der Armutsrisikosteigerung betroffen. 

Familien, die einen Kredit abbezahlen müssen, aber auch Beschäftigte in Führungspositionen und die Mittelschicht sind zunehmend von Armut bedroht. In dieser Gruppe hat sich das Risiko laut dem Statec mehr als verdoppelt. Dabei handelt es sich um Teile der Gesellschaft, die bislang von Armut verschont geblieben waren. 


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Am stärksten trifft die Entwicklung der Wohnkosten die unteren Einkommensschichten, die Arbeiter, Alleinerziehende und Familien mit Kindern. Sie sind aufgrund ihrer Einkommenssituation bereits vor Abzug der Wohnkosten in weiten Teilen armutsgefährdet und sind es danach umso mehr. 

Damit die Statistik über die Entwicklung des Armutsrisikos durch die Preissteigerung auf dem privaten Wohnungsmarkt nicht verfälscht wird, hat der Statec Personen und Haushalte, die in Sozialwohnungen (Gemeinde, SNHBM, Fonds du logement usw.) oder auch in günstigen Studentenwohnungen leben, nicht berücksichtigt.

*In der Grafik Entwicklung der Wohnkosten nach Einkommensgruppe ist zu beachten, dass die Methodologie der Erhebung 2016 geändert hat. Bis 2015 wurden die Daten dem Luxemburger Sozialversicherungssystem entnommen, ab 2016 dem nationalen Personenregister, in dem auch Personen aufgeführt werden, die in Luxemburg leben und arbeiten, aber nicht im Luxemburger Sozialversicherungssystem gemeldet sind. 


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