Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Wohnungsnot bleibt Priorität
Politik 2 Min. 30.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Wohnungsnot bleibt Priorität

Viele Menschen können sich auf dem privaten Immobilienmarkt keine Wohnung leisten.

Wohnungsnot bleibt Priorität

Viele Menschen können sich auf dem privaten Immobilienmarkt keine Wohnung leisten.
Foto: Anouk Antony
Politik 2 Min. 30.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Wohnungsnot bleibt Priorität

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Eine der Prioritäten von Caritas Luxemburg vergangenes Jahr war die Bereitstellung von sozialen Mietwohnungen.

Die jüngsten Meldungen über die soziale Lage in Luxemburg haben deutlich gemacht, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Trotz steigender staatlicher Sozialleistungen braucht es Hilfsorganisationen wie Caritas Luxemburg, um den Schwächsten in der Gesellschaft zu helfen.

Besonders bei der Suche nach einer Wohnung sind viele Menschen auf die Hilfe von Organisationen angewiesen. Wie die Caritas am Dienstag bei der Vorstellung ihres Jahresberichts 2018 in Esch/Alzette mitteilte, wird die Wohnungsnot von Jahr zu Jahr größer. Die Bereitstellung von Wohnraum war eine der nationalen Prioritäten der Caritas im vergangenen Jahr.


Der Fonds du logement baut in den kommenden fünf Jahren 300 Mietwohnungen.
(K)ein Dach über dem Kopf
In Deutschland protestieren die Menschen gegen zu hohe Mieten und für mehr bezahlbaren Wohnraum. In Luxemburg finden zwar keine Proteste statt, doch auch hier setzt die Wohnungsnot die Regierung zunehmend unter Druck.

Die Hilfsorganisation hat ihr Angebot an sozialen Mietwohnungen im Rahmen der Gestion locative sociale um 31 Einheiten auf über 60 Wohnungen erweitert, dies dank zahlreicher Immobilieneigentümer, die bereit waren, ihre Wohnungen für eine erschwingliche Miete zur Verfügung zu stellen, ähnlich den Prinzip der Agence immobilière sociale (AIS).

Integration von Flüchtlingen

Im Rahmen des Projekts "Neien Ufank", finanziert von der "Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte", unterstützte die Caritas 120 Flüchtlingsfamilien (396 Personen) bei ihrer Integration in die Luxemburger Gesellschaft.

Im Rahmen der Resozialisierung von ehemaligen Häftlingen plädiert die Caritas für so genannte "Maisons de transition", in denen die ehemaligen Gefangenen übergangsweise unterkommen, dies um zu verhindern, dass sie nach ihrer Freilassung auf der Straße leben und dort wieder in die Spirale aus Armut und Kriminalität abrutschen.  

In den Notunterkünften der Caritas für Obdachlose übernachteten insgesamt 1.209 Personen (40.287 Nächte)

Ein besonderes Augenmerk gilt benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Ziel ist es, ihnen mit unterschiedlichen Hilfsleistungen unter die Arme zu greifen und dafür zu sorgen, dass sie die Armuts- und Ausgrenzungsspirale durchbrechen und in ein besseres Leben finden. 2018 fanden 10.700 Kinder und Jugendliche in den unterschiedlichsten Hilfsdiensten Unterstützung, von der Unterbringung in einer Struktur über die Teilnahme an Ferienkolonien bis hin psychologischer und schulischer Hilfe und Beratung.  

22.000 Personen konnte die Caritas vergangenes Jahr in Luxemburg auf die eine oder andere Art helfen. Besonders in der Lebensmittelversorgung ist die Bedürftigkeit stark gestiegen. 4.669 Personen (22 Prozent), darunter 1.313 Kinder unter 14 Jahren, suchten einen Caritas Butték auf, weil sie sich die Nahrungsmittel in einem herkömmlichen Supermarkt nicht leisten konnten. Die Caritas betreibt insgesamt vier Sozialläden. 

Knapp 2.700 Personen (zwölf Prozent) benötigten Hilfe bei der Suche nach einer Bleibe. Ebenso viele brauchten Hilfe bei der Suche nach einer Beschäftigung oder Arbeit. 

Caritas Luxemburg ist auch international aktiv. 2018 unterstützte die Hilfsorganisation rund 100.000 Menschen in 17 Ländern und brachte dafür 12,6 Millionen Euro auf. Das meiste Geld floss in Projekte zur Unterstützung der Menschen im Kriegsland Syrien.

Die Herausforderungen für die Zukunft

Die Caritas ist besorgt über die sozial auseinanderdriftende Gesellschaft und appelliert an die Politik, gegenzusteuern, zum Beispiel in der Familienpolitik. Handlungsbedarf sieht die Hilfsorganisation unter anderem bei der Besteuerung von Alleinerziehenden, beim Kindergeld, beim Mindestlohn und beim Tiers payant généralisé. Um Kindern und Jugendlichen aus der Armutsspirale zu helfen, sei eine gute schulische und berufliche Ausbildung notwendig.

Ferner drängt die Caritas darauf, mehr Energie in die Bereitstellung von erschwinglichem Wohnraum zu stecken. Sie hatte den politischen Parteien vor den Wahlen 2018 eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet und hofft nun, dass einige davon auf positive Resonanz stoßen und von der Regierung umgesetzt werden.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Pi mal Daumen
Für wichtige politische Entscheidungen fehlen in Luxemburg in vielen Bereichen verlässliche statistische Daten. Das führt zu einer Politik des Ungefähren.
Statistische Informationen sind eine notwendige Voraussetzung für politische Entscheidungen.
"Öffentliche Hand muss mehr bauen"
Die Regierung steht vor einem Mammutproblem: Sie muss und will bezahlbaren Wohnraum schaffen. Im Interview erklärt die Wohnungsbauministerin, wie sie das Problem anpacken möchte.
Das Mietwohnprojekt "Miwwelchen" des Fonds du logement in Differdingen.
Gutachten zur Rifkin-Studie: Caritas bleibt skeptisch
Rifkin zeichne eine Welt, die nur auf Kostenreduzierung aus sei, befürchtet die Caritas. Hier seien nun die öffentlichen Einrichtungen gefordert, um die negativen Auswirkungen der dritten industriellen Revolution abzufedern.
sdf
Jahresbericht 2014 von Caritas: Mehr Solidarität
"Es reicht nicht, Flüchtlingsdramen im Mittelmeer zu beklagen“, sagt Caritas-Präsidentin Marie-Josée Jacobs. Bei der Präsentation des neuen Jahresberichts ging die Hilfsorganisation besonders auf die Aufnahmebedürfnisse und Unterstützung für Flüchtlinge ein.
Weltweit befinden sich über 50 Millionen Menschen auf der Flucht.