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Wie Wasserstoff die Energiewende unterstützen kann
Politik 4 Min. 27.09.2021
Energiewende

Wie Wasserstoff die Energiewende unterstützen kann

Wasserstoff im Tank lohnt sich höchstens bei Lastwagen, aber nicht für Autos: "Zu teuer", sagt Minister Turmes.
Energiewende

Wie Wasserstoff die Energiewende unterstützen kann

Wasserstoff im Tank lohnt sich höchstens bei Lastwagen, aber nicht für Autos: "Zu teuer", sagt Minister Turmes.
Foto: Shutterstock
Politik 4 Min. 27.09.2021
Energiewende

Wie Wasserstoff die Energiewende unterstützen kann

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Energieminister Claude Turmes (Déi Gréng) stellt die Strategie der Regierung vor: Sieben Maßnahmen sind vorgesehen.

Seit anderthalb Jahren diskutiert die EU über die Nutzung von Wasserstoff als Energieträger, nicht zuletzt um das Klimaziel Null CO2-Ausstoß bis 2050 zu erreichen. Am Montag betonte Energieminister Claude Turmes, Luxemburg habe sich dabei aktiv eingebracht, dass hauptsächlich  „grüner“ Wasserstoff, der mit erneuerbaren Energien produziert ist, genutzt werden soll. 


22.03.11 Windpark Kehmen,Heischent, Windrad,gruener Strom,erneuerbare Energie.Foto:Gerry Huberty
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Wie auch im nationalen Energie- und Klimaplan vorgesehen, legte er eine nationale Wasserstoffstrategie vor. Dabei warnte er aber auch vor zu großen Erwartungen. „Es gibt ein Wunschdenken, aber es ist die Physik, die die Realität abbildet. Bei der Wasserstoffherstellung gibt es zwei Drittel Verlust. Im Vergleich zur Direktelektrifizierung, die 73 Prozent Effizienz bringt, liegt sie beim Wasserstoff bei 22 Prozent.“ 

Energiewende ist große Herausforderung

Luxemburg stehe bei der Energiewende vor großen Herausforderungen, wenn die klimaschädlichen schwarzen CO2-Moleküle, die mit der Nutzung von fossilen Brennstoffen, wie Öl, Kohle oder Gas verbunden sind in den nächsten 20 bis 30 Jahren ersetzt werden sollen. Die Prioritäten liegen dabei auf der Steigerung der Energieeffizienz und der direkten Nutzung von Elektrizität, wie zum Beispiel in Elektroautos oder Wärmepumpen. 

Das sei wirtschaftlich sinnvoller, denn die Herstellung von Brennstoffen auf Wasserstoffbasis sei zu ineffizient, zu kostspielig, und ihre Verfügbarkeit zu unsicher, um damit fossile Brennstoffe auf breiter Front zu ersetzen – etwa in Autos oder beim Heizen von Gebäuden. Wasserstoff erlaube es allerdings, Energie zu lagern und sie ohne CO2-Abdruck wieder abzugeben. „Aber nur, wenn es kein fossiler Wasserstoff ist“, mahnte Turmes.

Claude Turmes warnt vor zu hohen Erwartungen an den Wasserstoff.
Claude Turmes warnt vor zu hohen Erwartungen an den Wasserstoff.
Foto: Guy Jallay

Direkte Elektrizität überragt bei weitem

„Die direkte Elektrifizierung auf Basis von erneuerbare Energien wird mit 80 Prozent eine viel größere Rolle spielen als der Wasserstoff. Er kann eine komplementäre Rolle spielen, wenn es gilt, Sektoren zu integrieren, die schwierig zu elektrifizieren sind, wie Schwerindustrie, Frachtluftfahrt oder Schiffe“, sagte Turmes. 

Drei Unternehmen nutzen Wasserstoff

Derzeit nutzen drei Unternehmen in Luxemburg, darunter Guardian und Ceratizit Wasserstoff. Bei 450 Tonnen Wasserstoff liegt deren jährlicher Verbrauch, der derzeit zu 100 Prozent aus fossilen Quellen stammt. „Das schadet dem Klima, wir müssen zusehen, dass sie bis 2030 progressiv auf grünen Wasserstoff übergehen“, erklärte Turmes. 

Die direkte Elektrifizierung wird mit 80 Prozent eine viel größere Rolle spielen als der Wasserstoff.

Claude Turmes

Da er in den nächsten Jahren aber noch wesentlich teurer sein wird, müssten Unternehmen sowohl beim Austausch der Infrastrukturen als auch beim Wasserstoffverbrauch unterstützt werden. Man müsse auch die Elektrifizierung der Industrie weiter vorantreiben. Paul Wurth arbeite in diesem Sinn an einem Projekt, um bei Hochöfen vom Kohlebetrieb wegzukommen. Turmes sieht aber auch im Transportbereich noch Potenzial für wasserstoffbetriebene LKW.  


IPO,Nationaler Klima-undEnergieplan,Carole Dieschbourg & Claude Turmes. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
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Mit einer klugen und gezielten Nutzung von grünem Wasserstoff könnten beim Ausstoß von Treibhausgasen ein bis zwei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Das wären bis zu 20 Prozent der aktuellen Emissionen. Potenziell könnte der Verbrauch von Wasserstoff von 125.000 Tonnen auf 300.000 Tonnen ansteigen.  

Die sieben Maßnahmen 

Die Wasserstoffstrategie basiert auf sieben Maßnahmen. So möchte Luxemburg in der EU zur Reglementierung beitragen. Es möchte auch mit den Nachbarländern kooperieren, denn Wasserstoff wird künftig vor allem in Spanien und Portugal sowie Schweden und Norwegen produziert und in den Häfen von Amsterdam und Rotterdam gelagert werden. 

Luxemburg möchte sich mit dem Saarland zusammentun, damit es so interessant wird, den Zugang zu den Häfen zu bekommen. Man möchte auch an die aus Spanien und Portugal kommende Pipeline durch Frankreich angebunden werden. 


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Zudem sollen die Weichen für Forschung und Innovation in Luxemburg gestellt werden: Das List arbeitet an einem Projekt, um ohne Elektrolyse an Wasserstoff zu kommen und die Firma Rotarex an Behältern und Ventilen, die den hohen Druck aushalten, den die Lagerung von Wasserstoff erzeugt. 

Es soll auch das Stromnetz in Luxemburg modernisiert werden, denn künftig werden 70 Prozent des Energieverbrauchs über das Stromnetz laufen. Es sollen  aber auch die alten Gasleitungen mit Kunststoff verkleidet werden, damit darin Wasserstoff transportiert werden kann. „Es wird ein europäisches Wasserstoffnetz entstehen und wir müssen schauen, daran angeschlossen zu sein.“

Wasserstoff wird Importprodukt bleiben

Maßnahme fünf ist die Priorisierung in der Energiewende mit dem oben beschriebenen Übergang auf grünen Wasserstoff, Maßnahme sechs die Anreize schaffen für die Industrie durch Hilfen. Und zuletzt soll eine Taskforce  eingesetzt werden gemeinsam mit anderen Ministerien, aber auch der Fedil, die unter anderem analysiert, wie viel Wasserstoff in Luxemburg gebraucht wird. 

Drei Expertenarbeitsgruppen sollen sich mit den Fragen beschäftigen, wie auf eine Null CO2-Industrie übergegangen werden kann, was an Logistik gebraucht wird und wie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit funktionieren soll. 

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