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Kritik an Reformen von Claude Meisch
Politik 3 Min. 28.09.2021 Aus unserem online-Archiv
SNE zur Schulrentrée

Kritik an Reformen von Claude Meisch

Das "Syndicat national des enseignants" stellte am Dienstag seinen Forderungskatalog an Bildungsminister Claude Meisch (DP) vor.
SNE zur Schulrentrée

Kritik an Reformen von Claude Meisch

Das "Syndicat national des enseignants" stellte am Dienstag seinen Forderungskatalog an Bildungsminister Claude Meisch (DP) vor.
Foto: Gerry Huberty
Politik 3 Min. 28.09.2021 Aus unserem online-Archiv
SNE zur Schulrentrée

Kritik an Reformen von Claude Meisch

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Das Lehrersyndikat SNE hat eine ganze Reihe von Forderungen an Claude Meisch, darunter auch ein paar alte, wie die schnelle Eingreiftruppe in den Schulen.

Das „Syndicat national des enseignants“ (SNE) übte am Dienstag Kritik und stellte Forderungen an Bildungsminister Claude Meisch (DP). Dabei griff SNE-Präsident Patrick Remakel gleich zu Beginn die von Minister Meisch angekündigte Einführung einer flächendeckenden Hausaufgabenhilfe und die Reform des „Cours d'accueil“ für „Primo-arrivants“ auf - zwei Maßnahmen, zu denen die Gewerkschaft noch nicht von Minister Claude Meisch befragt worden sei, wie Remakel meinte. 


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Dass die Hausaufgabenhilfe kommen würde, war klar, denn sie steht  im Koalitionsprogramm. Remakel begrüßte, dass die Hausaufgaben wieder einen höheren Stellenwert bekommen sollen. Dennoch blieben viele Fragen offen: „Wie und wo sollen die Hausaufgaben stattfinden?“, fragte Remakel. Wenn sie nicht zu Hause erledigt werden, kämen eigentlich nur noch die Schule oder die Maison relais infrage. 

Der Minister hofft, dass möglichst viele Lehrer diese Aufgabe auf freiwilliger Basis übernehmen, die sie dann als Überstunden verbuchen können. „Doch was ist, wenn nicht genügend Lehrer dafür zur Verfügung stehen?“, gab Remakel zu bedenken. 

Als „schlechten Stil“ und „No-Go“ bezeichnete Remakel den Umstand, dass der Minister noch in diesem Jahr einen Reformentwurf zum „Cours d'accueil“ vorlegen möchte, ohne sich mit den Sozialpartnern vorher beraten zu haben. Für die „Cours d'accueil“ fehle es schon heute an Personal, meinte der SNE-Präsident. „Wenn es also zu einer Reform kommen soll, dann muss zuerst massiv personell aufgestockt werden. Ansonsten braucht der Reformtext gar nicht erst hinterlegt zu werden“, so Remakel. 

Auf jeden Fall müsse sichergestellt werden, dass die „Primo-arrivants“ nach ihrer Ankunft einen intensiven Sprachunterricht erhalten, um eine Chance im hiesigen Schulsystem zu haben. 

Ein weiteres „No-Go“ ist Remakel zufolge die von Minister Meisch angekündigte neue Quereinsteigervariante, die es Bachelor-Absolventen erlaubt, sich in nur einem Jahr an der Uni Luxemburg zum Lehrer ausbilden zu lassen. Das sei ein Schlag ins Gesicht für all jene, die die reguläre Ausbildung absolvieren und führe dazu, dass noch weniger junge Menschen sich für ein vollwertiges Lehramtsstudium entscheiden. Hier lautete der Vorwurf an Claude Meisch, in den vergangenen Jahren nichts unternommen zu haben, um den Lehrerberuf attraktiver zu machen. 


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Claude Meisch stellt Neuerungen zur Rentrée vor
Der Minister will die Schullandschaft weiter diversifizieren, eine kostenlose Hausaufgabenhilfe schaffen und die Schulpflicht verlängern.

Angesichts des Lehrermangels sei es unverständlich, dass die Zahl der Lehramtsstudenten an der Uni Luxemburg nicht signifikant erhöht wurde, so noch der SNE-Vorsitzende. 

Probleme in den Regionaldirektionen

Remakel forderte den Minister dazu auf, sich den sich häufenden Problemen in den Regionaldirektionen anzunehmen. Es gebe in manchen Direktionen Probleme zwischen Direktionsmitgliedern, denen es an sozialen Kompetenzen fehle, und dem Lehrerkorps. Vielerorts würden sich die Lehrer von den Direktionen nicht unterstützt, ja sogar unter Druck gesetzt fühlen. Diese Probleme müssten unbedingt thematisiert werden. 

Paradigmenwechsel

Was die Arbeit mit förderbedürftigen Kindern betrifft, forderte Remakel einen Paradigmenwechsel. Statt der Kinder stünden nach wie vor die Prozeduren im Mittelpunkt. Die Bürokratie müsse unbedingt runtergefahren werden. Remakel wiederholte die bereits vor einigen Jahren formulierte Forderung nach einer permanenten Taskforce, das heißt, eine Präventions- und Interventionsstruktur mit verschiedenen Spezialisten, die direkt in den Schulen angesiedelt ist und sofort intervenieren kann, „wenn es in einer Klasse brennt“. Diese Forderung bedeutet in der Folge eine Umstrukturierung der Direktionen, da dieses Personal derzeit auf der Ebene der Direktionen angesiedelt ist. 

Des Weiteren müssten mehr spezialisierte Lehrer (I-EBS) eingestellt, die multidisziplinären Teams (ESEB) personell aufgestockt und die Fachkräfte aus den Kompetenzzentren in den Schulen eingesetzt werden, statt die Lehrer nur zu beraten. Laurent Berck, zuständig beim SNE für die spezialisierten Lehrer (I-EBS), zufolge gibt es derzeit über 100 I-EBS, 150 waren geplant (ein I-EBS pro Schule), letztendlich aber reiche auch diese Zahl nicht, um den Anforderungen in den Schulen gerecht zu werden, so Berck.

Das SNE fordert des Weiteren eine Lehrerausbildung auf Master-Niveau, eine  Anpassung des Lehrerkontingents, auch unter Berücksichtigung von Kindern mit spezifischen Bedürfnissen, spezialisierte Lehrer im Secondaire für die „Voie de préparation“, sowie ein Corona-Kontingent, um Covid-bedingte Lernrückstände aufzuholen.

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