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Wie sozial ungleich Corona zuschlägt
Politik 3 Min. 01.03.2022 Aus unserem online-Archiv
Covid-19-Studie

Wie sozial ungleich Corona zuschlägt

Der sozio-ökonomische Hintergrund beeinflusst die Impfquote, die Infizierung und die Stärke der Erkrankung.
Covid-19-Studie

Wie sozial ungleich Corona zuschlägt

Der sozio-ökonomische Hintergrund beeinflusst die Impfquote, die Infizierung und die Stärke der Erkrankung.
Foto: dpa
Politik 3 Min. 01.03.2022 Aus unserem online-Archiv
Covid-19-Studie

Wie sozial ungleich Corona zuschlägt

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Eine Studie von Liser und Statec zeigt, dass Alte, Männer, Arme und Ausländer härter von der Pandemie betroffen sind.

Überraschend sind die Resultate der Studie „Le gradient social de l'épidémie“  von Liser und Statec nicht, auch nicht für Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP). „Die Zahlen zeigen, dass die Bevölkerung nicht einheitlich getroffen wurde und wir wissen, dass andere Länder, wie Großbritannien ähnliche Ergebnisse haben“, kommentierte sie die Resultate, wer am meisten von Infektionen, Hospitalisierungen und Sterblichkeit betroffen ist und sich durch die Impfung schützen ließ, die am Dienstag vorgestellt wurden. 


„Es ist nicht nur eine Epidemie der Ungeimpften“
Gerade wegen der Omikron-Variante braucht es eine Beschleunigung der Impfkampagne, so der Direktor der Santé im Interview.

„Wir dürfen nicht nur das Medizinische in Betracht ziehen, sondern müssen bei der Carte sanitaire über die Gesundheitsversorgung auch mehr die sozio-ökononischen Unterschiede berücksichtigen. Von der Förderung eines gesunden Lebensstils angefangen gibt uns die Studie eine Reihe Anhaltspunkte, um das System zu verbessern - keiner soll vergessen werden.“   

Impakt durch Geschlecht, Alter und sozialen Hintergrund 

Vor allem das Alter, aber auch der sozio-ökonomische Hintergrund beeinflussen den Impakt der Pandemie. So waren 27 Prozent der Senioren über 90 mit Covid-19 infiziert, 20 Prozent waren es bei den 15- bis 17-Jährigen und nur zehn Prozent bei den Personen zwischen 65 und 74 Jahren - die niedrigste Quote. 

Haushalte mit einem Lebensniveau unter 25.000 Euro pro Jahr waren zu 15 Prozent von Infektionen betroffen, bei Haushalten, die mehr als 60.000 Euro pro Jahr zur Verfügung haben, waren es zwölf Prozent. Frauen waren leicht mehr infiziert als Männer, wurden aber weniger krank: Männer waren 1,5 Mal mehr im Krankenhaus, doppelt so viel auf einer Intensivstation und starben 1,3 Mal mehr als Frauen an ihrer Covid-Erkrankung - zweimal mehr war es bei der Altersgruppe über 50. 

Auch bei den Hospitalisierungen zeigt sich, dass die Personen unter 65 Jahren im geringeren Maß betroffen waren als die über 85-Jährigen: weniger als ein Prozent gegenüber mehr als fünf Prozent. Und auch hier mussten Personen mit einem niedrigen Lebensniveau 1,6 Mal mehr im Krankenhaus behandelt werden mussten als die Personen mit einem höheren Lebensniveau.

Impfquote hat Impakt

In der Studie wurde auch die Vakzinationsquote mit berücksichtigt. Altersmäßig gesehen waren am 27. Oktober 2021 87,5 Prozent der 75- bis 84-Jährigen und 60 Prozent der 21- bis 29-Jährigen geimpft. Betrachtet man den sozialen Hintergrund, lässt sich erkennen, dass die Wahrscheinlichkeit der Impfung bei den Personen mit niedrigem Lebensniveau (unter 25.000 Euro pro Jahr) bei 58 Prozent lag, 79 Prozent waren es bei den Personen mit höherem Lebensniveau. Dadurch könnten sich teils auch die höheren Infektions- und Krankenzahlen erklären. 


Eine Impfung verringert das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus - und vor allem eines schweren Verlaufs.
0,04 Prozent der voll Geimpften mussten ins Krankenhaus
Die Anzahl der Patienten, die mit einem "Impfdurchbruch" nach der Corona-Impfung stationär behandelt werden, ist extrem gering.

Dass die sozio-ökonomisch Schwächeren mehr von Covid-19 betroffen waren, hat verschiedene Gründe. „Das hängt auch davon ab, wieweit man bei der Arbeit, in der Schule und zu Hause dem Virus ausgesetzt war, sich an die Schutzmaßnahmen hielt, mit Komorbiditäten wie  Fettleibigkeit oder Diabetis zu kämpfen hat und die Impfung akzeptierte“, erklärte Ioana Cristina Salagean vom Statec. Mit Kausalitäten sollte man deswegen vorsichtig sein. 

Weitere Studie zu Nicht-Geimpften

So wiesen die in Italien geborenen Personen beispielsweise zwar eine hohe Impfquote auf, waren aber aufgrund von Faktoren wie Übergewicht eher erkrankt. Bei den in einem ex-jugoslawischen Land Geborenen war die Impfquote die niedrigste und die Ansteckungsrate die höchste. Nicht berücksichtigt wurden Faktoren wie die Wohnsituation und der Bildungsgrad.

Die Studie bezieht sich auf pseudomysierte Daten der Generalinspektion der Sozialversicherung und der Gesundheitsdirektion, die zwischen dem 1. März 2020 und dem 27. Oktober 2021 erhoben wurden, also auf die Zeit vor der Omikron-Variante. Sie betreffen nur Ansässige, die länger als sechs Jahre in Luxemburg sozialversichert sind. 

Es folgt noch eine weitere Studie zu den Personen, die sich nicht impfen ließen. „Wir wollen besser verstehen, was das Problem ist, um bei der Impfkampagne besser und gezielter vorgehen zu können“, sagte Paulette Lenert.   

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