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Wie landesweit zehn Spitalsantennen entstehen sollen
Politik 4 Min. 18.05.2022 Aus unserem online-Archiv
Medizinische Versorgung

Wie landesweit zehn Spitalsantennen entstehen sollen

Ambulant ja, aber: Paulette Lenert und Claude Haagen belassen alles in den Händen der Spitäler.
Medizinische Versorgung

Wie landesweit zehn Spitalsantennen entstehen sollen

Ambulant ja, aber: Paulette Lenert und Claude Haagen belassen alles in den Händen der Spitäler.
Foto: Marc Wilwert
Politik 4 Min. 18.05.2022 Aus unserem online-Archiv
Medizinische Versorgung

Wie landesweit zehn Spitalsantennen entstehen sollen

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Paulette Lenert und Claude Haagen erklären die Etappen für den Ausbau medizinischer Leistungen außerhalb der Krankenhäuser.

Der Tag fing am Mittwoch nicht gut an für Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP). Der CSV-Abgeordnete und Bürgermeister aus dem Osten, Léon Gloden war zu Gast bei RTL-Radio. In seiner Gemeinde Grevenmacher befindet sich das radiodiagnostische Zentrum mitsamt IRM, das seit Wochen nun für Aufregung sorgt. 


AMMD: „Lenert und Haagen täuschen die Öffentlichkeit“
Über die private Radiologie in Grevenmacher gibt es weiterhin Streit. Ärztevertreter sprechen von einem „politischen Durcheinander“.

Entgegen der Aussage der Ministerin vom vergangenen Freitag, dass das CHL das medizinische Zentrum auf dem Potaschberg übernehmen würde, erklärte Gloden, dass die Verhandlungen noch andauerten und es keine Übereinkunft gäbe. Es bestehe lediglich die Absicht, Gespräche zu führen und dabei gehe es um eine Zusammenarbeit, bei der jeder seine Unabhängigkeit behalte und nicht um eine Übernahme. 

„Katastrophale Kommunikation“

Der Abgeordnete sprach von einer „katastrophalen Kommunikation der Gesundheitsministerin“, die bei den betroffenen Ärzten Erstaunen und Wut ausgelöst habe. Nicht zuletzt, weil sie die Verhandlungsvertraulichkeit nicht respektierte. Gloden widersprach auch nochmals der Darstellung, der IRM wäre illegal in Betrieb: „Die Ministerin interpretiert die Gesetzestexte falsch.“ 

Die Ministerin interpretiert die Gesetzestexte falsch.

Léon Gloden

Mittlerweile seien auch schon zwei Patienten des Centre Médical Potaschbierg (CMP) die Rechnung ihrer IRM-Untersuchung von der CNS erstattet worden. Das CMP sei jedenfalls ein wichtiger Schritt hin zu einer dezentralisierten medizinischen Versorgung. 

Näher an den Bürger kommen 

Diese und der IRM waren dann gestern auch Thema in der Gesundheitskommission, denn auf Antrag der CSV musste Lenert sich dort erklären. Im Anschluss trat sie mit Claude Haagen vor die Presse und erläuterte die Etappen, die nun in puncto ambulante Angebote und medizinische Versorgung außerhalb der Spitäler geplant sind. 


Die Finanzierung der Krankenhäuser nach Aktivität und nicht mehr nach globalem Budget wird ein harter Brocken.
Lenert muss an vielen Fronten kämpfen
Als das Regierungsprogramm 2018 geschrieben wurde, wurden viele Herausforderungen im Gesundheitssektor ausgeklammert.

Dabei holte Lenert sehr weit aus, um die Grundprinzipien des Systems in Erinnerung zu rufen – universeller Zugang zu den gleichen Leistungen hoher Qualität für jeden Versicherten, freie Wahl des Gesundheitsdienstleisters, der Therapiefreiheit hat, aber über die obligatorische Konventionierung an die Tarife der CNS gebunden ist. 

Lenert wies aber auch auf die Aufgaben hin, die ihr das Regierungsprogramm auferlegt: Alternativen zur Hospitalisierung anbieten und Wartezeiten, wie für einen IRM herabsetzen und dafür auch Angebote näher am Bürger im Bereich außerhalb der Spitäler schaffen sowie die Spitalsfinanzierung nach einzelnen Akten einführen. 

Finanzierung nach einzelnen Akten

Der Regierungsrat billigte denn auch am Mittwoch ein Gesetzesprojekt, mit dem dezentral über das Land verteilte sogenannte Antennen von Krankenhauszentren geschaffen werden, die zunächst in vier Bereichen tätig sein können: Röntgendiagnostik, nicht chirurgische Hospitalisierungen, Dialyse sowie Onkologie

Diese Antennen werden entweder von Spitälern betrieben oder von Spitälern in Zusammenarbeit mit Ärzten. Dafür arbeiten die Spitalföderation FHL und die Ärzteschaft einen neuen Vertragstyp aus, mit dem nicht zuletzt die Dienstbereitschaft geregelt wird. 

80 Prozent der Kosten sollen vom Staat übernommen werden, neu ist aber, dass die Finanzierung dieser Strukturen, die aus Zeitgründen möglichst nicht neu gebaut werden sollen, sondern auch gemietet werden können, nicht über das Globalbudget der Krankenhäuser läuft. Sie werden pro Akt, der geleistet wird, bezahlt. „Das erlaubt Transparenz“, sagte Lenert.  Jedes Krankenhauszentrum soll nun zwei solcher Antennen bekommen, insgesamt sollen aber zehn neue Standorte entstehen.

Die IRM-Welle rollt  

Denn derzeit gibt es mit dem CHL und den HRS im Zentrum sowie dem CHEM und dem CHdN im Süden und Norden des Landes vier Krankenhauszentren mit sechs Standorten: Das CHEM in Esch hat mit Düdelingen und Niederkorn zwei weitere, das HRS auf dem Kirchberg mit der Zithaklinik und der St.Marie auch, aber das CHL und das CHdN haben mit der Eicher Klinik und der Wiltzer Klinik jeweils nur einen weiteren Standort


Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) hat noch in keiner einzigen brennenden Gesundheitsfrage eine eigene Meinung verlauten lassen oder sich - wie bei der Impfpflicht - so vage geäußert, dass ihre Position nicht erkennbar ist.
Die politische Geisterfahrt von Paulette Lenert
Die LSAP-Ministerin hat keine gesundheitspolitischen Visionen und verbreitet sogar Unwahrheiten.

Nun soll das CHL mit dem Potaschberg, mit dem gerade über eine Zusammenarbeit verhandelt wird, einen weiteren bekommen, wo bereits eine Radiodiagnostik funktioniert. So fehlt nur dem CHdN noch ein weiterer „Site“. Auf alle Fälle wurde vonseiten des Nordspitals nun der Antrag gestellt, einen IRM für die Wiltzer Klinik genehmigt zu bekommen, teilte Haagen mit. Das CHEM will mit einer Gruppe Radiologen Richtung Bad Mondorf gehen und die HRS hatten ja schon angekündigt, eine Antenne mit IRM in Junglinster aufzubauen. 

Es bleibt bei einer zentralistischen und dirigistischen Politik, die nicht zukunftsfähig ist.

Claude Wiseler

Der Regierungsrat billigte zudem gestern ein Gesetzesprojekt zu Gesellschaften, in denen sich Gesundheitsberufe zusammenschließen können, um nicht zuletzt die Kosten teilen oder auch Teilzeit arbeiten zu können. Dieses Projekt hieß Claude Wiseler (CSV) gestern prinzipiell gut: „Wir haben noch keinen Text gesehen, aber es geht in die richtige Richtung“, sagte er auf Nachfrage. 

Das Gesetz zum ambulanten Angebot sieht er dagegen kritisch: „Drei Jahre ist das Gerichtsurteil her, jetzt kommt ein Projekt, das aus Panik heraus entstanden ist. Es bleibt bei einer krankenhauszentrierten, zentralistischen und dirigistischen Politik, die äußerst problematisch und nicht zukunftsfähig ist.“ 

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