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Wie gut funktioniert die Früherziehung?: Ein Drittel der Kleinkinder geht nicht ins Précoce
Politik 3 Min. 11.11.2015 Aus unserem online-Archiv

Wie gut funktioniert die Früherziehung?: Ein Drittel der Kleinkinder geht nicht ins Précoce

Bei rund 38 Prozent der kleinen Teilnehmer der Früherziehung ist die Muttersprache Luxemburgisch.

Wie gut funktioniert die Früherziehung?: Ein Drittel der Kleinkinder geht nicht ins Précoce

Bei rund 38 Prozent der kleinen Teilnehmer der Früherziehung ist die Muttersprache Luxemburgisch.
Foto: Shutterstock
Politik 3 Min. 11.11.2015 Aus unserem online-Archiv

Wie gut funktioniert die Früherziehung?: Ein Drittel der Kleinkinder geht nicht ins Précoce

Sie bereitet auf die Schule vor und entwickelt die Sprachkenntnisse: Die Früherziehung hat in einer Studie des Bildungsministeriums gute Noten erhalten. Allerdings: 36,5 Prozent der Kinder besuchen gar nicht den Précoce.

(BB/DS) - Obligatorisch ist die Früherziehung nicht. Die Eltern können ihr Kind ab dem dritten Lebensalter in der Education précoce einschreiben, müssen dies aber nicht. Das einjährige Angebot bereitet die Kleinen auf die Vorschule vor, führt sie spielerisch an Sprachkenntnisse sowie soziale Kompetenzen heran. So sieht es jedenfalls das Bildungsministerium vor.

Im Schuljahr 2013/2014 besuchten landesweit 4.286 Kinder die Früherziehungsklassen. Im Jahr davor waren es 4.145 und im Schuljahr 2011/2012 4.252. Die Klassen zählen durchschnittlich 16 Kinder, in einigen Fällen können es aber auch mehr als 20 sein. Diese Zahlen gehen aus der neusten Studie des des Unterrichtsministeriums  und der Uni Luxemburg zum Précoce hervor.

100 verschiedene Nationalitäten

56 Prozent der Kinder hatten die luxemburgische Staatsangehörigkeit, 21 Prozent die portugiesische und sechs Prozent die französische. Insgesamt waren Kinder aus fast hundert verschiedenen Ländern in den Précoce-Klassen eingeschrieben. Auch wenn die kleinen Luxemburger leicht in der Überzahl sind, so heißt dies aber nicht, dass die luxemburgische Sprache im Précoce überwiegt: Nur 38 Prozent der Kinder haben Luxemburgisch als Muttersprache, 26 sprechen Portugiesisch,  15 Prozent sind französische Muttersprachler. Weitere Muttersprachen sind Englisch, Italienisch, Deutsch, Serbisch, Montenegrinisch, Spanisch, Bosnisch, Chinesisch usw.

Positive Sprachförderung

Im freiwilligen Zyklus 1.1 der Grundschule werden die Kleinkinder sprachlich fit gemacht. Lehrer und Erzieher fördern die Luxemburgischkenntnisse, was als eigentliches Ziel der Früherziehung gilt. Insgesamt haben Eltern, Lehrvertreter und Gemeinden den Précoce in der Umfrage positiv bewertet.

Nun bestätigt die Studie zwar die Bedeutung der Sprachförderung, Vergleiche mit anderen Kindern werden allerdings nicht gezogen. Immerhin besuchen 36,5 Prozent der Kleinkinder nicht die Früherziehung, wie der Bericht erwiesen hat. Unklar ist, was mit jenen Dreijährigen passiert, die nicht daran teilnehmen. "Leider wird diese Frage nicht beantwortet", moniert die CSV-Abgeordnete Martine Hansen nachdem die Studie in der parlamentarischen Unterrichtskommission vorgestellt wurde. . Sie weist darauf hin, wie wichtig es ist, dass die Kleinen die luxemburgische Sprache für den späteren Bildungsweg gut beherrschen.

Wie gut der Précoce funktioniert und wie die Beteiligung daran erhöht werden könnte, sind zwei Fragen von zentraler Bedeutung. Besonders im Hinblick auf die zweisprachige Förderung von Kleinkindern, die Bildungsminister Claude Meisch vorschwebt, muss zunächst geklärt werden, ob das jetzige Modell überhaupt den Eltern und Kindern entgegenkommt. 

Besserer Betreuungsbedarf

Die Studie lässt erkennen, dass besonders berufstätige Eltern von der Früherziehung absehen, wenn das Zusammenspiel zwischen Schule und Maison relais nicht gewährleistet ist. "Für die Eltern kann es ein Hemmnis sein", gibt der DP-Abgoerdnete Gilles Baum zu bedenken. "Wenn das Kind vormittags am Précoce teilnimmt,  nachmittags aber nicht in einer Maison relais betreut werden kann, ist es für berufstätige Mütter und Väter schwierig alles zu bewerkstelligen." Das Angebot für Kleinkinder müsse demnach verbessert werden, so der Abgeordnete.

Claude Adam von Déi Gréng weist seinerseits auf das Wohl des Kindes hin. Kleinkinder würden oft zwischen der Schule und Betreuungseinrichtungen hin und hergeschoben, was viel Unruhe verursache. 

Einfachere Lösungen für die Eltern, Konzepte zum Wohl des Kindes und neue Wege zur Förderung der Mehrsprachigkeit sind drei Aspekte, die hinsichtlich einer effizienteren Früherziehung gebündelt werden müssen.

Studie als Denkanstoß

Unterrichtsminister Claude Meisch will die Studie als Denkanstoß verstanden wissen. "Wir werden die einzelnen Vorschläge nun mit allen Beteiligten besprechen, bevor wir Änderungen vornehmen." Eine Piste könnte z.B. die bessere Abstimmung zwischen Précoce und Maison Relais sein. 


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