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Wie das CHEM die Umweltklinik torpediert
Politik 3 Min. 07.02.2022 Aus unserem online-Archiv
Krankheiten durch Schadstoffbelastungen

Wie das CHEM die Umweltklinik torpediert

Lange hat das CHEM für die Umweltklinik und gegen starke Konkurrenz gekämpft, jetzt lässt man das Projekt aus dem Koalitionsprogramm fallen: Was sagt die Ministerin dazu?
Krankheiten durch Schadstoffbelastungen

Wie das CHEM die Umweltklinik torpediert

Lange hat das CHEM für die Umweltklinik und gegen starke Konkurrenz gekämpft, jetzt lässt man das Projekt aus dem Koalitionsprogramm fallen: Was sagt die Ministerin dazu?
Lex Kleren
Politik 3 Min. 07.02.2022 Aus unserem online-Archiv
Krankheiten durch Schadstoffbelastungen

Wie das CHEM die Umweltklinik torpediert

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Am Dienstag interpelliert Marc Hansen (Déi Gréng) die Regierung: Steht Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) zum Koalitionsprogramm?

Nun also doch keine Umweltklinik im Escher Centre Hospitalier Emile Mayrisch (CHEM)? Generaldirektor Dr. René Metz sorgt mit seiner Entscheidung, Umweltpatienten nur ambulant betreuen zu wollen für politischen Wirbel, über den am Dienstag auch das Parlament debattiert. 


Hoffnung für Schadstoffpatienten
Die Umweltmedizin wird künftig eine immer größere Rolle spielen. Nach fast 20 Jahren soll sie in Luxemburg ein nationales Zentrum bekommen.

Denn vor zwei Jahren war die Freude noch groß, als der damalige Gesundheitsminister Etienne Schneider (LSAP) beschloss, dass das Centre Hospitalier Emile Mayrisch (CHEM) eine so genannte clean Unit einrichten soll. Schließlich sieht das Koalitionsprogramm ausdrücklich einen stationären Nationalen Service für Umweltmedizin vor. 

Schneider zog in einer rein politischen Entscheidung das vom damaligen CHEM-Generaldirektor Dr. Hansjörg Reimer eingereichte Vorhaben, im Niederkorner Spital auf 200 qm Fläche zwei stationäre Betten und sechs ambulante Behandlungsplätze für die Umweltmedizin einzurichten, dem von den Hôpitaux Robert Schuman (HRS) vorgelegten Projekt vor. 

500 qm im obersten Stock eines neuen Gebäudes hätten dort für den Nationalen Service für Umweltmedizin zur Verfügung gestanden – baubiologisch „clean“ gebaut, abgeschirmt von allen elektromagnetischen Strahlungen und mit eigenem Eingang, zwei stationären Betten sowie zwölf ambulanten Behandlungsplätzen

Pilotprojekt bis das Südspidol steht 

Dr. Reimer wollte als Übergangslösung bis die Umweltklinik im künftigen Südspidol eine feste Bleibe erhält, ein vom Gesundheitsministerium und nicht über die Gesundheitskasse finanziertes Pilotprojekt starten. 

Auf Tarifverhandlungen für die Behandlungsakte und die speziellen Laboruntersuchungen zu warten, würde zu viel Zeit kosten, meinte er und wollte Ende 2020 bis Anfang 2021 loslegen. Am 1. September 2020 trat er jedoch zurück und Dr. René Metz übernahm am 1. Februar 2021 den Posten des Generaldirektors. 


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Nun streicht Dr. Metz das Projekt zusammen. Ihm schwebt zunächst eine ambulante Versorgung von Umweltpatienten vor, indem im CHEM eine Anlaufstelle für Umweltpatienten und Umweltmediziner geschaffen wird. Dort sollen Patienten, Ärzte, die Forschungsmöglichkeiten des Staatslabors sowie die Universität Luxemburg, die künftig Weiterbildungen in Umweltmedizin anbieten soll, vernetzt werden. 

Es sei ein medizinisches Konzept, das es in ähnlichen Formen gebe und entspreche dem, was an vielen Orten in Europa unter Umweltmedizin verstanden werde, so seine Einschätzung. 

20 Jahre Warten auf Umweltmedizin 

Die ersten Diskussionen über die Umweltmedizin führte der Verwaltungsrat des CHEM schon im Jahr 2001, 2012 wurde bei der Commission Permanente pour les Hôpitaux (CPH) erstmals ein Projekt für eine Umweltklinik eingereicht. Das verschwand allerdings sang- und klanglos in der Schublade der Gesundheitsdirektion. 2013 und dann wieder 2018 wurde es ins Koalitionsprogramm aufgenommen. 

Dort ist festgehalten: eine Aus- und Weiterbildung in der Umweltmedizin für Ärzte, der stationäre Nationale Service für Umweltmedizin, Tarife für die auf europäischem Niveau anerkannten Diagnostiken und Therapien im Bereich der Umweltmedizin, kostenlose Schadstoffanalysen auf ärztliches Rezept hin und eine nationale Strategie zur Umweltgesundheit, die vom Gesundheits-, Sozial-, Arbeits-, Umwelt- und Landwirtschaftsministerium erarbeitet wird. 

Vor fast einem Jahr, am 4. März hatte der Déi Gréng-Abgeordnete Marc Hansen bereits die Interpellation zum Thema Umweltmedizin beantragt. Er möchte von der Regierung wissen, wie die Übergangslösung für die Umweltklinik voranschreitet, die im Niederkorner Spital geplant war, wie es mit der Anpassung der Nomenklatur um Tarife für umweltmedizinische Behandlungsakte steht, wie um die Rückerstattung der Schadstoffanalysen, wie um die nationale Strategie zur Umweltgesundheit oder die Informationspolitik zur Umweltmedizin und die Betreuung der Patienten. 


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Das CHEM-Projekt von Dr. Reimer zum Nationalen Service für Umweltmedizin wurde im Gesundheitsministerium vorgestellt. Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) war zwar nicht anwesend, müsste das Projekt aber kennen. Man kann nun gespannt sein, wie sie sich heute positioniert. Denn eigentlich müsste sie in erster Linie dem Koalitionsprogramm verpflichtet sein.

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