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Werteunterricht: Meisch: "Eine große Herausforderung"
Im Secondaire wird das neue Fach "Leben und Gesellschaft" im Herbst 2016 eingeführt.

Werteunterricht: Meisch: "Eine große Herausforderung"

Foto: Gerry Huberty
Im Secondaire wird das neue Fach "Leben und Gesellschaft" im Herbst 2016 eingeführt.
Politik 2 Min. 04.02.2016

Werteunterricht: Meisch: "Eine große Herausforderung"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Im Dossier Werteunterricht meldete sich nun der zuständige Minister zu Wort. Bei einer Pressekonferenz war Claude Meisch bemüht, die Arbeiten an dem neuen Fach in ein positives Licht zu rücken.

(mig) - Die Arbeiten an dem neuen Fach "Leben und Gesellschaft", das den aktuellen Religions- und den Moral- und Sozialunterricht ersetzen wird, schreiten voran. Im November wurde der Rahmenlehrplan vorgestellt, der Bildungsminister Claude Meisch zufolge auf einem Konsens basiert, der innerhalb der Arbeitsgruppe mit religiösen und laizistischen Vertretern erzielt worden sei.

Doch weder die religiösen noch die laizistischen Vertreter sind zufrieden mit dem Dokument. In einer Stellungnahme Ende Januar beschwerten sich die Glaubensgemeinschaften (Conseil des cultes) darüber, dass im Fondamental nicht ein einziges Mal vom Christentum die Rede sei. Das Cercle des associations laïques (CCAL) beschwerte sich Anfang der Woche darüber, dass weder ein didaktisches Konzept noch Unterrichtsmaterialien vorliegen.

Das Cercle hat zudem ein eigenes Konzept für den Werteunterricht ausgearbeitet, "mit Referenzen zu Unterrichtsinhalten der Fachrichtung praktische Philosophie aus Nordrhein-Westfalen, die wir auch diskutiert und an denen wir uns auch inspiriert haben", so Meisch, der die Kritik beider Seiten als "überzogen" bezeichnete und von einem medialen Hype sprach. "Der Konsens innerhalb der Arbeitsgruppe ist größer als das in der Öffentlichkeit den Anschein hat", so der Bildungsminister.

Der weitere Werdegang

Am Rahmenlehrplan wird noch weiter gefeilt. Meisch versprach konstruktive Vorschläge, die aus weiteren Gutachten zum Rahmenlehrplan hervorgehen, in das Dokument einfließen zulassen, was allerdings, zumindest für das Secondaire, wenig wahrscheinlich ist, da der Gesetzestext am 5. Februar vom Ministerrat gebilligt, im Parlament hinterlegt und anschließend vom Staatsrat begutachtet wird.

Im Secondaire soll das neue Fach ab September 2016 unterrichtet werden. Bis dahin müssen über 100 Unterrichtseinheiten erarbeitet und die passenden Unterrichtsmaterialien bereitgestellt werden. Laut dem deutschen Erziehungswissenschaftler Jürgen Oelkers, der die Arbeiten als Experte begleitet, sollen im Herbst bestehende, neue und aus dem Ausland übernommene Materialien zum Einsatz kommen. Im LW-Interview meinte er, man dürfe sich nichts allzu Perfektes erwarten.

16 Stunden Weiterbildung

Nichts Perfektes erwarten darf man sich wohl auch in Bezug auf die Vorbereitung der Lehrer, die das Fach ab September unterrichten. Die heutigen Religions- und Ethiklehrer erwartet eine Weiterbildung von gerade einmal 16 Stunden. Eine Pilotphase für das Fach ist nicht vorgesehen.

Zukunft der Religionslehrer im Fondamental

Die Religionslehrer im Fondamental werden vom Staat übernommen. Lehrer mit einem Abitur bzw. Hochschulabschluss werden nach einer 120-stündigen Weiterbildung in die "réserve de suppléants", in der sich die Lehrbeauftragten (Chargés) befinden, aufgenommen. Sie haben danach die Möglichkeit, im Rahmen einer zweijährigen, berufsbegleitenden Weiterbildung an der Uni Luxemburg das Lehrerdiplom nachzuholen. Allen anderen stellt das Bildungsministerium, ebenfalls nach einer 120-stündigen Weiterbildung, "sinnvolle Aufgaben" z. B. im Betreuungs-, Jugend- (SNJ) oder Behindertenbereich (Education différenciée) in Aussicht.

Die noch ungelöste Frage der Personalübernahme ist Claude Meisch zufolge auch der Grund dafür, dass der Werteunterricht in der Grundschule erst 2017/18 eingeführt wird.

 


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