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"Wenn die Polizei kommt, ist es zu spät"
Politik 2 Min. 12.11.2021
Häusliche Gewalt

"Wenn die Polizei kommt, ist es zu spät"

Polizeiminister Henri Kox, Gleichstellungsministerin Taina Bofferding und Justizministerin Sam Tanson stellten am Freitag die neue Strategie gegen die häusliche Gewalt vor.
Häusliche Gewalt

"Wenn die Polizei kommt, ist es zu spät"

Polizeiminister Henri Kox, Gleichstellungsministerin Taina Bofferding und Justizministerin Sam Tanson stellten am Freitag die neue Strategie gegen die häusliche Gewalt vor.
Foto: Marc Wilwert
Politik 2 Min. 12.11.2021
Häusliche Gewalt

"Wenn die Polizei kommt, ist es zu spät"

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Die Minister Bofferding, Tanson und Kox haben der häuslichen Gewalt den Kampf angesagt. Ein Schwerpunkt der Strategie liegt auf der Prävention.

Mit Taina Bofferding (LSAP), Sam Tanson und Henri Kox (beide Déi Gréng) traten am Freitag gleich drei Minister an, um die neue Strategie der Regierung im Kampf gegen die häusliche Gewalt vorzustellen. Drei Minister deshalb, weil die Strategie eine „multidimensionale Vorgehensweise“ darstellt, wie Gleichstellungsministerin Bofferding zu Beginn der Pressekonferenz betonte. In die Strategie eingeflossen sind die Erkenntnisse einer interministeriellen Arbeitsgruppe, die in den vergangenen Monaten zusammen mit der Staatsanwaltschaft die verschiedenen Aspekte der häuslichen Gewalt untersucht hat.


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Die Strategie fußt auf vier Schwerpunkten. Zum einen muss der gesetzliche Rahmen in einigen Punkten überarbeitet werden. Ganz neu ist der sogenannte „bracelet anti-rapprochement“, den es bereits in Frankreich gibt und der verhindern soll, dass sich Täter ihren Opfern unerlaubterweise nähern. Die spezielle Fußfessel mit GPS-Sender werde nicht generell zur Anwendung kommen, sondern vor allem bei Wiederholungstätern, erklärte Justizministerin Sam Tanson.

18 Prozent Wiederholungstäter

Von den 943 Fällen, in denen die Polizei im vergangenen Jahr wegen häuslicher Gewalt eingreifen musste, kam es in 278 Fällen zu einer Wegweisung, davon gingen 18 Prozent auf das Konto von Wiederholungstätern.


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Damit die Maßnahme erfolgreich ist, braucht es auch geschultes Personal. Wie Minister Kox erklärte, soll deshalb bei der Polizei eine spezielle Einheit ins Leben gerufen werden, dies im Zuge der verstärkten Einstellung von neuen Polizeibeamten. Der neuen Abteilung werden auch Psychologen angehören. 

Die Fußfessel ist Teil des Opferschutzes, der mit der neuen Strategie ausgebaut wird. So soll die Betreuung der Opfer verbessert werden, etwa indem eine zweite Dienstelle eingerichtet wird, erklärte Bofferding. Geplant ist auch, dass die Opfer, wenn sie dies wollen, genau über den Werdegang ihrer Peiniger informiert werden, etwa wann sie aus der Haft entlassen werden.

Die Täter selbst werden engmaschiger betreut. Bislang geschah dies nur auf freiwilliger Basis. Nun soll die Betreuung obligatorisch werden, die Täter müssen sich also mit ihren Taten auseinandersetzen.

Prävention wird ausgebaut

Ein weiterer Schwerpunkt der Strategie liegt auf der Prävention. „Wenn die Polizei kommt, ist es meist schon zu spät“, resümierte Polizeiminister Kox. Deshalb baut das Gleichstellungsministerium sein Angebot aus, die Anlaufstellen sollen in den Fokus gestellt werden. Man versuche, alle Betroffenen zu erreichen, häusliche Gewalt finde sich in allen sozialen Schichten und Kulturen. Erklärtes Ziel ist es, dass Personen, die Opfer von häuslicher Gewalt werden, wissen an wen sie sich wenden können.


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Um das Problem besser zu erfassen, braucht es auch genauere Statistiken. Es ist dies der vierte Pfeiler der nationalen Strategie gegen häusliche Gewalt. 

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