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Wenn der Regen ausbleibt,kommt das Geld vom Himmel
Politik 1 4 Min. 16.09.2014 Aus unserem online-Archiv
CelsiusPro

Wenn der Regen ausbleibt,kommt das Geld vom Himmel

Politik 1 4 Min. 16.09.2014 Aus unserem online-Archiv
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Wenn der Regen ausbleibt,kommt das Geld vom Himmel

Eine Schweizer Firma versichert arme äthiopische Bauern gegen Dürre. Für fünf Dollar im Jahr, 6 000 machen bereits mit. Wie schafft man das in einem Land, in dem Versicherungen kaum bekannt sind?

VON CHRISTIAN ZÜRCHER (TAGES-ANZEIGER)

Eine Schweizer Firma versichert arme äthiopische Bauern gegen Dürre. Für fünf Dollar im Jahr, 6 000 machen bereits mit. Wie schafft man das in einem Land, in dem Versicherungen kaum bekannt sind?

Fehlt der Regen, gerät der äthiopische Bauer Ararso Wolsene in Not: Seine Ernte vertrocknet, als Eigenversorger hungert er mit seiner Familie. Die wichtigsten Jahreseinnahmen fallen weg, er muss Tiere notschlachten. Andere Bauern müssen die Kinder von der Schule nehmen, weil sie sich die Gebühren nicht mehr leisten können, vielen droht gar die Migration.

Die Schweizer Firma CelsiusPro will dies verhindern. Seit 2013 bietet sie den Bauern Versicherungen gegen Dürre an. Das Prinzip ist simpel: CelsiusPro teilt das Land in Raster und misst mittels amerikanischen Wettersatelliten den Niederschlag in jenen Gebieten. Der Bauer zahlt dem Unternehmen eine Jahrespolice von umgerechnet fünf Dollar, was rund der Hälfte eines Monatslohns entspricht. Im Gegenzug verspricht CelsiusPro den Bauern Entschädigungen, falls der Regen ausbleibt.

Ein Beispiel: Fallen in Bauer Wolsenes Anbaugebiet „Sato Luku“ während der Anbauperiode weniger als 43 Millimeter Regen, bekommt er seine Versicherungspolice zurück – jeder weitere Millimeter weniger Regen löst zusätzliche Zahlungen bis auf maximal 25 Dollar aus. Den Bauern die Versicherung schmackhaft zu machen, sei nicht einfach gewesen, sagt Teresa Schorstein von CelsiusPro: „Erst mussten wir erklären, was eine Versicherung überhaupt ist, dann wie sie funktioniert.“

In vielen Ländern Afrikas sind Versicherungen grundsätzlich wenig bekannt, handle es sich um Gesundheit, Leben oder Hausrat, geschweige denn Regen. Von Satelliten hatten viele Bauern ebenso wenig gehört, in den Schulungen beschrieb man sie als „Kameras, ganz weit oben im Himmel“. Die Schulungen wurden häufig auf den Feldern unter Bäumen abgehalten. Die Bauern waren erst skeptisch: Was passiert, wenn falsch gemessen wird? Wie lange muss ich auf das Geld warten? Wie funktioniert die Auszahlung?

Rollenspiele 
zur Überzeugung

„Meist gab es in den Dörfern einen Meinungsführer, diesen musste man vom Projekt überzeugen“, sagt Schorstein. Da viele Bauern in Äthiopien Analphabeten sind, konnte die Firma nicht auf Broschüren oder Flyer zurückgreifen. Also verlegte man sich auf Rollenspiele. „Wir teilten die Bauern in zwei Gruppen – mit und ohne Versicherung“, sagt Schorstein, „dann simulierten wir eine Dürreperiode“. Die Bauern mit Versicherung bekamen Geld, jene ohne mussten ihr Vieh schlachten und schließlich in Flüchtlingslager ziehen. „Heute ist der Verkauf der Police und die Auszahlung mit viel Aufwand verbunden“, sagt Mark Rüegg, Gründer und CEO von CelsiusPro, „wir müssen in die Dörfer reisen, um die Policen zu verkaufen, aber auch um die Prämien auszuzahlen.“

Ziel sei es, dass dieser Prozess automatisiert abläuft. Deshalb arbeitet CelsiusPro mit örtlichen Telefongesellschaften zusammen. Kauf und Auszahlung sollen über das Handy-Abonnement laufen. Rüegg ist ein ehemaliger Investmentbanker, der für die UBS in London Währungen gehandelt hat. Wenn man sich bei Devisen gegen Risiken absichern kann, dann sollte dies doch auch beim Wetter funktionieren, dachte er.

Also gründete er 2008 CelsiusPro und beschränkte sich erst auf den Schweizer Markt der Kleinen und Mittleren Unternehmen: Verspricht beispielsweise das Skigebiet Arosa eine Geld-zurück-Garantie bei weniger als 60 Skitagen, ist CelsiusPro im Spiel. Will sich ein Open-Air gegen schlechtes Wetter und damit weniger Zuschauer finanziell absichern, hilft CelsiusPro. Hat ein Energiekonzern Angst vor einem kalten Winter, spricht er mit CelsiusPro. 2012 suchte das äthiopische Landwirtschaftsministerium zusammen mit einer japanischen NGO eine Lösung für die Regenrisiken der Bauern.

Anlass waren regelmäßig auftretende Dürreperioden, welche die Bauern immer wieder vor Existenzprobleme stellten – 80 Prozent der äthiopischen Bevölkerung, etwa 60 Millionen Menschen, leben von der Landwirtschaft.

Die Wahl des Landwirtschaftsministeriums fiel auf CelsiusPro, den weltweiten Marktführer für Technologie zur Berechnung von Wetterrisiken. Zusammen mit lokalen Versicherern und dem Rückversicherer Swiss Re hat das Unternehmen schließlich ein Produkt kreiert, das die Menschen in Äthiopien weniger verwundbar gegen Trockenheit macht.

„Das Produkt soll neben seinem humanitären Charakter auch rentieren“, stellt Rüegg klar, „nur so kann das Projekt auch nachhaltig bestehen“. CelsiusPro bekommt neben einem Beratungshonorar auch eine Provision pro verkaufte Police. Das Projekt findet unter den äthiopischen Bauern Anklang: Mittlerweile machen 6 000 Bauern aus 45 Dörfern – sogenannten Kebeles – von der Versicherung Gebrauch, gestartet hatte man mit 1 300 Bauern aus 15 Kebeles. 

„Lebensqualität
 gewonnen“

Rüeggs Ziel ist es, weitere Bauern für das Projekt zu gewinnen, dazu ist man mit Ländern wie Nigeria und Bangladesch für ähnliche Projekte im Gespräch. Bauer Wolsene hat im zweiten Jahr erneut eine Versicherung gekauft, obschon es im ersten Jahr genug geregnet hatte und keine Prämien ausbezahlt wurden. „Ich habe in erster Linie Lebensqualität gewonnen“, sagt Wolsene, „auch wenn es nicht regnet, weiß ich, dass ich abgesichert bin und mit meiner Familie in jedem Fall über die Runden komme“.


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