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Wenn das Ausländerwahlrecht kommt: Potentiell 105.000 neue Wähler an der Urne
Politik 18.05.2015

Wenn das Ausländerwahlrecht kommt: Potentiell 105.000 neue Wähler an der Urne

Wie viele Personen dürfen zur Urne schreiten, sollte das Ausländerwahlrecht eingeführt werden? Und welche Bildung, welche Jobs haben diese ausländischen Wähler? Das Statistikamt Statec hat einige interessante Zahlen zutage gefördert.

(ks) - Wie sieht die Wählerschaft aus, wenn das Ausländerwahlrecht eingeführt wird? Das Statistikamt Statec hat versucht, diese Frage zu beantworten. Wir fassen die  wichtigsten Punkte ihrer Studie zusammen.

Die Anzahl der potentiellen ausländischen Wähler

Zum 1. Februar 2011 lebten 88.552 Ausländer (18 Jahre und älter) seit mindestens zehn Jahren in Luxemburg. Die Residenzdauer ist eine Bedingung, um an den Legislaturwahlen teilnehmen zu können, sollte die Frage nach dem Ausländerwahlrecht mehrheitlich mit "Ja" beantwortet werden. Hochgerechnet auf das Jahr 2015 würde dies bedeuten, dass rund 105.000 Personen ohne luxemburgische Staatsangehörigkeit wahlberechtigt wären.

Aber: Um als Ausländer an den Parlamentswahlen teilnehmen zu dürfen, muss diese Person zuvor bei den Kommunal- oder Europawahlen in Luxemburg abgestimmt haben. Bezieht man diese Bedingung mit ein, bleiben aktuell 35.000 potentielle Wahlteilnehmer, die nicht die luxemburgische Staatsangehörigkeit besitzen. Da allerdings vor den nächsten Parlamentswahlen noch auf kommunaler Ebene abgestimmt wird, hätten letztlich dennoch potentiell 105.000 Personen die Möglichkeit, auch an den darauffolgenden Parlamentswahlen ihre Stimme abzugeben.

Repräsentativität des Wahlergebnisses

Bei den Luxemburgern waren zum 1. Januar dieses Jahres 245.092 Personen wahlberechtigt. Sie repräsentieren 55 Prozent der Bevölkerung ab 18 Jahren. Kommen die potentiellen ausländischen Wähler hinzu, steigt dieser Wert auf 78 Prozent.

Der typische ausländische Wähler

Der ausländische Wähler ist im Durchschnitt drei Jahre jünger als der wahlberechtigte Luxemburger, der ein Alter von 49,6 Jahren erreicht. Er ist häufiger in Beschäftigung und seltener in Rente als der Luxemburger.

Wenn er zur aktiven Bevölkerung gehört, arbeitet er häufiger im Privatsektor (76,6 Prozent) denn im öffentlichen Dienst. Bei den luxemburgischen Wählern ist mehr als jeder Dritte beim Staat angestellt (36,3 Prozent), bei den ausländischen Wählern ist dies nur eine Minderheit (5,8 Prozent).

Auch hinsichtlich der Tätigkeit unterscheiden sich die beiden Gruppen. "Hemdträger" sind unter der luxemburgischen Wählerschaft weiter verbreitet, "Blaumannträger" eher unter der potentiellen ausländischen Wählerschaft.

Signifikante Unterschiede bestehen auch hinsichtlich der schulischen Bildung, wobei die heutige luxemburgische Wählerschaft länger die Schulbank gedrückt hat als die potentiellen Wähler mit ausländischem Pass. Beim Hochschulabschluss liegen die Werte wieder auf einem Niveau.



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