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Was man über Paul Eyschen wissen sollte
Politik 2 Min. 11.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Vor hundert Jahren gestorben

Was man über Paul Eyschen wissen sollte

Vor hundert Jahren gestorben

Was man über Paul Eyschen wissen sollte

Politik 2 Min. 11.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Vor hundert Jahren gestorben

Was man über Paul Eyschen wissen sollte

Vieles hat man ihm zu verdanken. Die Kranken- und Unfallversicherung, die Boulevards und Parks der Stadt Luxemburg, viele Schulen. Acht Dinge, die man über Paul Eyschen an seinem 100. Todestag wissen sollte.

(mt) - Ein Mann, ein Leben. Was man von Paul Eyschen zurückbehalten soll.

Er war der bislang am längsten amtierende Staatsminister in Luxemburg

Während 27 Jahren saß Paul Eyschen, geboren 1841 in Diekirch, gestorben 1915 in der Hauptstadt, als Regierungschef an den Hebeln der Macht. Nachdem er 1866 als Abgeordneter gewählt wurde, kam er 1876 als Generaldirektor für Justiz in die Regierung von Félix de Blochhausen und wurde 1888 zum Staatsminister. Er war von 1875 bis 1888 auch Geschäftsbeauftragter, als Botschafter, gegenüber der deutschen Regierung.

Er führte die Krankenversicherung ein

Eyschen ist der Vater der nationalen Sozialgesetzgebung und der obligatorischen Kranken- und Unfallversicherung in Luxemburg. Am 30. Juli 1901 hat das Parlament das Gesetz dazu gestimmt. Eyschen wollte mit seiner Sozialpolitik die Unabhängigkeit Luxemburgs festigen und das Volk einen. Die Idee dazu hatte er sich beim deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck geholt, der seinem Volk 1883 eine Krankenversicherung und 1884 eine Unfallversicherung geschenkt hatte.

Er war ein Verfechter der "Lëtzebuerger Sprooch"

Als erster echter Verfechter der Luxemburger Sprache ließ Eyschen 1903 das Dicks-Lentz-Monument zu Ehren der beiden Nationaldichter Michel Lentz (1820-1893) und Edmond de la Fontaine (1823-1891), genannt Dicks, errichten. Eyschen liebte die „Lëtzebuerger Sprooch“, die damals noch ein Dialekt war. Eyschens Rede bei der Einweihung des Dicks-Lentz-Monumentes wurde in den Schulbüchern veröffentlicht: „Räich ass net ons Sprooch, zemol net an de Wierder. Ma ´t ass e gudde gesonde Familljekascht fir Bierger a Bauer.“

Er rettete Relikte der Festung

Luxemburg verdankt Eyschen den Erhalt einiger Relikte der alten Festung. Er kam in die Regierung, als die Festung geschleift wurde. Vor allem die Deutschen in der Überwachungskommission wollten so viel wie nur möglich von Vaubans Bollwerk abtragen. Eyschen wehrte sich. Ihm ist es zu verdanken, dass die Vauban-Pforten, die Tour 
Malakof, die Rahm-Türme, und das Fort Thüngen der Nachwelt erhalten geblieben sind.

Er war der Bauherr der Stadt Luxemburg

Eyschen ist auch der Vater der Boulevards und Avenues, des oberen, mittleren und unteren Stadtparks und vieler Bauten. Er weihte den Pont Adolphe ein. Auf seinen Wunsch hin bekam die Sparkasse einen Turm als Symbol der wirtschaftlichen Stärke des Landes. Er machte sich stark dafür, dass die Arbed ihr Verwaltungsgebäude gegenüber dem „Rouesegäertchen“ bauen durfte. Er ließ Schulen errichten und wollte noch so manches für die Volksbildung schaffen, eine monumentale Staatsbibliothek und ein nationales Museum mit großem Festsaal. Doch der Erste Weltkrieg machte die Pläne zunichte.

Er war ledig

Der Polit-Patriarch war ein eingefleischter Junggeselle, „seine Ehefrau war sein Vaterland“. Man sagt, er habe es vorgezogen, alle Frauen glücklich zu machen, und nicht nur eine: Ein Junggeselle aus Staatsräson.

Er säkularisierte die Schule

Die Liberalen und Sozialisten in Eyschens Linksblock standen sich zwar wirtschafts- und sozialpolitisch gegenüber, ihr Antiklerikalismus schweißte sie aber zusammen. 1912 ließ Eyschen über ein Schulgesetz abstimmen, das dem Klerus die Schulaufsicht entzog, was den Konservativen und auch der Großherzogin natürlich missfiel.

Es gab Gerüchte, er habe sich das Leben genommen

Staatsminister Eyschen soll über viele Jahren am Herzen und an den Nieren erkrankt gewesen sein. Nach Rückschlägen, Enttäuschungen und vielen Sorgen wollte sein Körper nicht mehr. Er starb völlig unerwartet. Die Umstände des plötzlichen Todes in einem schwierigen Moment in seinem Leben gaben immer wieder Gerüchten Auftrieb, er habe sich das Leben genommen.