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Warum Nutztiere nicht außerhalb der EU geschlachtet werden dürfen
Politik 3 Min. 06.07.2021
Öffentliche Anhörung zum Thema Tierwohl

Warum Nutztiere nicht außerhalb der EU geschlachtet werden dürfen

Nutztiere sollen in Schlachthöfen aus der Region geschlachtet werden, sagen die Junglandwirte der Lëtzebuerger Landjugend a Jongbaueren.
Öffentliche Anhörung zum Thema Tierwohl

Warum Nutztiere nicht außerhalb der EU geschlachtet werden dürfen

Nutztiere sollen in Schlachthöfen aus der Region geschlachtet werden, sagen die Junglandwirte der Lëtzebuerger Landjugend a Jongbaueren.
Foto: Nico MULLER
Politik 3 Min. 06.07.2021
Öffentliche Anhörung zum Thema Tierwohl

Warum Nutztiere nicht außerhalb der EU geschlachtet werden dürfen

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Die Lëtzebuerger Landjugend a Jongbaueren fordern, dass Nutztiere aus Luxemburg nicht durch halb Europa transportiert und in Nicht-EU-Ländern geschlachtet werden dürfen.

Es ist eher selten, dass ein Berufsstand selbst strengere Vorschriften verlangt. Doch genau das tut die Organisation Lëtzebuerger Landjugend a Jongbaueren (LLJ). Ihr Vorsitzender Luc Emering hatte im März eine Petition eingereicht, in der er ein Schlachtverbot von luxemburgischen Nutztieren in Schlachthäusern fordert, die nicht EU-zertifiziert sind. Und seine Eingabe hatte Erfolg: Am Ende wurde sie von 4.982 Personen unterschrieben.

Nachdem die Petition von Luc Emering fast 5.000 Unterschriften gesammelt hatte, fand am Montag eine öffentliche Anhörung im Parlament statt.
Nachdem die Petition von Luc Emering fast 5.000 Unterschriften gesammelt hatte, fand am Montag eine öffentliche Anhörung im Parlament statt.
Foto: Guy Jallay

Gestern fand nun die öffentliche Anhörung im Parlament statt. Emering und seine Kollegen von der LLJ rannten mit ihrer Forderung bei den Abgeordneten, aber auch bei Landwirtschaftsminister Romain Schneider (LSAP), offene Türen ein. Ohne Ausnahme befürworteten die Redner strengere Regeln bei den Exporten von Lebendvieh.

Luc Emering erinnerte daran, dass es in Luxemburg selbst zwar hohe Standards in Bezug auf das Tierwohl gibt, dass strenge Normen aber nichts bringen, wenn die Tiere diesen Regeln nicht von der Geburt bis zu ihrer Schlachtung unterliegen. Zwar verkaufe der Bauer seine Tiere meist an einen lokalen Händler, doch dann verliere sich die Spur, weil sie oft mehrfach weiterverkauft und oft nach langen Transporten in Schlachthöfen außerhalb der EU unter unwürdigen Bedingungen geschlachtet würden, erklärte Christian Hahn. Die Lëtzebuerger Landjugend a Jongbaueren fordern daher mehr Transparenz, vor allem aber eine genaue Nachvollziehbarkeit: „Als Bauer will ich abends mit ruhigem Gewissen ins Bett gehen“, so Luc Emering.

Die Petition von Luc Emering erhielt fast 5.000 Unterschriften.
Die Petition von Luc Emering erhielt fast 5.000 Unterschriften.
Foto: Guy Jallay

Dabei sprechen sich die Junglandwirte nicht generell für ein Exportverbot aus. Vielmehr ist ihnen daran gelegen, dass die Tiere in EU-zertifizierten Schlachthäusern in der Region geschlachtet werden, sodass die Standards respektiert werden und die Transportwege möglichst kurz sind. Eine rein nationale Lösung halten sie nicht für sinnvoll. Langfristig gesehen sei es allerdings am besten, wenn nur noch Fleisch statt lebende Tiere exportiert wird.

Eigene Produktionssparte

Exportiert werden vor allem männliche Kälber, deren Mast in Luxemburg nicht rentabel ist, auch deshalb, weil der Absatz und die Vermarktung nicht garantiert sind. Einen Ausweg sehen die Junglandwirte im Aufbau einer eigenen Produktionssparte, sodass das Fleisch regional und für den Bauern gewinnbringend vermarktet werden kann. Absatzchancen sehen sie u.a. in den staatlichen und kommunalen Kantinen. Da die Konsumenten dem Tierwohl immer mehr Bedeutung beimessen, werde ein regionaler Ansatz auch die Akzeptanz der Landwirtschaft steigern, meinte Luc Emering.

Als Bauer will ich abends mit ruhigem Gewissen ins Bett gehen.

Luc Emering

Der Landwirtschaftsminister griff die Idee in seiner Intervention auf und versprach, sie bei der Ausarbeitung des neuen Agrargesetzes zu berücksichtigen. Den Rahmen gebe die geplante Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik vor, bei der dem Tierwohl eine große Bedeutung zukomme. Im Zusammenhang mit dem neuen Agrargesetz stellte Schneider auch eine Kampagne zur Absatzförderung der einheimischen Produkte in Aussicht.


Petition für Exportstopp von Schlachtvieh
Die Lëtzebuerger Landjugend a Jongbaueren (LLJ) fordert, dass Nutztiere nicht mehr zum Schlachten in Drittstaaten exportiert werden dürfen.

Um zu verhindern, dass die hohen europäischen Standards durch die Exporte unterlaufen werden, machen sich Vertreter der LLB für einen nationalen Tierpass stark, der – ähnlich wie beispielsweise bei Pferden – eine Schlachtung außerhalb der EU in nicht zertifizierten Schlachthöfen untersagt. Auch dieser Vorschlag stieß bei dem Agrarminister nicht auf taube Ohren, allerdings gab er zu bedenken, dass langfristig wohl nur eine gesamteuropäische Lösung wirklich erfolgversprechend sein wird. Andere Länder hätten auch schon Interesse an einer europaweiten Lösung signalisiert.

Luxemburgischer Alleingang

Luc Emering hielt allerdings dagegen. Man könne nicht alles auf EU-Ebene auslagern. Der LLJ-Präsident kann sich durchaus einen luxemburgischen Alleingang vorstellen, ähnlich wie beim Verbot des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat, dessen Einsatz Luxemburg als bislang einziges EU-Land untersagt hat.


Landwirtschaft Rinder Limousin Ardennen Ösling / Foto: Nico MULLER
"Ambitiös und nachhaltig"
Am Montag hatten sich die EU-Landwirtschaftsminister auf die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik verständigt. Am Dienstag gab Ackerbauminister Schneider die Eckdaten für Luxemburg bekannt.

„Wir haben Minister Romain Schneider aufgefordert, dass er dem Landwirtschaftsausschuss spätestens nach der Sommerpause konkrete Vorschläge unterbreitet“, erklärte die Vorsitzende der Petitionskommission, Nancy Kemp-Arendt (CSV), gestern auf Nachfrage nach der öffentlichen Anhörung. Auch in Bezug auf die angekündigten Kampagne zur Absatzförderung von einheimischen Agrarprodukten müsse er dann erste Ideen auf den Tisch legen. Romain Schneider hatte zuvor bereits angekündigt, dass er sich zuvor im Zusammenhang mit dem neuen Agrargesetz mit der Landwirtschaftskammer beraten will. 

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