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Warum das Rote Kreuz kein bloßer Krisenakteur sein will
Politik 3 Min. 05.06.2022
Jahresbericht 2021

Warum das Rote Kreuz kein bloßer Krisenakteur sein will

Das breit gefächerte Sammelsurium an Diensten des Roten Kreuzes zeugt vom Willen, die Aufgabenpalette der Organisation weiter zu diversifizieren.
Jahresbericht 2021

Warum das Rote Kreuz kein bloßer Krisenakteur sein will

Das breit gefächerte Sammelsurium an Diensten des Roten Kreuzes zeugt vom Willen, die Aufgabenpalette der Organisation weiter zu diversifizieren.
Foto: Guy Jallay
Politik 3 Min. 05.06.2022
Jahresbericht 2021

Warum das Rote Kreuz kein bloßer Krisenakteur sein will

Florian JAVEL
Florian JAVEL
Agieren statt reagieren - so lautet die Devise des neuen Weges, den das Rote Kreuz mit einem Strategieplan bis 2030 beschreiten will.

Ob Gesundheitskrise oder Ukrainekrieg - das Rote Kreuz handelt eher reaktiv als präventiv. So lautet die Erkenntnis des Generaldirektors des Luxemburger Roten Kreuzes, Michel Simonis. Deshalb soll mit Blick auf die Zukunft ein Strategieplan bis 2030 richtungsgebend die Gebiete festsetzen, auf die das Rote Kreuz über die nächsten zehn Jahre vermehrt einen positiven Einfluss ausüben möchte:

Wohnen, Gesundheit, Jugend, Krisen, Internationales und Freiwilligenarbeit. Probleme der Menschen, die der Politik durch die Maschen gefallen sind, erkenne man als Prioritäten der nächsten Jahre an. Im Kontext dieses Strategieplans wolle man der Wohnungskrise durch die Förderung alternativer Wohnformen entgegenwirken und das Angebot an psychosozialer Betreuung für Kinder und Jugendliche ausbauen. 

Gerade die Problematik rund um das Wohlergehen der Jüngeren während der Pandemie habe aufgezeigt, wie weitreichend die Folgen einer solchen Krise sein können. „Wir befinden uns in einem Kontext, in dem eine Krise auf die andere folgt. Covid-19 war nicht nur eine Gesundheitskrise … Sie hat soziale und psychologische Folgen, die wir erst jetzt voll und ganz erkennen können“, schlussfolgert Simonis.


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Solidaritätsfonds wurde aufgestockt

Mit Blick auf das Jahr 2021 zeigt sich der Generaldirektor mit der Bilanz der Organisation zufrieden. Durch den Solidaritätsfonds zur Deckung der Grundbedürfnisse von Menschen in Notlagen habe man 2021 mit insgesamt 321.291 Euro 45 Prozent mehr Hilfen als im Jahr davor vergeben. 

Zudem hat die Abteilung für Migranten und Flüchtlinge die Anzahl an Aufnahmestrukturen für Menschen mit temporärem und internationalem Schutz im letzten Jahr um 14 Prozent erhöht. 3.022 Menschen wurden darin untergebracht.

Für Michel Simoni (r.) ist die langfristige Planbarkeit zukünftiger Projekte des Roten Kreuzes ein zentrales Anliegen.
Für Michel Simoni (r.) ist die langfristige Planbarkeit zukünftiger Projekte des Roten Kreuzes ein zentrales Anliegen.
Foto: Guy Jallay

Dass der Ukrainekrieg die Lage in diesem Jahr verschärfen sollte und mehr Aufnahmestrukturen benötigt werden, bestätigt Nadine Conrardy, Direktorin der Abteilung „Action et Santé sociales“. 670 Geflüchtete seien in den Aufnahmestrukturen des Roten Kreuzes bis dato untergekommen und 215 an Gastfamilien weitervermittelt worden. „Das sind Familien, die ihre Hilfe angeboten haben, sei es in Form von Wohnraum, Zeit, Ausrüstung oder finanziellen Spenden. Sie haben eine echte und willkommene Solidarität bewiesen“, betont Conrardy.

Seit zehn Jahren in der Ukraine tätig

In der Ukraine leistet das Rote Kreuz bereits seit  zehn Jahren Hilfe vor Ort, vor allem im Donbass. 24 Tonnen Lebensmittel, 49 Tonnen Hygieneartikeln und 29 Tonnen an medizinischem Material seien bis dato vom Roten Kreuz in die Ukraine geliefert worden. Hier möchte die Organisation wiederum vorausdenken und die Weichen für einen Wiederaufbau stellen:


04.05.2022, Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin: Ein ukrainischer Reisepass wird in der zentralen Erfassungsstelle für Ukraine-Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern für die Ausstellung des amtlichen Ankunftsnachweis von Mitarbeitern eingelesen. Die neue Erfassungsstelle hat die Arbeit aufgenommen. Täglich sollen ungefähr 100 Geflüchtete zur Erfassung ihrer personenbezogenen und biometrischen Daten nach Schwerin gebracht werden. Foto: Jens Büttner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Welche Unterstützung ukrainische Geflüchtete jetzt brauchen
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„Es ist auch sehr wichtig, bereits jetzt an den Wiederaufbau der Infrastruktur zu denken. Diesbezüglich werden wir uns auf die Region Kiew und insbesondere auf ihre Krankenhausinfrastruktur konzentrieren“, kommentierte der Leiter der humanitären Hilfe des luxemburgischen Roten Kreuzes Rémi Fabri die bisher geleistete Hilfe für die ukrainische Bevölkerung.

Auch der Ukrainekrieg wird seine Spuren hinterlassen haben, sowohl auf humanitärer Ebene als auch was die sozialen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage der am stärksten benachteiligten Menschen anbelangt.

Michel Simonis, Generaldirektor des Luxemburger Roten Kreuzes

600 Neueinstellungen für 2022 geplant

Um den reibungslosen Ablauf der über 50 verschiedenen Dienste des Roten Kreuzes zu garantieren, waren 2021  2.892 Mitarbeiter bei der Organisation angestellt. 217 Personen wurden im letzten Jahr eingestellt, was einen Zuwachs von acht Prozent der Personalstärke ausmacht. 600 Neueinstellungen sind für das Jahr 2022 vorgesehen, um weiterhin für die Aufnahme weiterer ukrainischer Geflüchteter gewappnet zu bleiben. 

Während der Coronakrise habe die Organisation es geschafft zu vermeiden, dass die Personalstärke gekürzt wird. Anstatt Mitarbeiter in Teilzeit- oder Heimarbeit zu entlassen, habe man Bereiche, die im Laufe der Pandemie auf mehr Unterstützung angewiesen waren, mit Personal ausgestattet, deren eigentliche Aktivität aufgrund des Lockdowns stillgelegt wurde. 

Luxemburger Gesellschaft zeigt sich solidarisch

Wir haben bei vielen Gelegenheiten unsere Reaktionsfähigkeit und Flexibilität bewiesen“, lobte Simonis die Vorgehensweise der Organisation. Zusätzlich sei die Hilfe der vielen Freiwilligen in Krisenzeiten ein für die Luxemburger Gesellschaft repräsentatives Solidaritätsbekenntnis, der die Organisation bis dato stark entlastet habe: „Als es eine Knappheit an Blutkonserven gab, haben wir einen Spendenaufruf gestartet. Innerhalb eines Monats haben sich mehr Menschen als im ganzen letzten Jahr bei uns bezüglich einer Spende gemeldet“, so Simonis. 

Zudem hätten  120 Personen mit Beginn des Ukrainekrieges das Rote Kreuz kontaktiert, um ihre Unterstützung anzubieten. Trotz dieser Solidarität arbeite man mit Blick auf den neuen Strategieplan daran, die zur Verfügung stehenden Ressourcen der Organisation bestmöglich einzusetzen, um im Falle weiterer Krisen handlungsfähiger zu werden. 

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