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Wartezeiten in der Kannerklinik: Eine Diagnose binnen 70 Minuten
Politik 18.05.2017 Aus unserem online-Archiv

Wartezeiten in der Kannerklinik: Eine Diagnose binnen 70 Minuten

Rund 42.000 Kinder kommen jährlich in die Notaufnahme der Kannerklinik. Rund ein Viertel wird für kleinere Beschwerden an die naheliegende Maison médicale weitergeleitet.

Wartezeiten in der Kannerklinik: Eine Diagnose binnen 70 Minuten

Rund 42.000 Kinder kommen jährlich in die Notaufnahme der Kannerklinik. Rund ein Viertel wird für kleinere Beschwerden an die naheliegende Maison médicale weitergeleitet.
Foto: Lex Kleren
Politik 18.05.2017 Aus unserem online-Archiv

Wartezeiten in der Kannerklinik: Eine Diagnose binnen 70 Minuten

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
Immer wieder beschweren sich Patienten über die Wartezeit in der Notaufnahme. Kritik an der Kannerklinik übte zuletzt eine Mutter auf "RTL Télé Lëtzebuerg". Die Klinik wehrt sich ihrerseits gegen Verallgemeinerungen.

(BB) - In der Notaufnahme der hauptstädtischen Kannerklinik herrscht immer reger Betrieb. Vom kleinen Patienten, der sich beim Spielen eine Platzwunde zugezogen hat, bis zu ernsthafteren Erkrankungen und Verletzungen passieren jährlich rund 42.000 Kinder in der Einrichtung des CHL. Allzu oft müssten die Familien allerdings lange Wartezeiten hinnehmen, hatte „RTL Télé Lëtzebuerg“ vor ein paar Tagen berichtet. Eine Mutter beschwerte sich über eine unzufriedenstellende Betreuung.

Dass es bis zur ärztlichen Versorgung länger dauern kann, weil gleichzeitig ein paar lebensbedrohliche Fälle mit der Ambulanz eintreffen, ist verständlich. Fraglich wird die Situation, wenn übertrieben hohe Wartezeiten zum Regelfall werden.

Auf „Wort“-Nachfrage hin wollte die Sprecherin des CHL beschwichtigen. Im kinderärztlichen Notdienst kümmere sich ein Arzt im Schnitt nach einer Stunde und zehn Minuten um den Patienten. Das hätten interne Statistiken fürs Jahr 2016 ergeben. Mehrere Stunden seien nicht die Regel.

Auch an jenem Tag, der im RTL-Bericht thematisiert wird, habe die durchschnittliche Wartezeit 70 Minuten betragen. „Von einer schlechten Organisation oder falschen Betreuungsvorgängen kann nicht die Rede sein“, so die CHL-Sprecherin.

Ersteinschätzungen und Behandlungsprioritäten

In der Kannerklinik, wie auch in anderen Krankenhäusern, stufen fürs Erste Krankenpfleger den Gesundheitszustand ein. Die Klinik versichert: Das  geschieht innerhalb von zehn Minuten nach dem Eintreffen des Patienten. Auf Basis der beschriebenen Symptome und der ersten Untersuchungen werden die Patienten dann Behandlungsprioritäten zugeteilt.

Die Wartezeit hängt also vom medizinischen Schweregrad ab. „Die wichtigsten Fälle werden immer zuerst behandelt, so dass keine Gefahr fürs Kind besteht“, betont die Sprecherin. Versorgungsstandards würden eingehalten.

Für besorgte Eltern sind 60 Minuten dennoch eine gefühlte Ewigkeit. Die Sprecherin zeigt Verständnis und verweist auf landesweite Bemühungen: Die Notaufnahmen sollen entlastet und das Angebot in den Maisons médicales besser bekannt gemacht werden.

Zurzeit hat die Regierung ebenfalls Studien eingeleitet, um die personelle Bedürfnisse in den Spitälern zu erfassen und diese gegebenenfalls aufzustocken.


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