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Wahlkampf mit Wahlplakaten: Mal bunt, mal bieder, aber kaum scherzhaft
Wie sieht ein gutes Wahlplakat aus? Die Parteien wollen sich im Wahlkampf für die Gemeindewahlen visuell voneinander abgrenzen.

Wahlkampf mit Wahlplakaten: Mal bunt, mal bieder, aber kaum scherzhaft

Foto: Guy Jallay
Wie sieht ein gutes Wahlplakat aus? Die Parteien wollen sich im Wahlkampf für die Gemeindewahlen visuell voneinander abgrenzen.
Politik 3 Min. 13.09.2017

Wahlkampf mit Wahlplakaten: Mal bunt, mal bieder, aber kaum scherzhaft

Bérengère BEFFORT
Was macht ein gutes Wahlplakat aus? Und wieso greifen die Parteien im digitalen Zeitalter noch auf Wahlplakate zurück? Politische Vertreter sprechen über ihre Aushänge und darüber, wieso Ironie nicht geht.

Von Bérengère Beffort

Auch im digitalen Zeitalter bleiben Wahlplakate für die Parteien unentbehrlich. Sie informieren und mobilisieren. Sie geben den Startschuss für die heiße Phase der Kampagne. „Wenn die Plakate aufgestellt sind, dann ist klar, dass der Wahlkampf im Gange ist und wir auf den entscheidenden Wahltag hinsteuern“, sagt CSV-Generalsekretär Laurent Zeimet. Politische Plakatkunst als Denkstütze für die Wähler sozusagen. Aber auch als Möglichkeit, das eigene Verständnis einer Partei hervorzuheben.

„Es wäre schwer, ganz auf Plakate zu verzichten“, sagt Stéphane Majerus von Déi Gréng. Weil mit den Plakaten ein gesamter Prozess einhergeht. Die Partei und ihre Kandidaten müssen sich auf ein paar Erscheinungsbilder einigen. Programmatische Leitlinien werden in Bild, Farbe und kurzen Sprüchen zusammengefasst.

"Manche Leute finden es etwas überladen, aber wir wollten verschiedene Lesarten ermöglichen. Die Illustration sagt vieles über unsere Überzeugungen aus", sagt Stéphane Majerus zum Wahlplakat von Déi Gréng.
"Manche Leute finden es etwas überladen, aber wir wollten verschiedene Lesarten ermöglichen. Die Illustration sagt vieles über unsere Überzeugungen aus", sagt Stéphane Majerus zum Wahlplakat von Déi Gréng.
Foto: Guy Jallay

Wofür steht eine Partei, was möchte sie verkörpern? Was bleibt, ist die auf ein Quadratmeter reduzierte Quintessenz der politischen Identität. „Wir haben uns für eine nationale Illustration in Form eines Wimmelbildes entschieden. Mit schönen Landschaften, auf die ebenfalls andere Parteien zurückgreifen, grenzt man sich nicht ab“, so der grüne Parteisekretär. Der visuelle Auftritt soll differenziert und wirkungsvoll sein.

Der Wiederholungseffekt

Vier Wochen vor dem Wahltag wird der öffentliche Raum massiv besetzt. Nun haben sich die meisten Parteien zwar darauf verständigt, die Werbeausgaben auf 75 000 Euro zu begrenzen und maximal bis zu 100 großflächige Werbeflächen aufzustellen, doch die Parteien wissen längst: Nichts ist schöner als gleiche, wiederkehrende Botschaften. „Mit dem Wiederholungseffekt hoffen wir, dass die Botschaft hängen bleibt: Unsere CSV-Kandidaten engagieren sich für Sie“, erklärt Laurent Zeimet.

So hat sich die CSV für zwei einprägsame Mottos entschieden, die jeweils von den Sektionen in lokaler Form dekliniert werden können. Die Spitzenkandidaten mögen mal mehr, mal weniger lächeln, das Motto und das Parteilogo dienen jeweils als Wiedererkennungsmerkmal.

Als Vertrauensvorschuss für die Wähler: "100 % engagéiert", so das Motto der CSV.
Als Vertrauensvorschuss für die Wähler: "100 % engagéiert", so das Motto der CSV.
Foto: Guy Jallay

Stilistisch schlicht wollte die LSAP ihre Aushänge belassen. Das Plakat gilt als Ansage. „Bezuelbare Wunnraum. Fir haut a fir muer“, so der Slogan in weißer Schrift auf rotem Hintergrund. Eine Ikone soll an das Dach eines Hauses erinnern. „Manche mögen das für bieder befinden, aber wir wollten bewusst unsere Inhalte in den Vordergrund rücken“, stellt LSAP-Generalsekretär Yves Cruchten klar.

Sollten sich einige Kameraden nicht dafür begeistern, können sie eine persönlichere Note einbringen. Denn die LSAP gewährt – anders als andere Parteien – ihren Sektionen eine gewisse Autonomie in der Gestaltung der lokalen Plakate. „Natürlich müssen die Slogans mit unserem Rahmenwahlprogramm übereinstimmen, aber die Sektionen können schon selbst entscheiden, wie sich darstellen möchten.“ Zu kecke Sprüche wären für die Sozialisten dennoch fehl am Platz. Denn Ironie mag sowohl Lacher und als auch Ärger auslösen.

Wohl nicht lustig

Generell sind ironische oder sarkastische Sprüche kaum aufzufinden. „Es gibt immer jemanden, der den Spruch falsch auffassen könnte“, meint auch Laurent Zeimet (CSV). Wenn Wortwitz, dann vielleicht in den sozialen Medien, sagt seinerseits Eric Weirich von Déi Lénk. Die Plakate seiner Partei sind im Vergleich zu anderen zwar textlastiger, dafür aber klassisch seriös gehalten.

Botschaft, Logo, Signalfarbe: Die LSAP und die DP haben sich bei ihren nationalen Plakaten für eine schlichte Variante entschieden.
Botschaft, Logo, Signalfarbe: Die LSAP und die DP haben sich bei ihren nationalen Plakaten für eine schlichte Variante entschieden.
Foto: Guy Jallay

Besser schlicht als zu schräg, heißt es auch vonseiten der DP. Plakate sollten als „Eyecatcher“ dienen, um Interesse fürs Programm zu wecken, so Generalsekretär Marc Ruppert. Er hofft, dass die Wähler zunehmend das Gespräch mit den Kandidaten suchen. Dafür haben sich die Liberalen im Vorfeld auf eine Kernbotschaft geeinigt. Die schlagwortartige Formulierung mit emotionaler Note „mat Häerz a Séil“ ziert jeden Aushang. Auf den Porträts von Spitzenkandidaten soll es nicht fehlen. Für individuelle Ansprüche bleibt hier wenig Platz. „Das Motto steht für das, was wir in den letzten Jahren vorgelebt haben“, erklärt Marc Ruppert. Damit könnten sich die Parteigänger gut identifizieren. So überragen die Identifikationsmerkmale statt die Individualität.

„Ein gutes Plakat kennzeichnet sich dadurch, dass die Leute sofort wissen, um wen und was es geht“, fasst Eric Weirich (Déi Lénk) zusammen. Letztlich liegt aber alles im Auge des Betrachters.

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