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Wahlberatung auf der Braderie
Für Erstwähler ist die Parteienvielfalt oft unübersichtlich.

Wahlberatung auf der Braderie

Foto: Guy Jallay
Für Erstwähler ist die Parteienvielfalt oft unübersichtlich.
Politik 7 3 Min. 04.09.2018

Wahlberatung auf der Braderie

Glenn SCHWALLER
Die Stater Braderie zieht nicht nur Schnäppchenjäger an. Auch die Parteien versuchen, kurz vor den Wahlen, nochmal Werbung in eigener Sache zu machen. Doch wie bürgernah geben sich die Politiker bei solchen Veranstaltungen wirklich?

Gerade für junge Menschen, die im kommenden Monat erstmals in ihrem Leben ein Kreuz auf einem Wahlzettel abgeben müssen, ist die vielfältige Parteienlandschaft oft unübersichtlich. Welche Partei steht konkret für welche Ziele? Die Braderie in Luxemburg-Stadt bietet dabei die optimale Möglichkeit, in direkten Kontakt mit den Politikern zu treten und sich über wichtige Forderungen der Partei zu informieren. Doch wie offen geben sich die Kandidaten bei solchen Veranstaltungen wirklich, vor allem wenn sie von jungen Leuten zu Themen wie der Wohnungspolitik oder dem Wachstum des Landes angesprochen werden? Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, wagte ich, Glenn Schwaller, 22 und aktuell Student, einen Selbstversuch.

Den Anfang macht die CSV. Der Abgeordnete Gilles Roth wird dabei mit der Frage konfrontiert, warum man als junger Mensch gerade die CSV wählen sollte. Mit verschränkten Armen verweist er zunächst nur auf das Wahlprogramm der Partei. Bei konkreteren Nachfragen lässt er sich dann doch noch darauf ein, einige Maßnahmen und Ziele seiner Partei zu erläutern. Nach knapp drei Minuten ist das Gespräch jedoch schon vorbei, wirklich aufschlussreich wird es dabei nie. 

Anschließend geht es zu den Grünen. Stéphanie Empain, Spitzenkandidatin ihrer Partei im Nordbezirk, gibt sich ganz offen und authentisch. Während sie ihr Neugeborenes in einem Kindertragesack auf dem Rücken trägt, legt sie ihre Argumentation über ihre Vorstellung des künftigen Wachstums Luxemburgs dar. Familienfreundlichere und flexiblere Arbeitsbedingungen sowie eine Stärkung der Heimarbeit wünscht sie sich. 

Bettel und Schneider nehmen sich Zeit

Nachdem die Ankunft des Premierministers Xavier Bettel vor dem Stand der DP für reichlich Trubel sorgt und ein ernsthaftes politisches Gespräch kaum möglich macht, geht es weiter zur LSAP. Dort wird gleich darauf verwiesen, dass der Spitzenkandidat Etienne Schneider, der jeden Moment eintreffen müsse, der beste Ansprechpartner sei. So geht es also wieder zurück zu den Liberalen. Dort ist nach einem kurzen Gespräch mit Generalsekretär Claude Lamberty gar eine Fragerunde mit dem Regierungschef persönlich möglich. Xavier Bettel stellt sich mehrere Minuten lang meinen Fragen. Immer wieder unterbrochen durch vorbei rauschende Passanten und Parteikollegen, gibt er nicht auf, bis alle Fragen beantwortet sind. Ähnliches Bild bei den Sozialisten. Der stellvertretende Premierminister Etienne Schneider lässt sich sofort auf ein Gespräch mit mir ein und nutzt die Gelegenheit, um gleich alle Themenfelder des Wahlprogramms aufzugreifen und darzulegen.

Anschließend geht es zu den Ständen der kleineren Parteien. Die ADR zuerst. Auch hier wird wieder mal auf das Parteiprogramm verwiesen. Dann entsteht jedoch ein Gespräch, in welchem einzelne Maßnahmen der Partei aufgegriffen werden und daran erinnert wird, dass die Reformpartei die einzige konservative Kraft im Land sei. An dieser Aussage stören dürfte sich vor allem die neu gegründete Partei déi Konservativ. Deren Stand fällt sofort ins Auge. Mehrere Geschenkkörbe, sowie Spielzeuge, welche Kinder durch die Teilnahme an einem Glücksrad gewinnen können, dekorieren den Stand. Mitten im Geschehen: Parteigründer Joé Thein.  Er gibt sich dabei sehr seriös und redegewandt. Konkret wird er jedoch selten. Gleiches gilt für déi Lénk. Auf meine Frage, warum ich die Partei denn wählen soll, kritisiert der erste gesprächsbereite Vertreter der Linken, Jean-Jacques Redondo, die anderen Parteien als neoliberal und fordert eine Neuausrichtung der Politik. Wie diese konkret aussehen soll, bleibt jedoch offen.

Längstes Gespräch bei den Piraten

Den Abschluss machen die Piraten. Während alle anderen Parteien in der Rue Philippe II vertreten sind, steht Sven Clement mit seinem Parteistand auf der Place d’ Armes. Nach anfänglichen akustischen Problemen, aufgrund der laut dröhnenden Musik, legt Sven Clement seine politischen Absichten dar. Eine halbe Stunde lang dauert das Gespräch -  somit die längste Unterhaltung an diesem Tag. Anstatt nur aus dem Parteiprogramm zu zitieren, redet er einfach drauf los. Er beklagt die Unübersichtlichkeit der Internetseite der Chamber, fordert, dass alle Abgeordneten ein Bürgerbüro in ihren Wahlbezirken oder Heimatorten haben sollten und verweist beim Thema Wohnungsbau auf positive Beispiele aus dem Ausland. Alles in allem ein sehr authentischer Auftritt des Parteipräsidenten.


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