Wählen Sie Ihre Nachrichten​

VW-Abgasskandal: Turmes: "Seit 2010 starke Indizien für Manipulation"
Claude Turmes: "Die Politik und auch die Gesellschaft hat die Dimension des Betrugs und deren Konsequenzen noch nicht erfasst."

VW-Abgasskandal: Turmes: "Seit 2010 starke Indizien für Manipulation"

Foto: Guy Jallay
Claude Turmes: "Die Politik und auch die Gesellschaft hat die Dimension des Betrugs und deren Konsequenzen noch nicht erfasst."
Politik 2 Min. 22.01.2016

VW-Abgasskandal: Turmes: "Seit 2010 starke Indizien für Manipulation"

Steve BISSEN
Steve BISSEN
Der EU-Abgeordnete Claude Turmes will mittels einer Enquete-Kommission herausfinden, wieso der VW-Abgasskandal in den USA aufgedeckt wurde und nicht in Europa, obwohl bereits 2010 Indizien für eine Manipulation vorlagen.

(stb) - Anlässlich einer Pressekonferenz äußerte sich am Freitag der EU-Abgeordnete Claude Turmes (Déi Gréng) zum VW-Abgasskandal. "Wieso wurde dieser Skandal in den USA aufgedeckt und nicht in Europa, wo im Vergleich deutlich mehr Diesel-Fahrzeuge zugelassen werden?", fragte sich der EU-Parlamentarier. "Seit Ende 2010 gab es bereits starke Indizien für eine Manipulation. Das Joint Research Center der EU-Kommission entdeckte, dass die Grenzwerte für Abgasemissionen unter realen Fahrbedingungen nicht eingehalten wurden."

Um dieser Frage nachzugehen wurde eine Enquete-Kommission des EU-Parlamentes ins Leben gerufen, die im Februar ihre Arbeit aufnehmen wird.

Allerdings gestalte sich die Beweisführung weiterhin schwierig, da die Automobilkonzerne eine Zusammenarbeit bei der Aufklärung verweigern würden. So würden diese keinen Einblick in die Software erlauben, welche die Manipulationen bei den Abgastests im Labor gesteuert hat. Glücklicherweise habe vor zehn Tagen aber ein Hacker den Softwarecode von VW geknackt und damit zweifelsfrei bewiesen, dass systematisch manipuliert wurde.

Nicht nur VW betroffen

Außerdem würden Stichproben der Deutschen Umwelthilfe und des Joint Research Center der EU-Kommission darauf hinweisen, dass die systematischen Manipulationen von Abgaswerten nicht nur von Volkswagen, sondern auch von anderen Teilen der Automobilindustrie durchgeführt wurden.

Der Grenzwert für Abgasemissionen in der EU liegt bei 80 mg pro Kilometer. Einige Modelle anderer Marken würden diese Grenzwerte laut Messungen aber zum Teil um das 25-fache überschreiten.

Mögliche Anhebung der Grenzwerte

Skandalös findet Claude Turmes, dass durch eine Entscheidung der EU-Mitgliedstaaten im Oktober 2015, ein sogenannter Konformitätsfaktor eingeführt werden könnte, der festlegt, inwieweit die Grenzwerte überschritten werden dürften. Dadurch könnte die Automobilindustrie den Grenzwert von 80 mg pro Kilometer bis 2021 um 110 Prozent überschreiten, ab 2021 um 50 Prozent.

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat Einspruch gegen diese Entscheidung eingelegt. Damit dieses Veto rechtskräftig wird, muss das Plenum noch im Februar seine Zustimmung erteilen. Die Abgeordneten müssten sich für die Bürger einsetzen, anstatt die Interessen der Automobilindustrie zu vertreten, meinte Claude Turmes.

Luxemburg: rund 60 frühzeitige Todesfälle durch Stickoxide

"Die Politik und auch die Gesellschaft hat die Dimension des Betrugs und deren Konsequenzen noch nicht erfasst", so der EU-Parlamentarier. Laut einer Studie der europäischen Umweltagentur würden jährlich 400 000 Menschen in der EU frühzeitig aufgrund von schlechter Luftqualität sterben. Davon seien rund 75 000 frühzeitige Todesfälle auf Stickoxidemissionen zurückzuführen.

Wenn man diese Zahlen auf Luxemburg herunter rechnet, sind dies 320 frühzeitige Todesfälle. Rund 60 davon würden durch Stickoxide verursacht. Im Vergleich dazu gab es 2014 laut Statec 34 Todesfälle im Straßenverkehr in Luxemburg. Allein diese Zahlen würden für sich sprechen, so Claude Turmes.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema