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Vorhersage und Wirklichkeit
Politik 08.06.2015 Aus unserem online-Archiv
TNS-Ilres-Direktor zu Abweichung der Prognose

Vorhersage und Wirklichkeit

Charles Margue erklärt, warum die Umfrageergebnisse sich nicht mit dem Wahlergebnis decken.
TNS-Ilres-Direktor zu Abweichung der Prognose

Vorhersage und Wirklichkeit

Charles Margue erklärt, warum die Umfrageergebnisse sich nicht mit dem Wahlergebnis decken.
Foto:Gerry Huberty
Politik 08.06.2015 Aus unserem online-Archiv
TNS-Ilres-Direktor zu Abweichung der Prognose

Vorhersage und Wirklichkeit

Vier Wochen vorher sagten die Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus, beim Referendum hatten dann die Nein-Sager ganz klar die Oberhand. Selbst Meinungsforscher Charles Margue von TNS-Ilres war über die deutlichen Unterschieden zwischen Vorhersage und Wahlergebnis erstaunt.

(vb/ks) – Vier Wochen vorher sagten die Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus, beim Referendum hatten dann die Nein-Sager ganz klar die Oberhand. Selbst Meinungsforscher Charles Margue von TNS-Ilres war über die deutlichen Unterschieden zwischen Vorhersage und Wahlergebnis erstaunt.

„Das dreifache Nein hatten wir vorausgesehen, doch das Ausmaß hat mich überrascht“, sagt Forschungsdirektor Charles Margue gegenüber dem Luxemburger Wort und fügt zerknirscht hinzu: „Da fängt man schon an, an sich selbst zu zweifeln.“

Die folgende Grafik zeigt, wie sich das Stimmungsbild bei den drei Fragen seit Ende 2014 verändert hat:

In diesem Jahr lagen die Vorhersagen der Meinungsforscher eklatant daneben. Im letzten PolitMonitor Ende April prognostizierten sie noch 53 Prozent Ablehnung für das Ausländerwahlrecht. Bei einer Umfrage für RTL drei Tage vor der Abstimmung wuchs dieser Wert auf 64 Prozent. Am Wahltag waren es dann aber 78 Prozent. Für Charles Margue lässt sich die erhebliche Abweichung von Prognose und Realität durch mehrere Faktoren erklären. Zum einen habe sich das Stimmungsbild in der Bevölkerung in den letzten Tagen und Wochen massiv verändert: „Der Trend war zweifelsfrei für das Nein. Die CSV (die für drei Mal Nein eintrat) hatte am Anfang ihre Truppen nicht hinter sich. Mit der Zeit hat sie es geschafft, die Anhänger hinter sich zu versammeln. Die Ja-Fraktion hat sich nicht gut aus der Affäre gezogen.“

Indirekt macht Margue den Parteien der Dreier-Koalition und potenten Wirtschaftsverbänden den Vorwurf, zu wenig Mittel in die Kampagne für das Ja investiert zu haben.

Ein zweiter Grund, warum die Prognosen um mehr als zehn Prozentpunkte am Ergebnis vorbeigingen, sind laut Margue demoskopischer Natur: „Um eine genauere Prognose zu bekommen, hätte unser Institut genauer die Wahlabsichten der Bürger erfragen können und verschiedene Korrekturen und Gewichtungen vornehmen können. Wir haben ein entsprechendes Angebot vorgelegt, doch dafür war bei unseren Auftraggebern kein Budget da.“