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Von Luxemburg nach Malawi: Mit einer Unicef-Jugendbotschafterin auf Reisen

  • Montag: Erste Eindrücke aus Malawi
  • Dienstag: Ein bewegender Krankenhausbesuch
  • Mittwoch: Luxemburg kann von Malawi lernen
  • Donnerstag: Feilschen auf dem Markt
  • Freitag: Abschied in Lilongwe
  • Montag: Erste Eindrücke aus Malawi 1/5
  • Dienstag: Ein bewegender Krankenhausbesuch 2/5
  • Mittwoch: Luxemburg kann von Malawi lernen 3/5
  • Donnerstag: Feilschen auf dem Markt 4/5
  • Freitag: Abschied in Lilongwe 5/5

Von Luxemburg nach Malawi: Mit einer Unicef-Jugendbotschafterin auf Reisen

Von Luxemburg nach Malawi: Mit einer Unicef-Jugendbotschafterin auf Reisen

Von Luxemburg nach Malawi: Mit einer Unicef-Jugendbotschafterin auf Reisen


20.11.2019

Die Unicef Jugendbotschafter Alec und Liana werden bei ihrer Ankunft von Schülern begrüßt.Foto: Isabelle Hauffels

Die 16-jährige Liana aus Luxemburg war im September als Unicef Youth Ambassador in Malawi zu Besuch. Dem Luxemburger Wort hat sie ihre Eindrücke geschildert.

Mit ihren 16 Jahren ist Liana schon sehr engagiert: Sie ist nicht nur Unicef Jugendbotschafterin, sondern ist auch bei Amnesty International und der Umweltgruppe "Youth for Climate" aktiv.

Als sie im August die Nachricht bekam, dass sie mit der Unicef nach Malawi reisen würde, um das Land kennenzulernen und Unicef-Pojekte zu besichtigen, war sie ganz aus dem Häuschen: "Ich wollte schon immer einmal nach Afrika reisen, um zu sehen, wie die Menschen dort leben.", so Liana.

Liana war vom 9. bis zum 13. September als Unicef Jugendbotschafterin in Malawi.
Liana war vom 9. bis zum 13. September als Unicef Jugendbotschafterin in Malawi.
Foto: Isabelle Hauffels

Auf ihre Reise hat sie sich gründlich vorbereitet - sie hat sich Informationen zur Kultur, Religion und sogar zum BIP des Landes eingeholt, bevor sie ihre Koffer Anfang September packte. Trotz aller Vorbereitung war der Kulturschock unumgänglich: "Vor allem das, was wir in der Kliniken erlebt haben, hat mich schockiert und tief berührt. Trotzdem - oder sogar gerade deswegen - war es wichtig, das zu sehen."

Die Reise habe ihr eine ganz neue Perspektive auf ihr Leben gegeben, so die 16-Jährige: "Als ich wiedergekommen bin, war ich ein anderer Mensch." Auf den Kulturschock, den sie nach ihrer Rückkehr nach Luxemburg erfahren hat, hat sie niemand vorbereitet: "Wenn man in einem wohlhabenden Land wie Luxemburg lebt, vergisst man gerne mal, wie gut man es eigentlich hat. Ich werde mich wohl nie wieder über nichtige Dinge beschweren!"

Von ihren Eltern hatte Liana übrigens die volle Unterstützung. Ihr Vater ist bei der Unicef als "Global parent" aktiv und sollte sogar fast mit nach Malawi reisen. "Das hat dann leider aus terminlichen Gründen trotzdem nicht geklappt", so Liana.

Ihre Erlebnisse in Malawi hat die Unicef Jugendbotschafterin Liana in einem Tagebuch festgehalten.

1

Montag: Erste Eindrücke aus Malawi
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Foto: Alec Hansen

Unser erster Tag in Malawi begann mit einem Besuch an einem Community Based Childcare Centre in Dedza, einem Dorf, das rund eine halbe Stunde von Malawis Hauptstadt Lilongwe entfernt liegt.

Unterwegs hatten wir die Gelegenheit, erste Eindrücke zu sammeln. In Malawi herrscht eine sehr besondere Atmosphäre. Die Leute verkaufen ihre Waren einfach auf der Straße. So sind wir zum Beispiel an einem Mann vorbeigefahren, der auf der Straße Felgen verkauft hat, ein anderer bot Möbel an.

Am Paiwe Community Based Childcare Centre (CBCC) angekommen wurden wir herzlich mit Gesängen und Tänzen begrüßt. Nachdem wir uns alle gegenseitig vorgestellt hatten, zeigte man uns die verschiedenen Schulräume.  

Das CBCC ist in drei verschiedene Räume eingeteilt in denen Kinder im Alter von zwischen drei und fünf Jahren betreut werden. Zusätzlich zu den Klassenräumen gibt es auch noch eine sogenannte Conference Resttime Bay, wo die Kinder schlafen können. Das CBCC wurde 2013 gegründet, aber der Schlafraum wurde erst 2018 eingeweiht.

Bevor die Einrichtung gebaut wurde, mussten die Kinder unter einem großen Baum lernen. Vor allem in der Regenzeit war das wegen der schlechten Wetterbedingungen allerdings nicht so einfach. Was mich bei dem Besuch am meisten beeindruckt hat, war der Zusammenhalt in den Dörfern und zwischen den Dorfbewohnern. Jeder hat dabei geholfen, das CBCC aufzubauen und jeder hat seine Rolle zu erfüllen. Daher ist auch das ganze Dorf sehr stolz auf ihr CBCC.

2

Dienstag: Ein bewegender Krankenhausbesuch
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Unser zweiter Tag in Malawi begann mit einem Besuch in der Kasudze Outreach Clinic. Vor dem Gebäude hatte sich bereits eine Schlange gebildet, wo Eltern mit ihren Kindern anstanden, um sie wiegen zu lassen. Neben einer Waage benutzten die freiwilligen Pfleger vor Ort außerdem ein Bändchen, mit dem sich feststellen lässt, ob ein Kind unterernährt ist.


Baidoa, Somalia - May 01: Children in the Hilac refugee camp on May 01, 2017 in Baidoa, Somalia. (Photo by Inga Kjer/Photothek via Getty Images)  Kinder Afrika
Der große Kindertod
Viele Kinder haben nicht das Glück, ihren fünften Geburtstag zu erleben. Die Ursachen hierfür sind bekannt, allein es fehlt an Mitteln, um sie wirksam zu bekämpfen.

Nachdem die Kinder ihre Vitamine bekommen haben, werden sie in einem kleinen dunklen Raum geimpft. Die Untersuchungen und die Impfungen werden einmal im Monat angeboten und Menschen legen zum Teil weite Strecken zurück, um die Klinik zu besuchen. Der kleine Raum, in dem die Impfungen verabreicht werden, dient außerdem auch als Kinderbetreuungsstätte.

Wenn man dieses Betreuungszentrum, das nur aus einem Raum besteht, mit Einrichtungen in Luxemburg vergleicht, wäre es bestenfalls eine Abstellkammer. An solchen Beispielen merkt man die großen Unterschiede zwischen Luxemburg und Malawi.

Besonders beeindruckt hat mich die Waage in der Klinik. Sie ist an einem Ast befestigt – die Mütter legen ihre Kinder dann in ein Tuch, das an einem Haken an der Waage festgemacht ist.  

Jedes Kind bekommt eine Mappe, in der Informationen zu den Impfungen und dem Gewichtsverlauf drin stehen. Außerdem steht darin auch, welche Vitamine oder Eisenpillen das Kind nehmen muss. Wenn bei einem Kind eine Unterernährung festgestellt wird – der Armumfang also im gelben oder roten Bereich ist - dann wird das Kind in ein Krankenhaus gebracht.

Das Mitundu Health Centre, unsere zweite Station des Tages, ist ein solches Krankenhaus. Im Innenhof des Krankenhauses sahen wir eine Frau mit ihrem schwer unterernährten Kind, dass durch die Mangelernährung Behinderungen davongetragen hat. Das fünfjährige Kind, das sich durch die schlechte Ernährung nie richtig weiterentwickeln konnte, hat Wachstumsschwierigkeiten, dann nicht gehen, essen, sitzen, sprechen oder alleine stehen. Da das Kind erst spät ärztliche Hilfe bekommen hat, sind die Schäden irreversibel und werden es ein Leben lang begleiten.

Eine Mutter mit ihrer jungen Tochter. Beide leiden an HIV.
Eine Mutter mit ihrer jungen Tochter. Beide leiden an HIV.
Foto: Alec Hansen

In einem anderen Raum wartete eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter. Die beiden sind die rund 30 Kilometer von ihrem Dorf bis zum Krankenhaus zu Fuß gegangen. Das ist in etwa so weit wie von Ettelbrück nach Luxemburg-Stadt. Sie und ihre Tochter leiden beide an HIV, eine Krankheit, die ihren Mann bereits sein Leben gekostet hat. Die allein erziehende Mutter hat insgesamt vier Kinder.

Ihre Tochter muss wohl noch rund eine Woche im Krankenhaus bleiben. Es ist bereits der zweite Aufenthalt innerhalb von nur vier Monaten. Das kleine Mädchen muss spezielle Nahrung zu sich nehmen, um die Unterernährung zu bekämpfen. Als die Mutter ihrem Kind das Gemisch verabreicht hat, hat es ganz fürchterlich geweint. Es ist schrecklich, wenn man bedenkt, welches Leid diese Familie bereits erlebt hat.

Nachmittags sind wir in ein anderes Dorf gefahren, wo uns gezeigt wurde, wie eine typische "Care Group Session" abläuft. Dort wird Mädchen und Frauen gezeigt, wie sie sich selbst und ihre Kinder richtig ernähren damit keine Unterernährung oder Vitamininsuffizienz entsteht.

Besonders bewegt hat mich der Gedanke, dass so etwas in Luxemburg nie passieren könnte. Wir haben generell alle genug zu Essen, bei uns muss niemand an Mangelernährung sterben. Und wenn wir mal eine Vitaminmangel haben, gehen wir zum Arzt und bekommen Vitamintabletten. Kinder in Malawi und in anderen Ländern dieser Welt haben dieses Glück leider nicht.

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Mittwoch: Luxemburg kann von Malawi lernen
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Foto: Alec Hansen

Heute fahren wir ins zwei Stunden von Lilongwe entfernte Nkhatakota. Dort besuchten wir eine sogenannte Living School, eine Art Grundschule, die den Schülern nicht nur traditionelle Bildung mit auf den Weg geht, sondern ihnen auch praktisches Wissen vermittelt. Dort lernen die Kinder unter anderem, wie man einen Garten anpflanzt.

Wir hatten die Gelegenheit, dem Unterricht an der Living School, die mithilfe der Unicef gebaut wurde, beizuwohnen. Inhaltlich unterscheidet er sich nicht sonderlich von dem, was man in Luxemburg in der Schule lernt. Es ist eher die Kargheit des Klassenraums, die auffällt: Hier wird ein Klassenraum mit elektrischem Licht als etwas ganz besonderes angesehen.

Nachdem wir die Schule besichtigt haben und der Direktor uns das Unterrichtskonzept erklärt hat, hatten wir die Gelegenheit mit den Schülern der Living School ein paar Bäume zu pflanzen. Das war ein ganz besonderer Moment, da ich die Gelegenheit hatte, mit den Schülern direkt zu reden.

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Donnerstag: Feilschen auf dem Markt
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Foto: Alec Hansen

Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir heute nach Nankhali gereist, einem Vorort der Hauptstadt Lilongwe. Auch hier wurden wir herzlich vom Lehrpersonal, dem Direktor und natürlich den Schülern begrüßt. Die Schüler haben eigentlich Sommerferien und sind an dem Tag extra zur Schule gekommen, um uns alles zu zeigen. Das alleine das zeigt schon, wie stolz die Schüler auf ihre Schule sind.

Der Direktor hat uns erzählt, dass die Schüler noch vor einem Jahr unter einem Mangobaum unterrichtet wurden. Durch Unicef-Spenden konnte die heutige Schule gebaut werden. Dadurch, dass es an der Schule elektrisches Licht gibt, können die Schüler auch Abends lernen und ihre Hausaufgaben vor Ort machen. Die Kinder gehen gerne zur Schule und arbeiten motiviert mit, was in Luxemburg ja nicht immer unbedingt der Fall ist.

Nach dem Besuch an der Schule sind wir ins Dorf gegangen, wo wir einen Markt besucht haben. Dort haben wir festgestellt, dass Afrikaner sehr gute Geschäftsleute sind. Nachdem wir alle genug vom Verhandeln hatten und im Besitz einer aus Holz geschnitzten afrikanischen Figur waren, sind wir nach einem schönen Tag zufrieden aber müde zurück ins Hotel gefahren.

Abends sind wir mit ein paar "Country representatives" italienisch essen gegangen – die typisch italienischen Gerichte haben mich fast an Zuhause erinnert.

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Freitag: Abschied in Lilongwe
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Foto: Alec Hansen

Der letzte Tag hat etwas später angefangen als die anderen. Nach einem leckeren Frühstück sind wir zum Unicef Headquarter in Malawi gefahren. Als wir den mittelgroßen Saal voller Leute betraten, haben wir uns über die heitere Atmosphäre im Raum gewundert. Wir waren es nicht gewohnt das bei solchen Veranstaltungen so viel gelacht wird und die Menschen so fröhlich wirken.

Bei dem Treffen hatten wir die Gelegenheit, über unsere Erfahrungen in Malawi zu reden. Danach haben wir uns beim Unicef Malawi Team verabschiedet und uns bei unseren Begleitern bedankt, die uns vor Ort alles auf Englisch übersetzt haben und uns auf unserem unvergesslichen Besuch begleitet haben.

Jugendbotschafter Alec und Liana mit der bekannten malawischen Sängerin King Sangie, die die beiden Luxemburger als Unicef Youth Goodwill Ambassador begleitet hat.
Jugendbotschafter Alec und Liana mit der bekannten malawischen Sängerin King Sangie, die die beiden Luxemburger als Unicef Youth Goodwill Ambassador begleitet hat.
Foto: Alec Hansen

Diese fünf Tage waren mein erstes Mal in Afrika und so auch in Malawi, dem warmen Herzen von Afrika. Es gab viele ermutigende, aber auch viele schockierende Momente während unseres Besuchs. Besonders berührt hat mich die Herzlichkeit, die uns in Malawi entgegengebracht wurde. Die Menschen hier verlieren nie die Hoffnung, obwohl sie in kompletter Armut leben.

Du bis zwischen 14 und 18 Jahre alt und willst auch Unicef Youth Embassador werden? Alle Infos zur Bewerbung findest Du hier. 


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Alternativen müssen her
"Den Menschen in von Dürren geplagten Gebieten muss gezeigt werden, wie sie sich an die möglichen Krisen anpassen können", so Liljana Jovceva, Leiterin des Welternährungsprogramms in Somalia.
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