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Vom Strohfeuer zum Flächenbrand
Politik 2 Min. 09.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Abschaffung der Kirchenfabriken

Vom Strohfeuer zum Flächenbrand

105 Kirchenfabriken werden juristisch gegen die Konvention zwischen dem Bistum und der Regierung über die Trennung von Kirche und Staat vorgehen.
Abschaffung der Kirchenfabriken

Vom Strohfeuer zum Flächenbrand

105 Kirchenfabriken werden juristisch gegen die Konvention zwischen dem Bistum und der Regierung über die Trennung von Kirche und Staat vorgehen.
Foto: Gerry Huberty
Politik 2 Min. 09.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Abschaffung der Kirchenfabriken

Vom Strohfeuer zum Flächenbrand

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Der Syfel wehrt sich weiterhin vehement gegen die Auflösung der Kirchenfabriken und wendet sich in einem offenen Brief mit einem dringenden Appell an Innenminister Dan Kersch, Kultusminister Xavier Bettel und Erzbischof Jean-Claude Hollerich.

(mig) - Der Dachverband der Kirchenfabriken (Syfel) macht seinem Ärger in einem offenen Brief an Erzbischof Jean-Claude Hollerich, Kultusminister Xavier Bettel und Innenminister Dan Kersch noch einmal Luft und macht deutlich, dass er sich weiterhin vehement gegen die geplante Auflösung der Kirchenfabriken zur Wehr setzen wird. Anders als von Regierungs- und Bistumsseite angenommen handle es sich bei diesem Widerstand nicht um ein Strohfeuer, sondern um einen Flächenbrand, so der Dachverband.

Dinge auf vernünftige Weise lösen

Das „Syndicat des fabriques d'église“ fordert die Regierung und den Erzbischof dazu auf, das Gesetzprojekt über die Kirchenfabriken auf Eis zu legen und nach anderen Lösungen zu suchen. Der Dachverband, dem sich eigenen Angaben zufolge 262 von 285 Kirchenfabriken angeschlossen haben, macht einen Appell, die Dinge auf eine „vernünftige, demokratische und legale Art und Weise“ zu regeln.

Der Syfel wirft der Regierung vor, mordikus an der Deadline (1. Januar 2017) festzuhalten und damit Druck auf die Gemeinden und Kirchenfabriken auszuüben und ihnen Angst einzujagen, damit sie bis Ende Dezember die Konventionen unterzeichnen und damit das Schicksal der Kirchenfabriken besiegeln.

Innenminister Dan Kersch wirft der Dachverband vor, sich als „Frontmann“ in dieser Angelegenheit hinter der Unterschrift des Erzbischofs, dem Regierungsprogramm und eigenen Rundschreiben an die Gemeinden zu verstecken und sich dem Dialog mit dem Dachverband der Kirchenfabriken systematisch zu widersetzen.

Kultusminister Xavier Bettel halte sich aus allem heraus und dem Erzbischof wirft der Syfel vor, der Auflösung der Kirchenfabriken zuzustimmen, obwohl dies gegen nationales, internationales und kanonisches Recht verstoße.

Zivilklage gegen Konvention

Der Dachverband hat seinen Widerstand gegen die Abschaffung der Kirchenfabriken in den letzten Monaten verschärft, mit Protestbriefen, Resolutionen, einem negativen Gutachten zum Gesetzprojekt 7037 und einer Petition, die von 11.500 Personen unterzeichnet wurde und dem Syfel zu dessen Zufriedenheit eine öffentliche Anhörung im Parlament beschert.

Der Syfel will juristisch gegen die Konvention zwischen der Regierung und dem Erzbistum vorgehen. Eigenen Angaben zufolge haben 105 Kirchenfabriken beschlossen, sich dieser Zivilklage anzuschließen.

Gutachten lässt auf sich warten

Das Gesetz zu den Kirchenfabriken wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zum 1. Januar 2017 in Kraft treten. Das Gutachten des Staatsrats lässt weiter auf sich warten und die Arbeit am Gesetzestext im zuständigen parlamentarischen Ausschuss hat noch nicht begonnen.

Dennoch macht Innenminister Dan Kersch Druck auf die Gemeinden und Kirchenräte, die Eigentumsfrage zu klären und die Konventionen bis zum Ende des Jahres im Intérieur einzureichen, mit dem Argument, dass nur die Kirchengebäude im Anhang II des Gesetzes aufgenommen werden, die vor dem 1. Januar eingereicht werden.

Hier der offene Brief in ganzer Länge:



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