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Vom Rausch- zum Heilmittel
Politik 28.06.2018

Vom Rausch- zum Heilmittel

Die Nutzung von medizinischem Cannabis ist vorerst auf drei Krankheitsbilder begrenzt.

Vom Rausch- zum Heilmittel

Die Nutzung von medizinischem Cannabis ist vorerst auf drei Krankheitsbilder begrenzt.
Foto: Getty Images
Politik 28.06.2018

Vom Rausch- zum Heilmittel

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Am Donnerstag verabschiedete das Parlament einstimmig ein Gesetzesprojekt zur Legalisierung von medizinischem Cannabis. Laut Gesundheitsministerin Lydia Mutsch soll noch 2018 mit cannabisbasierten Behandlungen begonnen werden.

Cannabis wird als Droge konsumiert, hat aber auch einen medizinischen Nutzen und wird in einigen europäischen Ländern unter anderem zur Therapie von chronischen Leiden, gegen Übelkeit nach Chemotherapien oder auch gegen Epilepsie eingesetzt. 

Die Nutzung von Cannabis wird nun auch in Luxemburg möglich sein. Am Donnerstag verabschiedete das Parlament einstimmig ein neues Gesetz, das den medizinischen Gebrauch von Cannabis regelt. Gesundheitsministerin Lydia Mutsch zeigte sich zuversichtlich, dass noch 2018 mit der Umsetzung begonnen werden kann, dass also Patienten noch in diesem Jahr auf Hilfe durch die Verabreichung von medizinischem Cannabis hoffen dürfen.

Verschrieben werden können entweder getrocknete Cannabisblüten, die Pflanze an sich oder aber Cannabisextrakte.

Die Anwendung wird auf drei Krankheitsbilder begrenzt: zur Linderung von chronischen Schmerzen und Spastiken, etwa bei Multiple Sklerose, und bei Übelkeit nach Chemotherapien.


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Auf Wunsch der Ärzteschaft und nach einer Diskussion im zuständigen parlamentarischen Ausschuss wurde beschlossen, das Verschreibungsrecht nicht auf einige Spezialisten zu beschränken, sondern sie auch auf Generalisten auszuweiten, so dass Patienten auch über ihren Hausarzt Zugang zu cannabisbasierten Arzneimitteln erhalten.

Cannabis darf nur verschrieben werden, wenn der Zustand des Patienten den Einsatz von Cannabis rechtfertigt und wenn der betreffende Arzt vorab eine sechs- bis maximal 24-stündige Fortbildung absolviert hat.

Vorerst ist medizinisches Cannabis ausschließlich in Krankenhausapotheken erhältlich. Nach einer zweijährigen Testphase soll Bilanz gezogen und die Cannabisprodukte gegebenenfalls auch in lokalen Apotheken erhältlich sein. 

Luxemburg macht keine Eigenversorgung, sondern bezieht das Cannabis aus dem Ausland. Über eine Ausschreibung wird ein Lieferant ermittelt, der strenge Kriterien unter anderem in Bezug auf die Qualität der Produkte erfüllen muss. Zudem muss er Lieferungssicherheit garantieren. Lydia Mutsch geht davon aus, dass binnen acht bis zwölf Wochen nach Ermittlung des Lieferanten die Produkte in den Apotheken erhältlich sein werden.  

Dank des neuen Gesetzes können Ärzte, die Cannabis zu medizinischen Zwecken verschreiben, nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.



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